Legend Of Tarzan

Legend Of Tarzan





Der edle Weiße

Gut anderhalb Stunden dauert es, bis zum ersten Mal Tarzans markantes Gejodel durch den Kinosaal dringt. Johnny Weissmüller hatte, so geht die Legende, den legendären Schrei einst erfunden. Das ist lange her: Ab Anfang der 1930er machte der gebürtige Österreicher und Hobby-Jodler die Tarzan-Figur von Edgar Rice Burroughs in zwölf Kinofilmen populär. Jetzt macht sich "Harry Potter"-Regisseur David Yates daran, die Geschichte zu entstauben. Doch statt die Sache mit Humor zu nehmen, verwandelt er sie mit dem 3D-Spektakel "Legend Of Tarzan" in eine düstere und bierernste Angelegenheit.

Als "Legend of Tarzan" beginnt, ist der Mann aus dem Wald schon lange der englische Graf, der er eigentlich schon immer war. Als John Clayton III., Lord Greystoke, hat er sich mit seiner Jane auf den Landsitz seiner Familie zurückgezogen und führt das Leben eines Celebritys. Die Geschichten vom Mann, der im Urwald geboren und von Affen aufgezogen wurde, kennt im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts jedes Kind. Die alten Anekdoten aber sind dem gutaussehenden Blaublüter eher peinlich. Auch Regisseur Yates scheint sich nicht wirklich wohl zu fühlen mit der doch etwas einfältigen Geschichte vom edlen Weißen im afrikanischen Dschungel, und erweitert sie - einst wohl undenkbar - um eine politische, sozialkritische Komponenten: Tarzan wird bei ihm zum Kämpfer gegen Versklavung und Entrechtung des kolonialen Afrikas. Ein seltsames Unterfangen.

Auf Einladung des belgischen Königs Leopold II. reist Tarzan (Alexander Skarsgård) widerstrebend in den Kongo, dereinst belgische Kolonie und Schlachthaus Afrikas: Bis zu zehn Millionen Menschen kommen unter belgischer Herrschaft auf grauenvolle Weise ums Leben. Doch zunächst ist davon wenig zu spüren: Kaum betritt Tarzan, im Schlepptau seine Jane (Margot Robbie) und den amerikanischen Gesandten George Washington Williams (Samuel L. Jackson) afrikanischen Boden, kuschelt er ausgiebig mit einer Horde Löwen.

Was Tarzan, der sich schon bald die Kleider vom Leib reißen und im Lendenschurz seinen für einen Grafen doch erstaunlich trainierten Oberkörper präsentieren darf, nicht ahnt: Nicht der König, sondern dessen Gesandter Léon Rom hat ihn in den Kongo gelockt, um Tarzan an seinen Erzfeind zu übergeben, einen Stammeshäuptling, der ihm im Gegenzug einen legendären Diamanten verspricht. Gespielt wird der schleimige Belgier von Christoph Waltz, wie immer dauergrinsend und in seiner Paraderolle des gerissenen Fieslings gefangen. Mit den wertvollen Steinen will König Leopold eine Söldner-Armee bezahlen, die für ihn den ganzen Kongo erobern und das Volk versklaven soll. Und natürlich ist es ein Weißer, der wieder einmal die Probleme des afrikanischen Kontinents lösen muss, die ein anderer Weißer verursacht hat: Tarzan, noch immer mit dem Dschungel auf Du und Du, Muskelmaschine und Mann mit Gewissen, erklärt den Belgiern den Krieg.

Einmal fällt dabei gar jener Satz, den Johnny Weissmüller zwar nie gesagt hat, der aber auf immer und ewig mit der Figur des Tarzan verbunden ist: "Ich Tarzan, du Jane", sagt der ehemalige Waldmensch - und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das ist einer der wenigen Momente, in dem der über weite Strecken überraschend langweilig und blutarm inszenierte Film die Kurve kriegt: Wenn er sich selbst nicht so ernst nehmen würde, hätte "Legend of Tarzan" funktionieren können. Aber nicht einmal die Liebesgeschichte will richtig zünden: Zwischen Margot Robbie und Alexander Skarsgård, der als Tarzan über weniger Mimik verfügt als die computergenerierten Gorillas, die ihn einst aufzogen, entspringt einfach kein Funke.

Bleibt die Frage, was eigentlich Samuel L. Jackson in diesem drögen Film verloren hat. Fast zwei Stunden lang trottet er Tarzan durchs Kongobecken hinterher, eine wirkliche Aufgabe hat er dabei nicht. Vielleicht sollte seine Figur - George Washington Williams gab es wirklich, und tatsächlich kämpfte er gegen die belgische Schreckensherrschaft in Afrika - dem Film Authentizität verleihen. Geklappt hat auch das nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst