SMS für dich

SMS für dich





Berlin texting

Kinderbuchautorin Clara schickt nach dem Tod ihres Freundes Kurznachrichten mit nostalgischen Erinnerungen und Gedanken an dessen ehemalige Handynummer - ohne zu wissen, dass diese bereits wieder vergeben wurde: an den attraktiven Sportjournalisten Mark. Dieser ist mit seiner Freundin alles andere als glücklich und begibt sich mit Unterstützung seines besten Kumpels auf die Suche nach der unbekannten Schreiberin. Mit einer breiten Besetzung deutscher Stars verfilmt Karoline Herfurth mit "SMS für dich" den gleichnamigen Roman von Sofie Cramer zu einer launischen Sommerkomödie, der die romantischen Momente besser liegen als die komischen.

Gerade eben noch im Café herumgealbert, ein letztes Lächeln, ein letzter Blick, eine letzte Verabschiedung, ein unbedachter Gang über die Straße, von links ein Auto - ein Leben zerstört, eine Liebe begraben. So muss Karoline Herfurth als Kinderbuchautorin mit dem poetischen Namen Clara Sommerfeld in ihrem Regiedebüt "SMS für dich" den Tod ihres geliebten Freundes Ben erleben.

Nach zwei Jahren der Trauer ist Clara immer noch nicht über den Unfall hinweggekommen, ein erster Schritt soll mit der durch die beste Freundin Katja (Nora Tschirner) angeleiteten Rückkehr nach Berlin erfolgen. So ganz loslassen kann Clara allerdings noch nicht; als wäre Ben ihr digitaler Begleiter, schickt sie sehnsuchtsvolle Gedankensplitter an seine alte Nummer - nichtsahnend, dass die Nachrichten tatsächlich noch einen Empfänger finden.

Zwei bekannte Motive des romantischen Films kombiniert "SMS für dich": zum einen die textliche Kommunikation, die aus zwei Unbekannten ein Paar werden lässt ("e-m@il für Dich"), zum anderen die Sehnsucht, mit geliebten Verstorbenen in Kontakt treten zu können; die Erinnerung an sie in irgendeiner Form konservieren zu können ("P.S. Ich liebe Dich", "Zwei an einem Tag").

Im Falle Claras wird schnell klar, dass nicht nur symbolisch ein Toter durch einen Lebendigen ersetzt werden und das Leben weiterlaufen muss. Und auch der seit dem Unfalltod dauerdeprimiert herumkrauchenden Raupe Rieke, der Hauptfigur aus den von Clara gezeichneten Kinderbüchern, bleibt nichts anderes übrig, als eines Tages die Metamorphose zum Schmetterling zu vollenden.

Mark (Friedrich Mücke) heißt der rettende Engel am anderen Ende der drahtlosen Leitung. Ein hübscher, etwas blass-bodenständiger Sportreporter, der (natürlich) für seinen Arbeitgeber (originellerweise "Berliner Presse" genannt) nichts sehnlicher verfassen würde, als ausgerechnet ein Porträt über Lionel Messi - den einen der beiden Fußballspieler, die auch noch dem größten Sportignoranten ein Begriff sein dürften. Auch die anderen Figuren bewegen sich irgendwo zwischen Klischee und Karikatur.

Vor allem die Zeichnung der Frauen irritiert, die (von einer brav aus der Wäsche guckenden Clara abgesehen) wahlweise aufgedreht, nervös-nervig oder karrieregeil dargestellt werden. Die zahlreichen Nebenrollen und Gastauftritte zahlreicher prominenter Schauspieler - unter anderem Frederick Lau als berlinernder Frederick Lau, Uwe Preuss als allzeit hilfsbereiter Schankwirt und Katja Riemann in einer bizarren Rolle als esoterischer Helene-Fischer-Verschnitt - bringen zwar frischen Wind, lassen den Film, für dessen Drehbuch sich fünf Beteiligte verantwortlich zeichnen, aber zerfasern.

Bliebe es bei diesen zwar offensichtlichen, doch letztlich den RomCom-Regeln verpflichteten Entwicklungen und Figurenzeichnungen, wäre "SMS für dich" eine süß-seichte-Sommerschmonzette, die das Berliner (Ver)liebensgefühl in durchaus stimmungsvollen Bildern präsentiert. Sobald der Film jedoch seine innere Tragik durch Komik abzumildern versucht, artet das schnell in albernen und allzu billigen Klamauk aus. Mit dem Humor hapert es stellenweise arg, manche Gags haben einen Bart, auf den Fips Asmussen stolz sein könnte: "Oper? Da gehen doch nur alte Leute hin. Deswegen heißt es ja Opa!" Anderseits: Womöglich muss man heute schon froh sein, dass sich eine deutsche Komödie überhaupt über die Schwelle einer solchen Kulturinstitution wagt.

Quelle: teleschau - der mediendienst