Looping

Looping





Im Zwielicht

Immer wieder sind da die Farben. Und immer wieder ist da das Ungewisse. "Looping" ist ein Film voller Sinnlichkeit und Nähe. In ihrem Kinodebüt und Abschlussfilm an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf schenkt Leonie Krippendorf dem Kino, was ihm im geschwätzigen Jetzt viel zu oft abhanden kommt: Bilder. Bilder, die Geschichten erzählen, ohne viele Worte zu brauchen. "Looping" ist die Geschichte von drei Frauen, die sich in einer psychiatrischen Klinik begegnen. Sie verzweifeln - aus ganz unterschiedlichen Gründen - am Leben.

"Looping" ist ein Film der Stimmungen. Ein Film der zu schweigen versteht, wo Stille angemessen ist, und ein Film, der dazu einlädt, in ihn einzutauchen. Im hypnotisch bebilderten Prolog führt Leonie Krippendorf die 19-jährige Leila als Fixpunkt ein - eine wichtige Hilfestellung, damit man sich im Rausch der Bilder nicht verliert.

Gespielt wird Leila von Jella Haase, ein Glücksfall von Schauspielerin, die es dank zweier Teile von "Fack ju Göhte" zu beachtlicher Bekanntheit brachte: Dass man über die überaus prollige Chantal herrlich ungeniert losprusten kann, ist ihr Verdienst. Wie keine zweite Schauspielerin ihrer Generation versteht sie es, sperrige Figuren zu Menschen aus Fleisch und Blut werden zu lassen.

In "Looping" spielt sie also Leila, ein überaus zartes, verletzliches junges Mädchen. Man muss immerzu Angst haben, dass sie auf der Leinwand auseinanderbricht wie eine Porzellanpuppe. Leila ist die Tochter eines Schaustellerpaares und ein bisschen in ein gleichaltriges Mädchen verliebt. Aus Liebeskummer lässt sie sich durch eine fiebrige Nacht treiben, die ein gewalttätiges Ende nimmt.

Nach der Vergewaltigung lässt sich Leila freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen: Krippendorf nimmt in ihrer Geschichte die Perspektive Leilas ein, die als Jüngste in einem Frauentrio das Glück hat, noch genügend Neugier auf das Leben und den geringsten Überdruss zu verspüren.

In der Klinik teilt sich Leila das Zimmer mit der 50-jährigen Ann (Marie-Lou Sellem) und der 35-jährigen Frenja (Lana Cooper): Krippendorf interessiert sich nicht für Befunde und Therapien, sie begleitet die drei Frauen außerhalb des Klinikalltags. Durch eine Zeit, die eine Art Zwielicht ist, durch das sich Leila, Ann und Frenja schemenhaft bewegen und in dem sie sich gegenseitig Halt geben können.

Der Film beobachtet Leila, Ann und Frenja beim Schlafen und Tanzen, beim Rauchen und Strandspaziergang. Jede ist bei sich und doch sind sie zusammen. Ihre Hintergrundgeschichten erfährt man beiläufig: dass Ann mehrere Suizidversuche hinter sich hat, und dass Frenja in ihrem scheinbar glücklichen Familienleben jegliche Anerkennung versagt geblieben ist.

Krippendorf verknüpft die Geschichten der Frauen zu einem respektvoll-diffusen und dabei sinnlichen Porträt. Die gelernte Fotografin hat dabei einen ausgesprochen starken Drang, Atmosphäre statt Worte sprechen zu lassen. Ihre Kamerafrau Jieun Yi übersetzt das Drehbuch in warme, vage Bilder von leichter Dunkelheit, die nie direkt sind, aber immer auf den Punkt. Das macht "Looping" zu einem traumwandlerisch schönen Film, der viel Raum lässt für eigene Assoziationen.

Nur der Song ganz zum Schluss ist vielleicht etwas zu unvermeidlich: Leila tanzt zu "Sunny" über den fast leeren Rummelplatz. Aber wer hat das Herz, nach diesen hundert Kinominuten nicht hoffen zu wollen, dass die dunklen Tage vorbei sind?

Quelle: teleschau - der mediendienst