Männertag

Männertag





Kinderkotze und Koksnase

Zweimal schon ließ Hollywood seine "Kindsköpfe" (2010 und 2013) auf das Kinopublikum los. Jeweils Kassenschlager, ungeachtet der vernichtenden Kritik ob des anspruchslosen, pubertären Klamauks. Adam Sandler, Kevin James, Chris Rock, David Spade und Selma Hayek hießen die "Leider-nicht-mehr-Zwanziger" jenseits des großen Teiches. Hierzulande fand man in Milan Peschel, Tom Beck, Axel Stein, Oliver Wnuk und Lavina Wilson prominente Vertreter, die dem von der Emanzipation gebeutelten und verweichlichten Manne jenseits der 30 den Spiegel vorhalten. Am besten eignet sich da natürlich der maskulinste aller Feiertage, der "Männertag".

Sie haben geschworen, sich jedes Jahr am Vatertag wiederzutreffen und die aktuelle Jahreszahl in "ihren" Baum zu ritzen. Doch das ist immer so leicht dahergesagt. Nach 1998 und 1999 klafft bereits eine Lücke bis 2002. Dann 2006 - und Schluss. Familien, Karrieren und sowieso wohnt man ja eh zerstreut in ganz Deutschland. Erst nach zehn Jahren Pause kommen die alten Kumpels Stevie (Peschel), Chris (Beck), Klaus-Maria (Stein) und Peter (Wnuk) wieder zusammen - an ihrem Tag, den Vatertag, in manchen Teilen der Republik auch als Herrentag beziehungsweise "Männertag" bekannt. Doch der Anlass ist nicht das gemeinsame Zelebrieren der Männlichkeit und respektabler Vaterqualitäten, sondern ein trauriger: Der fünfte im Bunde, Freund Dieter, hat sich das Leben genommen.

Selbstmord hin oder her: Die "Irre sind männlich"-Autoren (2014) Ilja Haller und Philip Voges sowie Regisseur Holger Haase ("Da geht noch was!", 2013) hatten einen launigen Kino-Eineinhalbstünder im Sinn, der allen Regeln der (deutschen) Komödienkunst genügt. Und vor allem denen der lustigen Verfolgungsjagd. Denn natürlich folgt als Leichenschmaus ein testamentarisch aufgetragener Vatertags-Ausflug mit einem extra vom Verstorbenen angefertigten Bier-Bike - eines dieser mit Bierfässern bewaffneten Ausflugs-Mobile zum gemeinsamen Strampeln und, naja, Saufen. Natürlich bringen die Jungs andere Feiertags-Trinker gegen sich auf, natürlich mündet dies in eine wilde Hetzjagd und natürlich küsst der moppelige Loserjunge, nämlich Stevies Sohn Paul (Chris Tall), am Ende das hübscheste Mädchen der Schule.

Das ist an sich noch kein Problem und kann mit frischen Ideen und Figuren auch im hundertsten Anlauf noch witzig sein. Doch "Männertag" verspielt seine leicht abwegige Rollenbilderwahl mit einer jeweils erwartbaren Auflösung. Tom Beck spielt den selbst- und kokainsüchtigen Star einer harmlosen Familien-Arztserie, Axel Stein mimt den überforderten Superdaddy, Peschel den Spießerlehrer und Wnuk einen verkappten Transsexuellen. Allesamt brauchen ihre Freunde, um ihrem individuellen Schlamassel zu entfliehen - aber erst einmal soll sich das Publikum über sie lustig machen. Und schon früh entpuppen sich alle vier als Klischee-Abziehbilder von Menschen, denen jedes einzelne angesprochene Metier völlig fremd ist.

Wie in einer Männerclique nicht untypisch teilt man seine Laster, Probleme und unerwarteten Orientierungen nicht mit den anderen. Der männliche Stolz, die Angst, von den anderen nicht akzeptiert zu werden, die Furcht, sich erklären zu müssen: "Männertag" schneidet dies an, ein Feld, das humoristisch ausgeschlachtet gehört, das die männliche Selbstironie herausfordern und den weiblichen Kinogast in allem längst Gepredigten bestätigen würde. Doch der Film will lieber schnell zur Sache kommen, das bisschen Tiefgang-Gewicht fix von den Schultern nehmen. So fliegt das Bier-Bilke durch den Wald, man streitet sich, verträgt sich und drängt die Widersacher urmännlich in einer zünftigen Keilerei zurück.

Den "Kindsköpfe"-Vergleich können Beck, Stein und Co. so nur bedingt abwehren, dem völligen Gag-Feuerwerk-Blödsinn gibt man sich aber nicht preis. Mit ein bisschen Substanz und nach wenigen dann doch gelungenen Lachern schleppt sich "Männertag" nach eineinhalb Stunden über die Ziellinie.

Quelle: teleschau - der mediendienst