Suicide Squad

Suicide Squad





Die guten Bösen

Was ist ein Held? Zumindest mit Blick auf die Comic-Welt war diese Frage vor 30, 40 Jahren noch leicht zu beantworten: Figuren wie Superman - durch und durch gute, rechtschaffene Saubermänner, die sich mit jeder Faser ihres übermenschlichen Körpers für das Wohl aller einsetzen. Seit den 90-ern, vor allem aber seit der Jahrtausendwende, reüssierten dann neue, aufregendere Typen, vor allem im Kino: die Watchmen, Judge Dredd, ein zunehmend finsterer Batman - Helden mit tiefen Charakterschrammen und fragwürdigen Methoden. "Suicide Squad" geht vermeintlich den nächsten Schritt: Hier werden waschechte Schurken zu Kämpfern für das Gute. Es hätte ein denkwürdiger Film werden können.

"Was, wenn der nächste Superman ein Terrorist wird?": Von dieser Sorge angetrieben, startet die undurchsichtige Regierungs-Frau Amanda Waller (Viola Davis) in Gotham City ein waghalsiges Projekt, das bei Entscheidungsträgern aus Politik und Militär zunächst auf nachvollziehbare Ablehnung stößt. Sie will eine Handvoll inhaftierter Super-Schwerverbrecher zusammenführen und als "Task Force X" in Ausnahmesituationen von der Leine lassen. Etwa zur Bekämpfung von Terroristen, oder eben bei einer Bedrohung durch böswillige Übermenschen, denen man auf "normalem" Wege nicht beikommt. Wenn eine der Schurken-Sondereinsatzkräfte im Gefecht draufgeht? Wen kümmert's, eine Sorge weniger für die Gesellschaft!

Regisseur und Drehbuchautor David Ayer ("Herz aus Stahl", "End of Watch") hat eine bunte, prominent besetzte Selbstmörder-Truppe zusammengewürfelt, wobei er sich teils bei der Comic-Vorlage bediente, aber auch gezielt auf andere düstere Ecken des DC-Universums zurückgriff. Neben dem außerordentlich zielsicheren Söldner Deadshot (Will Smith) ist da etwa noch der australische Captain Boomerang (Jai Courtney). Hinzu kommen unter anderem der Kroko-Miesepeter Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), die mehrere Jahrtausende alte Hexe Enchantress (Cara Delevingne), der Feuerteufel El Diablo (Jay Hernandez) und, als Sahnehäubchen, die kindlich-naiv mordende Harley Quinn (Margot Robbie).

Der verdiente, zumindest strafrechtlich saubere Elitesoldat Rick Flag (Joel Kinnaman) wird zum widerwilligen Babysitter, der dafür sorgen soll, dass die Mitglieder der Task Force X nicht über die Stränge schlagen. Und dann schwirrt da, was schon lange vor dem Kinostart jeder wusste, auch noch irgendwo der Joker (Jared Leto) herum.

Mit diesem Joker beginnt's dann auch schon, problematisch zu werden. Jared Leto grimassiert nach Leibeskräften und redet dazu unendlich wirres Zeug. Am Ende kommt dabei jedoch nur ein durchgeknallter Irrer heraus - ein Schatten der Darbietungen von Jack Nicholson und Heath Ledger, wenngleich die beiden die Messlatte natürlich extrem hoch legten.

Schlimmer wiegt aber, dass für diesen Joker in "Suicide Squad" eigentlich gar kein Platz ist. Weil man hier wieder einmal direkt eine ganze Blockbuster-Reihe plant, wurde der erste Film vom zweiten her gedacht. Heißt: Man will den großen Batman-Antagonisten, der seiner geliebten Harley Quinn nachjagt, irgendwie dabei haben, unbedingt. Aber nicht als Teil der Task Force X und (noch) nicht als großen Endgegner. An seiner statt wird eine andere, in diesem Film fürchterlich deplatziert wirkende Figur zum Anlass, die "Suicide Squad" erstmals im Kampfeinsatz zu erproben: Die anfängliche Befürchtung der Regierungs-Oberhäupter, die Task Force X lasse sich nicht kontrollieren, wird wahr. Terror in Gotham City, Chaos, grenzenlose Zerstörung in spektakulären Bildern. Das Übliche.

Dass der Joker so eindimensional daherkommt, ist bedauerlich, wäre aber verschmerzbar. Was David Ayer aus seinem eigentlich bösartigen Selbstmordkommando macht, wird für erwartungsvolle Zuschauer hingegen bald zum echten Ärgernis. Ein reizvolles Oszillieren zwischen Gut und Böse, mit dem man ja durchaus rechnen durfte, findet nicht statt. Killer Croc ist ziemlich schroff, ja, und der Dosenbier-Fan Captain Boomerang scheint sich nur unregelmäßig zu waschen. Ansonsten sind die "Suicide Squad"-Mitglieder aber eigentlich alle ganz nett.

Was sich auch im generellen Ton des Films niederschlägt. Nicht eine echte Schandtat wird da verübt, es wird kaum geflucht und erschreckend blutarm getötet. Würden sich Harley Quinn, Deadshot und Co. nicht immer wieder gegenseitig daran erinnern, dass sie ja die "Bösen" sind - man würde es glatt vergessen. So ist "Suicide Squad", trotz einiger unterhaltsamer Momente und eines ziemlich coolen Soundtracks, letztlich dann doch nur ein ganz normaler Action-Film für die breite Masse. Schade. Da war mehr drin.

Quelle: teleschau - der mediendienst