Mit besten Absichten

Mit besten Absichten





Von Müttern und Töchtern und allem dazwischen

Die Nähe beziehungsweise Distanz innerhalb der eigenen Familie - das ist schon so eine Sache. Vor allem wenn es um Mutter und Tochter geht. Die junge Drehbuchautorin Lori (Rose Byrne) lebt in Los Angeles - friedvoll und in Ruhe, bis zu dem Tag, an dem ihre Mutter Marnie (Susan Sarandon) beschließt, von New Jersey eben dorthin zu ziehen: extra für Lori, ganz und gar aus Liebe. Extra für Lori und ganz und gar aus Liebe stattet sie ihrer Tochter dann auch täglich nicht nur einen Besuch ab. Bringt Bagels, singt Lieder von Beyoncé, besucht die Therapeutin der Tochter und räumt in deren Beziehungsleben auf. Wunderbar fühlt sich Marnie, fast wie im Disneyland! Und Lori? Für die heißt es: Schluss mit friedvoll und in Ruhe! Sie fängt an, nervös zu werden, will Grenzen ziehen, ohne zu verletzen. Ein Tanz aus Nähe und Distanz beginnt in "Mit besten Absichten" von Lorene Scafaria.

Zwei Welten prallen inmitten von L.A. aufeinander: hier die Mutter, Mitte 60, gezeichnet von spätpubertären Anwandlungen, Sorglosigkeit und Lebenslust; dort die Tochter, die versucht, ein eigenes Leben inklusive Beruf und Beziehung auf die Beine zu stellen. Ein bisschen sehr ernst und manchmal ein wenig verkrampft, wie Marnie findet. Diesen Kontrast zwischen den verschiedenen Lebensphasen herauszuarbeiten schaffen Susan Sarandon und Rose Byrne auf so charmante wie treffsichere Art und Weise. Da mag es manche Töchter und Mütter im Kinosaal geben, die anfangen, nervös auf dem Sitz herumzurutschen, weil die Parallelen direkt von der Leinwand in die eigenen Reihen herüberschwappen.

Ein buntes Zusammenspiel von Musik und Bild gelingt - besonders dann, wenn Susan Sarandon in einigen Szenen ganz für sich alleine glänzt: Wie sie ein Brot mit Spiegelei verputzt, wie sie bei Nacht den Springbrunnen dirigiert. Tatsächlich wird es in Marnies Leben einsam, als ihre Tochter beschließt, "aus beruflichen Gründen" für ein paar Wochen nach New York zu gehen. Doch die Rentnerin weiß sich schnell zu helfen und ihre Liebe in andere Bahnen zu lenken. Mit dem Geld, das sie von ihrem verstorbenen Mann geerbt hat, sponsert sie kurzerhand der Freundin ihrer Tochter die Hochzeit. Der freundliche, farbige Apple-Berater kriegt sein Studium finanziert. Die alte, einsame Patientin im Krankenhaus, in dem Marnie hospitiert, wird mit Kuscheltieren überschüttet.

"Mit besten Absichten" lebt von heiteren Totalaufnahmen, und zwischenzeitlich wagt sich der Film dann auch näher heran. Wir erahnen bereits und erfahren schließlich, dass die Beziehungen von Marnie - die Diskrepanz zwischen ihr und ihrer Tochter, die Unsicherheit zwischen ihr und potenziellen neuen Lebenspartnern wie beispielsweise Officer Zipper (J.K. Simmons) - sowie ihr überbordend positiver Aktionismus Ablenkungsmanöver sind, um die traurigen Kapitel ihres Lebens auszublenden. So auch den Tod ihres Ehemannes. Eine kleine Metamorphose beginnt und langsam schält sich das Seelenleben von Marnie heraus. Sie nähert sich in vorsichtigen kleinen Schritten ihrer eigenen Verletzlichkeit, und mit jedem Schritt gewinnen die Beziehungen, die bislang von Oberflächlichkeit und spontanen Bagel-Besuchen geprägt waren, an Authentizität und Wahrhaftigkeit. Marnie und Lori finden zueinander und sogar Zipper, der Marnie bereit seit längerer Zeit schöne Augen macht, findet Platz in ihrem Leben.

"Mit besten Absichten" präsentiert sich als buntes Werk, das überzeugendes Schauspiel darbietet und Geschichten über Beziehungen in Schieflagen zwischen Müttern, Töchtern, Männern und Apple-Beratern erzählt. Und auch wenn sich das vorherrschende Potenzial im Schatten dahindudelnder amerikanischer Gute-Laune-Manie nicht in vollen Zügen zu entfalten weiß, so erwartet einen doch ein Film voller Charme, Unterhaltung und einer Prise Sensibilität.

Quelle: teleschau - der mediendienst