Ghostbusters

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Alles auf Anfang

"Ghostbusters" also. Ein Remake, wie es hunderte vorher gab? Einfach ein neuer Versuch Hollywoods, aus einer populären Marke noch ein paar Milliönchen zu machen? Natürlich beides wahr. Aber vor allem entbrannte schon nach der Veröffentlichung des ersten Trailers im Netz eine absurde Gender-Debatte, die nun an diesem Film klebt wie Schleim. Aus ihr wurde eine ebenso absurde Diskussion um Political Correctness, um Hater, Hater-Hater, Hater-Hater-Hater (auch die gibt es), um so genannte Trolls, um Disser und den Wert von Kommentarfunktionen. Die Internet-Welt arbeitete sich wieder einmal an sich selbst ab. Ob Sony Pictures dieses ganze Gewese glücklich macht? Sicher, "Ghostbusters" erhielt eine Irrsinns-PR, die sich ein findiger Marketing-Manager hätte nicht größer ausmalen können. Aber eben was für eine: Dass ein grundgewöhnliches Remake für eine solch wahnwitzige Grundsatzdebatte instrumentalisiert wird, kann vor allem den Machern und Akteuren keineswegs recht sein.

Jahrzehntelang waberte das Gerücht einer Neuauflage durch Hollywood, doch die bisherigen Hauptdarsteller Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis fanden nicht mehr zueinander. Murray soll zuvorderst daran "schuld" gewesen sein. 2014 starb Ramis, der als Autor der kreative Kopf hinter den beiden Filmen von 1984 und 1989 war. Ivan Reitman sagte daraufhin seine Mitwirkung als Regisseur ab und übergab das Zepter an Paul Feig, der mit Komödien wie "Brautalarm" und "Taffe Mädels" Erfolge verbucht hatte. Zusammen mit Katie Dippold verfasste er das Drehbuch zur Neuauflage und stand dabei vor einem schier unlösbaren Problem: Was tun, um alte Fans nicht zu verärgern und gleichzeitig eine junge Generation zu begeistern? Feig entschied sich, vier Frauen als Geisterjägerinnen zu etablieren. Und: "Ghostbusters" ist keine Fortsetzung, sondern tatsächlich eine komplette Neuauflage.

Angeführt von der ziemlich rationalen Wissenschaftlerin Dr. Abigail "Abby" L. Yates (Melissa McCarthy) machen sich also die Damen daran, New York vor dem drohenden Untergang zu bewahren, an den wie üblich keiner sonst vorher glauben mag. Außerdem mit dabei: Kristen Wiig als Dr. Erin Gilbert, die eigentlich eine seriöse Universitätskarriere anstrebt, aber nach den ersten übersinnlichen Sichtungen bereitwillig ihre berufliche Laufbahn hinter sich lässt. Kate McKinnon spielt reichlich überzogen die einigermaßen irre Bastlerin Dr. Jillian Holtzmann, die die technischen Grundlagen zum Geisterfangen schafft. Und Leslie Jones sitzt nach einer überraschenden "Sichtung" in der U-Bahn irgendwann auch im Billig-Büro der Geisterjägerinnen und bietet ihre Mitarbeit an. Von unübersehbaren körperlichen Vorzügen angezogen entscheiden sich die Damen darüber hinaus dazu, den unfassbar debilen Kevin Beckman (Chris Hemsworth) als Sekretär einzustellen. Ihm wird im Verlauf des Films noch eine besondere Rolle zuteilwerden, die an Rick Moranis erinnert, der weiland der "Schlüsselmeister" war.

Überhaupt weist der neue "Ghostbusters" eine Vielzahl von Parallelen zum Original auf. Alles wieder da: Der Slimer, dem man nun gar eine Dame an die Seite stellt. Der verwirrte Bürgermeister der Stadt. Der Cadillac. Der Marshmellow-Mann. Die Protonen-Packs. Das Logo, das diesmal ein Sprayer eher zufällig entwirft. Und nicht zuletzt auch die populäre Titelmusik. Es ist spürbar, dass Feig das Original verehrt, dass er sich in einer Art moralischer Pflicht sah. Der neue "Ghostbusters" ist in diesem Sinne kein respektloser Film. Keine filmische "Sünde", wie es zum Beispiel "Psycho" (1998), "Ein Duke kommt selten allein" (2006) oder "Conan" (2011) waren. Er ist vielmehr ein Spiegelbild dieser Tage, in denen Hollywood von Angst erfüllt keinerlei Wagnisse mehr einzugehen bereit ist und sich alter Marken bedient.

Streng genommen besitzt "Ghostbusters" nach einem äußerst charmanten Beginn nicht eine einzige weitere wirklich originelle Idee. Eine eben schon einmal erzählte Geschichte, kreativlos nochmal dargebracht. Der Humor reduziert sich auf die Dialoge zwischen den Jägerinnen. Einigen gelungenen Gags stehen dabei in der deutschen Version geradezu grauenhaft plumpe Einzeiler gegenüber, die Gott sei Dank nur selten (ganz ohne scheint es 2016 nicht mehr zu gehen) unter die Gürtellinie zielen. Die trockene Coolness, die den Witz einstmals prägte, fehlt völlig. Und: Das Redetempo im Original war schon hoch, in der neuen Fassung ist es noch höher. "Ghostbusters" gerät zur höchst anstrengenden wasserfallartigen Plauderei, die an den Nerven zehrt. Nur unterbrochen durch die in enormer Anzahl auftauchenden paranormalen Erscheinungen, die optisch nah an den Vorlagen bleiben.

Was die alte Fangemeinde hätte trösten können, ist die Rückkehr nahezu aller wichtiger Darsteller der Originalfilme. Nur Rick Moranis fehlt, der sich vom Filmgeschäft längst abgewandt und einem Remake ohnehin nie etwas abgewinnen konnte. Und natürlich Harold Ramis, also Spengler, dem der Film schon früh ein wunderbares Denkmal in Form einer Büste in der Universität setzt. Perfekt gelöst!

All die anderen - Bill Murray, Dan Aykroyd, Sigourney Weaver, Ernie Hudson und Annie Potts - sind wieder dabei. Was schon die Frage aufwirft, warum sich die Damen und Herren in all den Jahren nicht auf einen gemeinsamen neuen Film einigen konnten, auf diesen hier aber schon. Und da es sich hier eben um keine Fortsetzung handelt, kamen die Macher auf die zwar inhaltlich logische, aber eben völlig absurde Idee, die Darsteller allesamt in neuen Rollen zurückkehren zu lassen. Wie tröstend, wie charmant hätte ein vereinsamter, gealterten Peter Vankman wirken können - von Geistern umgeben, müde nach ganz realen Fischen angelnd am See sitzend. Stattdessen fliegt er nun als als skeptischer Geisterzweifler Martin Heiss in einer platten Slapstick-Nummer aus dem Fenster. Dan Aykroyd fährt Taxi und lässt zumindest einen nostalgischen Einzeiler vom Stapel. Fazit: Viel Lärm um wenig.

Quelle: teleschau - der mediendienst