Antonio, ihm schmeckt's nicht

Antonio, ihm schmeckt's nicht





Familie ist Nahkampf

Über 1,35 Millionen Zuschauer sahen 2009 die Culture-Clash-Komödie "Maria, ihm schmeckt's nicht" im Kino. Nach der Bestseller-Vorlage von Jan Weiler spielte Christian Ulmen darin einen liebenswerten deutschen Spießer, der die italienische Familie seiner Verlobten kennenlernt und dabei mit Anlauf Bauchklatscher in allerlei Fettnäpfchen landet. Nun folgt mit "Antonio, ihm schmeckt's nicht" die Fortsetzung, die auf Motiven von Jan Weilers Roman "Antonio im Wunderland" basiert. Doch die Leichtfüßigkeit und die liebevoll gezeichneten Charaktere des Vorgängers sucht man diesmal leider vergebens.

In die Rolle von Jans (Christian Ulmen) italienischem Schwiegervater Antonio schlüpft dieses Mal Alessandro Bressanello, der inzwischen 80-jährige Lino Banfi ist nicht mehr dabei. Aber Antonio hat seit 2009 nicht nur sein Aussehen verändert - auch seine Persönlichkeit ist eine andere: War Antonio in "Maria, ihm schmeckt's nicht" noch ein knurriger Brummbär, der als Familienoberhaupt tatsächlich nur das Beste für sein geliebtes Töchterchen Sara (Mina Tander) will, gibt sich Bressanellos Antonio als leicht verwirrtes Schlitzohr, das am Flughaften schon mal mit schlechten Witzchen für eine "Bombenstimmung" sorgt.

Antonio hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, seine schwangere Tochter und den ungeliebten Schwiegersohn in die Flitterwochen zu begleiten. Kurzerhand bucht er mit einer vorgeschoben wirkenden Begründung ein Ticket nach New York und macht sich in der Honeymoon-Suite der beiden breit. Das führt natürlich zu zahlreichen absurden Situationen, in denen das Trio mehrmals verhaftet wird. Slapstick-Fans dürften dabei voll auf ihre Kosten kommen, feinsinniger Humor ist in "Antonio, ihm schmeckt's nicht" hingegen eher die Ausnahme. Man merkt dem Film deutlich die Handschrift von Regisseur Sven Unterwaldt Jr. an, der unter anderem für den Klamauk in "Alles Atze", "7 Zwerge - Männer allein im Wald" und "Ottos Eleven" verantwortlich zeichnete.

Unter der veränderten Tonalität der Fortsetzung leidet auch die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller: Christian Ulmen präsentiert in zu vielen Szenen denselben Gesichtsausdruck (überfordert), während Mina Tander versucht, über das Chaos hinwegzulächeln (manisch). Ihre Rechtfertigung für die ruinierten Flitterwochen lautet einfach: "Familie ist Nahkampf!" Als wahre Scene Stealer erweisen sich Olli Schulz und Peter Nottmeier, die ihren Nebenrollen mehr Charme verleihen, als das Drehbuch von Daniel Speck ihnen eigentlich zugesteht.

Bleibt noch die Sinnfrage des Filmtitels zu klären. Offenbar war man der Meinung, das Publikum könnte den Titel der Buchvorlage, "Antonio im Wunderland", nicht als Fortsetzung des Kassenschlagers "Maria, ihm schmeckt's nicht" identifizieren und entschied sich daher für die Hilfestellung "Antonio, ihm schmeckt's nicht". Doch im Gegensatz zum Titel des Vorgängers fällt dieser Satz im Film nicht und daher stellt sich die Frage: Wem schmeckt hier was nicht? Die Antwort könnte lauten: Dem Zuschauer schmeckt diese platte Fortsetzung nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst