Te3n

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Zeit heilt keine Wunden

Seit acht Jahren stellt John Biswas (Amitabh Bachchan) jeden Tag die gleiche Frage: "Haben Sie etwas herausgefunden?" Er kennt die Antwort, die er seit acht Jahren jeden Tag bekommt: "Nein. Sobald wir etwas haben, melden wir uns bei Ihnen." Trotzdem kommt der alte Mann jeden Tag wieder auf das Polizeirevier in Kalkutta - die Entführung und Ermordung seiner Enkelin Angela hat ihn aus der Bahn geworfen. An eine Aufklärung des Verbrechens wagt John nicht mehr zu glauben, bis er im faszinierenden indischen Thriller "Te3n" plötzlich die Chance auf Erlösung bekommt.

Obwohl Angelas Fall offiziell noch nicht zu den Akten gelegt wurde, ermittelt die Polizei nicht weiter. John, dem sein Leben immer mehr entgleitet, sucht selbst nach Hinweisen und findet in der Tat eine neue Spur - die erste seit Jahren. Gleichzeitig muss die Polizei einen neuen Kidnapping-Fall lösen, der Angelas Entführung frappierend ähnelt.

Dass Filme wie "Te3n" nur selten außerhalb Indiens zu sehen sind, ist jammerschade. Denn Bollywood kann viel mehr und ist viel mehr als farbenfrohe Liebesschmonzetten mit überdimensionierten Tanzeinlagen. Mehr als zwei Stunden nimmt sich Regisseur Ribhu Dasgupta für das Remake des koreanischen Thrillers "Hangul" Zeit - die erzählerische Ruhe mag gewöhnungsbedürftig sein. Es ist aber keine Minute verschenkt. Im Gegenteil: Der Film bietet genügend Raum, um sich in einem im Grunde klassischen Whodunnit auf die Protagonisten einzulassen und ihre Motive zu verstehen.

Neben John stehen der Ex-Polizist Martin Das (Nawazuddin Siddiqui) und die Ermittlerin Sarita Sarkar (Vidya Balan) im Mittelpunkt. Martin hat sich nach dem Entführungsfall Gott verschrieben und ist Priester geworden, Sarita setzt sich mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit in ihrem von Männern dominierten Job durch. Als die drei nach fast einer Stunde durch den neuen Entführungsfall auf die Spur von Angelas Mörder kommen, nimmt der Film deutlich Fahrt auf.

Ribhu Dasgupta zieht alle Register: Der Regisseur weiß, wie man das Publikum emotional mitnimmt, wie man Spannung erzeugt und bis zum Schluss hält - und zwar ohne hektische Schnitte und hinlänglich bekannte Wendepunkte. "Te3n" funktioniert, weil die persönlichen Dramen der Protagonisten mehr als schmückendes Beiwerk sind, sondern vielmehr essentieller Bestandteil der Handlung.

Der Film ist dabei weniger exotisch, als man vermuten könnte: Die Polizeiarbeit ist auch in Indien ein mühsames Puzzlespiel, der Schurke clever, die Guten sind nicht immer gut, die Bösen sind nicht immer böse. Von Kalkutta sieht man weder die Postkartenseiten, noch extrem verstörende Slumbilder. Stattdessen gibt es den Alltag im Moloch zu sehen, der mal dunkel, mal sonnig, mal elend, mal zermürbend ist - und immer sehr realistisch wirkt.

Quelle: teleschau - der mediendienst