Mahana - Eine Maori-Saga

Mahana - Eine Maori-Saga





Shakespeare und Schafe

Da steht er auf seiner Veranda wie ein König, der mit strengem Blick seine Untertanen kontrolliert. Tamihana Mahana (Temuera Morrison) ist ein Herrscher, der keinen Widerspruch duldet - das kann man schon in der ersten Einstellung von "Mahana - Eine Maori-Saga" nicht missverstehen. Überhaupt wird Regisseur Lee Tamahori, der sich 1994 nach dem grandiosen Maori-Drama "Die letzte Kriegerin" in Richtung Hollywood verabschiedet hatte und dort unter anderem den Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" drehte, bei der Rückkehr in seine Heimat sehr deutlich. Dem Film tut dies leider nicht allzu gut.

Tamihana ist ein Patriarch alter Schule, der seinen Maori-Clan, eine Familie von Schafscherern auf der Nordinsel Neuseelands, mit harter Hand führt. Widerworte sind nicht vorgesehen - bis sich sein Enkel Simeon (Akuhata Keefe) mit der Kraft der Jugend gegen den alternden Despoten auflehnt und bestehende Machtverhältnisse in der Familie ins Wanken kommen.

Es ist ein universelles Thema, dessen sich Lee Tamahori in "Mahana - Eine Maori-Saga" annimmt. Der Stoff basiert auf dem Roman "Bulibasha: King of the Gypsies" von Witi Ihimaera, einem der wichtigsten Maori-Autoren Neuseelands, dessen Roman "Whale Rider" ein weltweiter Bestseller war und 2002 von Niki Caro verfilmt wurde.

Angesiedelt in den 60er-Jahren, spielen Geschichte, Kultur und Probleme der Maori in "Mahana" eine eher untergeordnete Rolle. Tamahori inszenierte den Film als Mischung aus Familienepos und Coming-of-Age-Story. Der Maori-Hintergrund dient hier mehr einer folkloristischen Ausschmückung denn einer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, unter denen die Ureinwohner Neuseelands bis heute leiden.

Dafür müssen ein paar wenige Szenen in diesem Hochglanz-Kostümfilm reichen. Etwa wenn sich Simeone vor Gericht darüber beschwert, dass sich die Maori nicht in ihrer Muttersprache verteidigen können. Ein paar Schnitte später bekommt er einen Schulterklopfer von seinem Lehrer - und das war's dann auch schon.

Den dramatischen Kern der Familiengeschichte unterstreicht Tamahori hingegen mit überdeutlichen Szenen. Simeon lehnt sich mit großen Worten und pathetischen Gesten immer wieder gegen seinen despotischen Großvater auf, bis er und seine Eltern vom Patriarchen verstoßen werden. Dass der Junge einem dunklen Mahana-Geheimnis auf der Spur ist und ausgerechnet mit der schönen Tochter der Erzfeinde vom Poata-Clan anbändelt, verschärft die Familienkrise zusätzlich.

"Mahana" hat durchaus etwas von Shakespeare, erreicht aber nie die tragische Wucht, weil Tamahori in gefälliger Inszenierung viel zu dick aufträgt. Probleme lösen sich am Ende bei einem Schafschur-Wettbewerb und in einem tränenreichen Geständnis während einer Beerdigung. Das Potenzial der Geschichte wird so unter schönen Bilder und einem erdrückenden Score begraben.

Quelle: teleschau - der mediendienst