The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years

The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years





Keine Zweifel mehr

Spätestens mit John Lennons "Populärer als Jesus"-Aussagen 1966 kam es zum Bruch zwischen den Beatles und der Öffentlichkeit. Die anschließende Tour in den USA war ein Husarenritt, gestört von christlichen Fanatikern und dem bereits gewohnten Wahnsinn, wenn die vier Pilzköpfe irgendwo auftraten. Danach brach eine neue Zeitrechnung an. Man veröffentlichte ein Album nach dem anderen, live spielen wollten die Beatles aber nicht mehr. "The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years" dokumentiert, wie es der Titel bereits verrät, die Zeit bis zu diesem Bruch, als aus dem Pop-Phänomen zum Anfassen zurückgezogene Kritikerlieblinge wurden. Kein Geringerer als Oscarpreisträger Ron Howard nahm sich des Themas an.

Ron Howard ist Jahrgang 1954. Als die Beatlemania 1964 etwas verspätet auch in die USA überschwappte, war der Filmemacher noch grün hinter den Ohren. Trotzdem erwischte sie ihn mit voller Wucht, wie er in Interviews stets erklärt. Das einzige Geschenk zu seinem zehnten Geburtstag: eine Beatles-Perücke, die er stolz über seinen roten Schopf zog. Howard ist Beatles-Fan durch und durch. Beste Voraussetzung also. Doch kann jemand über 45 Jahre nach ihrer Auflösung dem größten musikalischen Pop-Ereignis der Geschichte tatsächlich noch etwas Neues entlocken? Gerade der scheinbar so öffentlich gestalteten Band-Periode?

Auf den ersten Blick scheint das nicht das Ziel dieser Dokumentation zu sein. Vielmehr geht es Howard darum, in Erinnerung zu rufen, dass es sich bei den Fab Four nicht nur um die Pop-Revoluzzer aus den "Sgt. Pepper"-Monaten handelte. Vielmehr ist es ihm ein Anliegen, klarzustellen, dass sich die Beatles zu Recht auch schon zuvor einen bis heute unvergleichbaren Ruhm erarbeiteten. Stets kess und trotzdem liebenswürdig in Interviews, fleißig und hingebungsvoll und vor allem: großartige Musiker - das sind die vier Jungs aus Liverpool in den Augen Howards. Dass er mit dieser Meinung nicht alleine ist und dass sie nicht von ungefähr kommt, das vermitteln seine Bilder.

Er ist nah dran am Quartett. Videoaufzeichnungen aus dem Backstage-Bereich, Gespräche, die während der Albumaufnahmen mitgeschnitten wurden - manchmal benötigt es auch nur Bilder, die durch Parallax- und Rauch-Effekte belebt wirken. Alle vier kommen zu Wort, John Lennon und George Harrison aus dem reichen Archiv, Paul McCartney und Ringo Starr neu und exklusiv. Eine unüberwindbare Einigkeit spricht aus ihnen allen heraus. Man passte aufeinander auf, fand ineinander Brüder. Zeitzeugen wie Whoopi Goldberg kommen zu Wort. Durch sie und durch die schwarze Geschichts-Professorin Kitty Oliver wird die Bedeutung der Beatles für Teile der schwarzen Community der USA thematisiert: Den Briten gelang es, eine hautfarbenunabhängige, gemeinschaftliche Begeisterung auszulösen.

Was sie doch zur Aufgabe zwang, zum Rückzug aus der Öffentlichkeit - damals 1966, war ein zu seinerzeit unbezwingbarer Hype, der nicht ins Stocken kommen wollte. "Eight Days A Week" zeigt sie, wie schon Dokus zuvor, die kreischenden Mädels, die von Fans gesäumten Straßen und Flughäfen, die zum Bersten gefüllten Stadien. Howard betrachtet die Menschenmengen nicht nur als nie zuvor dagewesenes Phänomen, sondern auch als echte Bedrohung. Als Bedrohung für das letzte bisschen Privatsphäre, für den Realitätssinn und für ihre Musik.

Denn den Beatles ging es um Musik, so viel wird aus der wunderbaren Beobachtung auch klar. Auch in der Zeit, als man sich durch selbstgegründete Familien und unterschiedliche Interessen langsam auseinandergelebt hatte - das gemeinsame Arbeiten an neuen Liedern, das Fühlen der alten Verbundenheit war allen wichtig. Doch in Zeiten, in denen sie von Zehntausenden umschwärmt wurden, litt Qualität und Kreativität in einem unerträglichen Maße.

Nein, wirklich Neues vermag "The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years" nicht zu vermitteln. Gerade Anhänger der Band dürften wenig Überraschendes darin vorfinden. Für sie sind die Beatles die größte Band aller Zeiten, Zweifel daran werden keine gesät. Natürlich geht dem Film auch die Dramatik ab, die etwa die hochgelobte, oscardekorierte Musik-Doku "Amy" über Amy Winehouse vorzuweisen hat. Doch mit seinem Schwerpunkt auf die (restaurierte) Musik der Liverpooler, mit der liebevollen Bildauswahl und seiner kindlichen Begeisterung wird Ron Howard seinen Idolen gerecht. Ein Unterfangen, an dem vor ihm einige gescheitert waren.

Quelle: teleschau - der mediendienst