Schweinskopf al dente

Schweinskopf al dente





Krampfadern und Leberkässemmeln

Es ist einfach nur zauberhaft, schon immer. Mit Charme, rustikalem bayerischem Witz und einem ganz besonderen Händchen bei der Besetzung. Es kommt nicht oft vor, dass Fans einer außergewöhnlich erfolgreichen Buchreihe so glücklich sind mit den Verfilmungen wie in diesem Fall. In der Kinowelt des chronisch lethargischen und eigentlich immer genervten Ermittlers Franz Eberhofer aus Niederkaltenkirchen stimmt jedes Detail. Sicher, auch im dritten Film mussten sich die Macher immer mal wieder von Rita Falks Buchvorlage lösen, um dem Ganzen Tempo zu verleihen. Aber der "Schweinskopf al dente" ist trotzdem eine höchst schmackhafte Mahlzeit geworden, die wie schon die beiden Vorgänger "Dampfnudelblues" (2013) und "Winterkartoffelknödel" (2014) nur in den bayerischen Kinos erscheint. Was natürlich eine gute und richtige Entscheidung ist.

"Der ganze Bua a Depp!" Papa Eberhofer, wieder schlicht brillant gespielt von Eisi Gulp, würde seinem Sohn Franz (Sebastian Bezzel) einfach nur gerne in den Hintern treten. Und die Oma (Enzi Fuchs) würd's nicht anders machen, wenn sie es noch könnte. Hat doch der Franz seine Susi (Lisa Maria Potthoff), mit der er schon seit Jahren eine On-Off-Beziehung führt, nach Italien abhauen lassen, wo sie sich von einem Pizzabäcker betören lässt. Lieben wird sie ihn, sagt sie, und in seinem Restaurant mag sie als Bedienung arbeiten. Der Franz findet's nicht gut, weil man davon Krampfadern kriegt - "und du neigst doch eh dazu". Und weil das nicht die Art von Charme ist, den die Susi mag, ist sie nun denn auch weg, die Susi. Der Franz soll ihr hinterher, sagen ihm alle seine Freunde, darunter auch der Metzger Simmerl (Stephan Zinner) und der Heizungspfuscher Flötzinger (Daniel Christensen), der es diesmal ziemlich wild treibt mit den Madeln.

Aber Franz hat zu tun. Was er ja eigentlich gar nicht mag. Doch liegt im Bett des Dienststellenleiters Moratschek (Sigi Zimmerschied) ein abgeschnittener und bisschen muffig dreinschauender Schweinskopf. Ob der bissfest ist, klärt sich nicht. Wohl aber steht mit ziemlicher Sicherheit fest: Den Kopf hat der Küstner (Gregor Bloéb) da reingelegt. Den Schwerverbrecher hat der Moratschek einst hinter Gittern gebracht. Doch bei einem Gefangenentransport gelang ihm die Flucht. Und nun ist er auf Rache aus. Nicht nur der Moratschek soll dran glauben, sondern auch der Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), Franz Ebershofers bester Kumpel. Als der Rudi noch Polizist war, ein impulsiver, hat er den Küstner dann doch mal ziemlich vorgeführt. Das hat der ihm nicht verziehen.

Der Schisser Moratschek weiß sich jedenfalls keinen Rat und zieht vor lauter Angst bei den Eberhofers ein, bis der Schurke gefasst ist. Es sind die schönsten Stellen im Buch und auch im Film, wenn Moratschek zusammen mit Vater Eberhofer die Auszeit genießt. Es wird gesoffen, gekifft und laut Musik gehört. Althippie Eberhofer findet einen Bruder im Geiste. Man tanzt bis zum Delirium und findet sich tatsächlich im selben wieder, nachdem sich Küstner heimlich ins Haus geschlichen hat und dem "Schattunöff-dü-Pap" eine obskure Flüssigkeit beigemischt hat. Jawohl - es wird gekotzt in diesem Heimatkrimi. Kommt im wahren Leben ja auch in den besten Familien vor.

Stefan Betz hat das Drehbuch zu dieser niederbayerischen Komödie verfasst und fand dabei die bestmögliche Mixtur zwischen dramaturgisch Notwendigem und völlig Banalem. Denn Letzteres ist in den Büchern von Rita Falk ja meistens wichtiger als der Fall selbst. Es geht um den Alltag, ums Saufen in der Kneipe und ums Huren im Puff einerseits, aber eben auch um die unbändige Sehnsucht von Männern Ü40 nach ein bisschen Ruhe. Und nach Leberkässemmeln. Betz, Rita Falk und natürlich auch Regisseur Ed Herzog lieben all ihre Figuren und lassen jede einzelne von ihnen glänzen - und mit ihnen die Darsteller.

Natürlich: Das hier ist kein Arthouse. Da macht also keiner eine nennenswerte charakterliche Entwicklung durch. Jedes Klischee wird bedient. Alles ist irgendwie erwartbar, und mancher Kalauer krepiert dann doch nur knapp über der Geschmacksoberfläche. Aber: Grad wurscht ist's. Weil's einfach trotzdem rundum gelungene, entspannte, charmante und vor allem ehrliche weiß-blaue Unterhaltung ist, wie sie der Bayer mag. Also jetzt auch nicht jeder Bayer. Aber viele, wie die Verkaufszahlen der bisher insgesamt sieben Eberhofer-Krimis in Buchform belegen. Der letzte erschien vor Kurzem ("Leberkäsjunkie"), der nächste kommt 2017 ("Weißwurstconnection"). Und auch weitere Filme wird es, davon darf man wohl ausgehen, geben. Der Heimatfilm boomt eben, sofern nur ein Verbrechen drin ist. Und eine Leberkässemmel. Oder zwei. Oder drei.

Quelle: teleschau - der mediendienst