Collide

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Quatsch nicht - fahr!

Wagemutig ruckt die Tachonadel auf immer neue Höchststände vor, der Fahrer setzt sein entschlossenstes Gesicht auf, das Auto röhrt vor Lust und Schmerz an der Geschwindigkeit. "Collide" möchte einfach von der ersten Sekunde an einen blendenden Eindruck machen, ein ganz und gar wahrer Actionfilm sein. Beim U-Turn-Versuch auf der deutschen Autobahn bleibt der Wagen auf dem Dach liegen. Kollektiv machen alle anderen Fahrer halt, steigen eher verwundert als entsetzt aus, gezeichnet von einer Behäbigkeit, die der demographische Wandel mit sich bringt. Die Kamera von Ed Wild hat dafür kaum Zeit. Schon muss sie auf den verunglückten Fahrer zoomen, der aus dem Off weise erklärt, es gäbe gute Gründe, verrückte Dinge zu tun. Die Liebe zum Beispiel. Man ahnt: In "Collide" sollten die Räder besser nicht stillstehen.

Die Räder drehen sich für eine ganze Weile. Doch wer auf diese rasante Weise mittendrin anfängt, hat das Publikum zwar erstmal erobert, muss dann aber auch nachliefern. Das gelingt Regisseur Eran Creevy und Drehbuchautor F. Scott Frazier kaum. Der zart beflaumte Engländer Nicholas Hoult mimt den jungen Amerikaner Casey, der zuhause Autos geklaut haben soll und seine kriminelle Karriere nun in Köln am Rhein hinter sich lassen will. Dort bedient in einem Club seine Landsfrau Juliette, gespielt von Felicity Jones, auch britischer Herkunft. Casey macht sie auf so hinverbrannt gedrechselte Weise an, dass sie gar nicht anders kann, als ihm zunächst einen Korb zu geben.

Aber kämen sie nicht doch irgendwie zusammen, könnte der Film nicht richtig losgehen, und das soll er doch bitteschön. Außerdem steckt ja Tiefsinniges darin, dass Casey bei ihrer ersten Begegnung zu Juliettes Verblüffung behauptet, sie seien ja schon längst zusammen. Mit seinem In-medias-res-Einstieg ist der Film doch auch immer einen Schritt voraus, oder? Kleine Zeitsprünge vor- und rückwärts geben dieser Suggestion hin und wieder Nahrung.

Wichtiger ist aber natürlich, dass Casey und Juliette sich ineinander verlieben. Ihretwegen gibt er den Geldeintreiber-Job auf, den man ihm ebensowenig abnimmt wie die Karriere als Autodieb, und malocht fortan auf dem Schrottplatz. Manchmal lässt er auch die Arbeit einfach Arbeit sein und macht mit Juliette gefühlvoll Sex. War da was mit Autos? Der rasante Anfang des Films ist nur noch eine dunkle Erinnerung.

Dass sie wieder zur Gegenwart wird, ist vor allem zwei älteren Herren - wiederum Engländern - zu verdanken, die wohl niemand noch einmal so sehen möchte, wie sie sich in "Collide" darbieten. Als Drogenhändler-Boss Hagen Kahl mit ehrbahrer Spediteurs-Fassade ist Sir Anthony Hopkins ein Abklatsch einstiger Diabolik und muss davon faseln, dass Amerikaner die Angewohnheit hätten, im Schlaf zu sprechen. Sir Ben Kingsley gibt derweil als goldbehängter und -gewandeter türkischer Zuhälter Geran mit Faible für John Travolta die Kopie der Kopie eines Tarantino-Bösewichts und philosophiert über den Unterschied zwischen Nutten und Rennpferden.

Casey wird Geran helfen, Hagen Kahls Drogentransporter zu klauen - aus Liebe, denn Juliette braucht plötzlich eine teure Nierentransplantation. Der Coup ist hanebüchen erdacht und bescheiden inszeniert. Aber immerhin sitzt Casey endlich wieder hinterm Steuer. Pumpguns zerballern ihm die Scheiben, Joachim Król springt ihm bei einem Mexican-Stand-Off in einer Tankstelle zu Seite, und aus der Bahn geschleuderte LKWs tanzen über den Asphalt wie asiatische Bodenturner.

Quelle: teleschau - der mediendienst