Lowlife Love

Lowlife Love





Hauen und Stechen

Filmbusiness - das verheißt zuerst einmal Glanz und Gloria, Blitzgewitter, Schreiten auf roten Teppichen, Autogrammsessions für johlende Zuschauer, Coverstorys, Starkult. Die Realität ist oft um einiges trostloser: Oberflächlichkeit, Rivalität und Eifersüchteleien verbergen sich mitunter hinter der glitzernden Fassade. Ein permanentes Hauen und Stechen, Jeder gegen Jeden, Überlebenskampf. In seiner bösen und abgründigen Satire "Lowlife Love" beleuchtet der japanische Regisseur Eiji Uchida ("Greatful Dead", 2013) die unglamourösen Schattenseiten einer zutiefst oberflächlichen, rücksichtslosen und sexbesessenen Branche.

Tetsuo (Kiyohiko Shibukawa) ist am absoluten Nullpunkt seiner Karriere angekommen, er führt das titelgebende Lowlife. Einst feierte der Indie-Regisseur ausgerechnet mit einem Film namens "Die Sau" einen Hit auf den Filmfestivals dieser Welt, jetzt ist der Enddreißiger selbst zu einer solchen geworden: Er schläft auf einer Matratze auf dem Boden im Haus seiner Mutter, schnorrt sich von ihr Geld und verdient am Dreh von Amateurpornos, die er in zwielichtigen Bars verkauft. Die Filmkunst, von der er einst träumte, liegt in weiter Ferne - stattdessen verschreibt sich die Hauptfigur des japanischen Dramas dem Opportunismus, dem schnellen Geld und dem noch schnelleren Sex.

Mit verkniffenem Blick, aus dem nur noch Arroganz und Verachtung sprechen, stellt Tetsuo Frauen bis auf die Toilette nach, nutzt schamlos seinen einstigen Ruhm aus, um so viele ins Bett zu kriegen, wie nur möglich. Wenn die Beute am nächsten Morgen erschreckt das Weite sucht, muss eben mit Handarbeit weitergeholfen werden, egal ob es die Familie mitbekommt. Zusammen mit seinem eifrig-dümmlichen Assistenten Mamoru (Yoshihiko Hosoda), der sich sogar Tetsuos Schläge auf den Hinterkopf gefallen läßt, leitet er eine kleine Schauspielschule, in der sich naive Halbtalente für Filmprojekte zum Affen machen, die meist der Phantasie des arroganten Ekels entspringen. Erst als eines Tages ein schüchternes, aber begabtes Duo anklopft - der Drehbuchautor Ken (Shugo Oshinari) und die Schauspielerin Minami (Maya Okano) - stürzt sich der Versager wieder in seine Arbeit.

Mit präzisen Einstellungen von fast dokumentarischer Qualität zeichnet Uchidas Film, der seine Deutschlandpremiere im Mai bei der Frankfurter Nippon Connection feierte, ein ebenso düsteres wie tragisch-komisches Bild der japanischen Indie-Filmwelt, die vor allem im grauen Zwielicht von kleinen Restaurants und kalten Proberäumen stattfindet. Dabei sind so manche Szenen der Low-Budget-Produktion repetitiv, was aber gerade die Drastik und das ewig Gleiche des mechanistisch agierenden Filmbetriebs unterstreicht.

Bis auf die beiden Idealisten Ken und Minami sind alle Figuren in "Lowlife Love" berechnende Egomanen. Die Frauen wollen ausschließlich Erfolg, den sie sich durch die Erfüllung dessen versprechen, hinter dem die Männer her sind: Sex. Den gibt es nicht ohne Gegenleistung und schamloses Ausnutzen, dafür mit völliger Abwesenheit von Gefühlen. Während abgehalfterte Alphatiere, Regisseure und Produzenten sich wahlweise in ihrer angeblich ruhmreichen Vergangenheit sonnen oder die banalsten Erkenntnisse über das Kino und die Welt als finale Weisheit verkaufen, hängen die Schauspielerinnen an ihren Lippen, künstlich lachend, hoffend. Doch natürlich liegt der große Erfolg ganz woanders.

Man ist hin und hergerissen zwischen Mitleid und Ekel vor diesen verlorenen Gestalten, die zu besseren Zeiten in ihren Köpfen noch Träume hatten. Geblieben sind Abbilder, Projekte, Totgeburten. Zwar ist Uchidas Darstellung, der für "Lowlife Love" selbst das Drehbuch schrieb und dazu den Schnitt übernahm, manchmal sehr plakativ und überzogen wie so oft im japanischen Kino, doch es lehrt effektiv: Filmemachen heißt Kämpfen. Und verlieren. Das kann sehr lustig sein, manchmal aber so bitter, dass das Lachen im Hals stecken bleibt.

Quelle: teleschau - der mediendienst