Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows





Aus dem Schatten, in die Schildkrötensuppe

Leonardo, Donatello, Michelangelo, Raphael - sie sind wieder da, die Teenage Mutant Ninja Turtles. Michael Bay belebte die vier Schildkröten 2014 als Produzent wieder in einem dieser Filme, wie Michael Bay sie zuletzt eben machte. Action bis zum Anschlag, viel CGI, teenageraffine Albernheiten. Auch wenn viele Kritiker und Fans die Nase darüber rümpften, dass die Turtles nun selbst Nasen haben: Man konnte sich den Film, dieses zumindest in Teilen charmante und unterhaltsame Wiedersehen, schon irgendwie schönreden. Mit dem Comeback-Bonus kann die Fortsetzung, bei der Dave Green die Regie-Nachfolge von Jonathan Liebesman antrat, nicht mehr punkten. Im Grunde kann "Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows" mit gar nichts punkten.

Leonardo, Donatello, Michelangelo, Raphael - was haben sie mit euch gemacht? Sie haben euch verkocht in einer ganz und gar ungenießbaren Schildkrötensuppe! Ein Wegwerfprodukt ohne Form und Inhalt, das nur noch auf billiges Spektakel abzielt. Und dabei weiß man nicht einmal, auf wen genau man nun eigentlich böse sein soll.

Doch von vorn: Der Shredder (Brian Tee) kehrt zurück. Und Krang, das unter anderem aus der 90er-Trickserie bekannte Superhirn (Krang ist tatsächlich ein Gehirn), taucht auf. Erstmal in einer anderen Dimension, in die er Shredder mittels Teleport "entführt". Die beiden handeln einen Deal aus: Shredder darf weiterleben und sich an den Turtles rächen, die ihm ja im ersten Film das Handwerk legten, wenn er dem vollanimierten Alien-Warlord im Gegenzug hilft, dessen Technodrom - so etwas wie das Turtles-Pendant zum Todesstern - nach New York zu teleportieren. Gemeinsam möchten sie dann alles kaputtmachen und die Menschheit unterwerfen. Was die Turtles, die bisher in der Kanalisation lebten und sich titelgemäß nun "aus dem Schatten" trauen, natürlich verhindern wollen, unterstützt von ihrem Ratten-Sensai Splinter und April O'Neill (Megan Fox).

Die Geschichte, die sich aus der diabolischen Allianz zwischen Shredder und Krang entwickelt, mag man als solche gar nicht bezeichnen. Josh Appelbaum und André Nemec verfassten schon das Drehbuch zum ersten Film. Nun ergänzen sie den bereits vorhandenen Figurenstamm einfach um weitere Charaktere, die man aus früheren "TMNT"-Filmen oder -Serien kennt. Dr. Baxter Stockman (Tyler Perry), das mutierte Nashorn Rocksteady und dessen Warzenschwein-Kumpel Bebop, die allesamt zu Shredders Schergen werden, dazu der Cop Casey Jones (Stephen Amell). Dieser Ansatz ist prinzipiell natürlich ein guter und ein richtiger. Nur: In der ohnehin lieblos zusammengeschusterten Story wirkt es ständig, als seien all diese Figuren einfach nur da, damit sie da sind, und dabei werden sie den Vorlagen nicht im Ansatz gerecht. Stockman etwa mutiert in der TV-Serie zur Fliege, hier ist er einfach nur ein schrulliger Wissenschaftler.

Dave Green (Jahrgang 1983, "Earth to Echo") wiederum, dem als Jung-Regisseur womöglich noch das nötige Selbstvertrauen fehlt, macht sich komplett zum Sklaven der längst ausgelutschten Michael-Bay-Filmästhetik. Keine Vision, nicht eine wirklich originelle Idee, nur Effekte. Natürlich sieht der Film super aus. Tatsächlich könnten jedoch fast alle Action-Szenen, wenn man die animierten Schildkröten nur gegen Roboter austauscht, auch aus einem "Transformers"-Film stammen.

Das ist dann wohl auch das, was an "Out Of The Shadows" am meisten schmerzt: Dem Film fehlt das Herz. Wo sich der Vorgänger trotz gravierender aber auch nötiger Neuerungen glaubwürdig bemühte, die Fans von früher mitzunehmen, gerät das Sequel zu einem Schlag ins Gesicht jedes Turtlemaniacs. Leonardo, Donatello, Michelangelo, Raphael - hier stehen diese vier Namen nur noch für die vielbeschworene kreative Krise, die in kaum einem Hollywood-Film der letzten Jahre so ungeschminkt zutage trat wie in diesem Wegwerf-Blockbuster.

Für all diejenigen, die die Turtles im Herzen tragen, bleibt nur eins: hoffen, dass Michael Bay die Turtles nach dem dritten Film, für den sich bereits diverse Darsteller verpflichtet haben, wieder in die Kanalisation verschwinden lässt. Vielleicht findet sich dann in einigen Jahren jemand, der sie wieder hervorholt und etwas Frisches wagt. Potenzial böten sie ja durchaus. Man muss sich nur mal die düsteren, archaischen Comics ansehen, mit denen die Zeichner Kevin Eastman und Peter Laird die Turtles einst zum Leben erweckten ...

Quelle: teleschau - der mediendienst