Willkommen im Hotel Mama

Willkommen im Hotel Mama





Wenn Kinder zu Bumerangs werden

Da denkt man, die Kinder seien aus dem Haus - und dann stehen sie plötzlich wieder an der Türschwelle. Geschuldet ist dieses relativ neue Phänomen in Südeuropa den wirtschaftlich schwieriger gewordenen Verhältnissen. Die Arbeitslosigkeit - auch unter Akademikern - steigt und schon sitzt der Nachwuchs, der einst fürs Studium auszog und nie zurückkommen wollte, wieder im Kinderzimmer. Für diese Regression existiert sogar ein Begriff, "Generation Bumerang", und darüber wollte der französische Regisseur Éric Lavaine einen Film drehen: "Willkommen im Hotel Mama" erzählt von einer Familie, deren Streitigkeiten wegen des Wiedereinzugs der Tochter bei Muttern so richtig in Gang kommen - eine gepfefferte Sommerkomödie über Generationskonflikte und Geschwisterzwist.

Die erste Szene zeigt in hübschen Splitscreenbildern die Mittvierzigerin Stéphanie (Alexandra Lamy) beim Cruisen im schicken Auto gen Sonnenuntergang. Kurze Zeit später gibt sie den Schlüssel ab und steigt mit ihren Koffern in einen Bus. Spätestens jetzt ist klar, dass etwas in ihrem Leben gründlich schief gelaufen sein muss: Ihre Firma ging in Konkurs, das Ersparte ist ebenso weg wie die Wohnung.

Bleibt als letzte Rettung nur noch Mama, die in ihrem südfranzösischen Herkunftsort wohnt, wo auch Stéphanies Ex-Mann und ihr kleiner Sohn leben. Es folgen wenig überraschende, aber unterhaltsame Konfliktsituationen rund um Wohnungstemperatur, Musikgeschmack und Bevormundung der Jüngeren in Sachen Lebensführung und Jobsuche. Stück für Stück erfährt man auch mehr über das Leben der gescheiterten Architektin, die sich trotz ihrer desolaten Situation überaus schlagfertig erweist.

Die Story der französischen Komödie spielt sich auf einem boulevardesken, realitätsfernen Niveau ab: Im Jobcenter bietet man Stéphanie nur eine Beschäftigung als Prospektausträgerin auf Inline-Skates an. Interessanter erweist sich die Figur der Mutter (Josiane Balasko), die ihr Leben mit einem neuen Mann, dem Nachbar Jean (Didier Flamand), jetzt endlich einmal genießen wollte. Mit der Tochter im Haus muss sie sich nun heimlich mit ihrem Liebhaber treffen, was zu seltsamen Verhaltensweisen und Ausreden führt, die Stéphanie befürchten lassen, Frau Mama habe Alzheimer.

Die Geschichte gipfelt in einem Abendessen, zu dem Mama Jacqueline ihre drei Kinder einberuft, um ihnen allen zusammen von Jean zu erzählen. Hier kommt der Film endlich richtig in Fahrt, denn zwischen den beiden Schwestern und dem Bruder knirscht es gewaltig im Beziehungsgefüge. Und auch der Ehemann von Stéphanies Schwester Carole (Mathilde Seigner) bekommt heftige Breitseiten ab.

Wirklich witzig sind die Unterstellungen der Kinder, die Mutter habe für das Essen eine fertige Quiche von Picard aufgetaut und sich also keine besondere Mühe für sie gegeben. Jacqueline versteht den Vorwurf nicht, schließlich stand sie Stunden für die Spezialität nach einem Rezept aus der Picardie in der Küche. Ein schöner Sprachwitz, der leider nur in der französischen Originalversion so wirklich funktioniert.

Die Szenen am Tisch gehören zu den stärksten im Film. Sie verraten viel über Familiendynamiken - keiner hört dem anderen richtig zu und alle funktionieren in ihren seit der Kindheit eingenommen Rollen. Der schnelle Schlagabtausch gelingt dank des guten Timings zwischen den Darstellern wunderbar, ebenso der Humor. Doch inmitten des Familienchaos spielt die Rückkehr der Tochter in die elterliche Wohnung kaum mehr eine Rolle.

Anders als im "Generation Nesthocker"-Film, der gelungenen französischen Komödie "Tanguy" (2001), verschenkt Regisseur Lavaine sein Rückkehrer-Thema. Die "Generation Bumerang" wird lediglich zum Aufhänger eines weiteren Films über Konflikte zwischen Eltern, Kindern und Geschwistern. "Willkommen im Hotel Mama" unterhält mit gepfefferten Dialogen und einigen sehr gelungenen Szenen, enttäuscht letztlich aber durch ein sehr konstruiertes, schwaches Ende.

Quelle: teleschau - der mediendienst