My First Lady

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Date mit weltpolitischen Folgen

Die Amtszeit von US-Präsident Barack Obama neigt sich dem Ende zu. Und damit die Ära eines medienwirksamen Sympathen, der auch im Privatleben den lockeren Liberalen gab. Großen Anteil daran hat First Lady Michelle, die wohl als entspannteste aller Präsidentengattinnen in die Annalen eingehen wird. Von Beginn an galten die Obamas als cooles Traumpaar, das mit kosmopolitischem Gestus Weißes Haus und Welt regiert. Im Gegensatz zu vormaligen First Couples wird das Leben der beiden auch nach der Präsidentschaft eifrig diskutiert werden. Passend zum Ende dieser Zeit erzählt nun das US-Drama "My First Lady" anhand eines einzigen Dates von der beginnenden Liebe des eifrigen jungen Barack und der zunächst skeptischen Michelle - fast gänzlich kitschlos und voller präsidialem Humor.

Ronald und Nancy? Zu altbacken. George und Barbara? Zu konservativ. Bill und Hillary? Zu skandalumwoben - warten aber momentan auf eine zweite Chance. Gleich die erste nutzen konnte jedenfalls das Ehe- und Präsidentenpaar Obama: In acht Jahren Amtszeit gelang es Barack und Michelle, sich nicht nur als menschelnde Empathen, sondern vor allem als entspannte Eltern und noch immer voneinander faszinierte Liebende zu inszenieren. Kritiker mögen nicht zu Unrecht behaupten, mit dem medialen Bild vom perfekten Präsi-Paar mit den süßen Mädels habe man bisweilen unpopuläre politische Entscheidungen geschickt kaschiert.

Dem Hype um Michelle und ihren treuen und nebenher weltmächtigsten Mann tat dies keinen Abbruch: Trotz fehlender Skandale berichtete der Boulevard begeistert von jeder Berührung der beiden; trotz vorhersehbarer Choreographie jubelte das Wahlvolk den Obamas zu. Nur allzu konsequent, wenn nun kurz bevor die reale Macht des Paares erlischt, dessen einstiges Zusammenkommen auf der Leinwand als Romanze inszeniert wird. Die Gier nach populären Starliebesgeschichten à la Diana und Charles befriedigt Richard Tannes kurzweiliges Mini-Doppel-Biopic zwar durchaus. Glücklicherweise weiß "My First Lady" aber mit bewusstem Kitschradar und vertraut Obama-eskem Humor auch emotionsarme Nichtromantiker zu überzeugen.

Entscheidend dafür ist der erzählerische Kniff, nicht etwa öde die komplette Liebesgeschichte der Turteltäubchen runterzurattern, sondern sich auf eine denkbar kurze Zeitspanne zu beschränken: Regisseur Tanne lässt Barack und Michelle, die damals noch den Nachnamen Robinson trug, einen einzigen gemeinsamen Sommertag im Jahre 1989 miteinander verbringen. Nah an den Vorbildern und glaubwürdig verkörpern Parker Sawyers und Tika Sumpter das anfänglich neckische Duo, dessen Bilderbuchgeschichte recht unromantisch unter professionellen Bedingungen beginnt.

Der junge Schlaks Barack arbeitet in einer Anwaltskanzlei in Chicago, Michelle ist ihm als eine Art Mentorin zur Seite gestellt. Zu Beginn jenes schicksalhaften Tages fragt der künftige Präsident, der schon seit Wochen auf ein Date lauert, die skeptische Schönheit, ob sie ihn auf eine Gemeinde-Diskussion in der Kirche begleiten will. Nach einigem Sträuben willigt Michelle ein - unter der Voraussetzung, dass jegliche Liebelei und Romantik vom Tisch sind. Ein Date soll es keinesfalls sein. Wird es aber natürlich dennoch.

Obama lädt seine Verehrte absichtlich ein paar Stunden zu früh ein, um mehr private Zeit mit ihr zu haben. Die Angebetete ist natürlich erst entsetzt, letztlich verbringen die beiden aber den Tag zusammen im Museum und bei Spaziergängen, bis der talentierte junge Redner vor der Black Community in der Kirche ein flammendes Plädoyer hält. Michelle ist beeindruckt und entscheidet sich, auch die Zeit nach der eigentlichen Verabredung mit dem ambitionierten jungen Mann zu verbringen.

"My First Lady" inszeniert dieses erste intensive Annähern des künftigen Paares an jenem sonnigen Tag angenehm beiläufig. Keiner überflüssigen Verklärung bedarf es, keines übertriebenen Pathosgestammels. Vielmehr liegt der Fokus auf dem bisweilen komödienhaften Situationswitz, auf den selten peinlichen Dialogen und dem spielhaft-ironischen Geknister zwischen den beiden. Ein wenig klischeehaft, aber wohl durchaus der Realität entsprechend gestaltet sich dieses Spiel: Amüsant gockelhaft versucht Obama durch intelligente Kommentare Eindruck zu schinden, Michelle reagiert vorsichtig auf die Avancen und ist doch überaus fasziniert von diesem rastlosen Typen mit Segelohren. Weniger als zwei Jahrzehnte nach jenem sonnigen Tag im Jahr 1989 sollte die ganze Welt sie als Powerpaar kennen.

Quelle: teleschau - der mediendienst