Ma Folie

Ma Folie





Du armer Tor

Liebe und Wahnsinn liegen nah beieinander. "Ma Folie", zu deutsch "Meine Torheit", nähert sich dem Phänomen, der Blindheit, der Unbesonnenheit, der geistigen Umnachtung, die die Liebe auszulösen vermag. Denn nüchtern betrachtet müsste Hanna (Alice Dwyer) Yann (Sabin Tambrea) schon nach dessen erstem Ausfall vor die Tür setzen. Doch alle läutenden Alarmglocken werden von der Augenwischerei namens Liebe - oder zumindest Liebelei - stummgeschaltet. So wird die österreichische Produktion von der Love-Story zum Drama zum Thriller.

Dabei fängt alles so schwärmerisch an: Hanna beschreitet allein ein Pariser Café, um zu lesen. Doch als ihr Blick auf jenen von Yann ein paar Tische weiter trifft, ist es schon um sie geschehen, der Freund zu Hause in Wien vergessen. Dort wieder angekommen dauert es nicht lang, und aus der weiter im Kopf spukenden Affäre wird eine Beziehung: Yann kommt, bleibt und nistet sich ein. Er habe seinen Job gekündigt. Freunde? Band? Ein Schulterzucken. Romantik pur. Oder eben: Vereinnahmung.

Bereits aus Paris schickte Yann ihr Lettres filmées, kleine, mit dem Mobiltelefon gemachte Videos, ein Geschnipsel aus eigenen Aufnahmen, Filmen, Internetclips. Mit lyrischen Kommentaren, eingesprochen und in Buchstaben zu lesen. Der junge Mann gibt sich völlig hin und fordert selbiges von Hanna ein. Einen ersten Ausraster schluckt sie noch, vielleicht findet sie seinen plötzlichen, impulsive Ausbruch interessant, seine unbegründete Eifersucht leidenschaftlich. Doch Yann stellt sich viel mehr als herrisch und paranoid heraus.

Als er verschwindet, schlagen zwei Herzen in ihrer Brust. Vernunft und Unvernunft; dem Unverständnis für die Ausfälle steht dem Verlangen nach dem romantischen Typen gegenüber, der Yann ohne Zweifel ist. Vielleicht hat sie ja wirklich etwas falsch gemacht, wie er versuchte, ihr einzutrichtern. Als Zuschauer mit dem gebotenen Abstand will man Hanna von Yann los wissen - nachvollziehen kann man ihre Unentschiedenheit allerdings auch.

Doch als sie weiter Lettres filmées von ihm bekommt und darin Videoaufnahmen von ihr aus den letzten Tage zu sehen sind, Yann ihr also offensichtlich nachstellt, verliert sich jede Sympathie für die Amour Fou. Dabei scheint sich Hanna auch nicht auf ihr Umfeld verlassen zu können, alle verstricken sich in Lügen - oder ist sie einfach nur verrückt geworden?

Regisseurin und Drehbuchautorin Andrina Mracnikar tut gut daran, sich auf ihre zwei Hauptdarsteller zu konzentrieren. Alice Dwyer als Hanna ist die unschuldige Schöne, nervös, schließlich am Rande des Irrsinns. Und Sabin Tambrea als Yann gibt alleine mit seinem cumberbatchigen Look und einer vergleichbaren Ausstrahlung eindringlich den Unheimlichen. Ist sein Stalking eine spinnerte Art der Liebes-Offenbarung? Wie gefährlich ist seine Obsession? Das bleibt im Dunkeln. Hanna scheint darin gefangen. Sie hat ihre Torheit zu spät erkannt.

Quelle: teleschau - der mediendienst