Verräter wie wir

Verräter wie wir





Gute Männer, böse Männer

Langweilig? Zumindest bedient der Spionagethriller "Verräter wie wir" ziemlich angestaubte Motive, der Film von Susanna White wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Das mag an der Vorlage von John Le Carré liegen. In dessen gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2010 geht es um Vertrauen, Verrat, undurchsichtige Machenschaften und politische Verstrickungen in halbseidene Geschäfte. Das kennt und erwartet man von Le Carré, der zurzeit eine Renaissance erlebt: Zuletzt wurde sein 1992er-Werk "The Night Manager" mit Vielleicht-Bond Tom Hiddleston in der Titelrolle als Miniserie verfilmt. Die Motive sind in "Verräter wie wir" sehr ähnlich: Ein ziemlich naiver Zivilist entdeckt in einem Mahlstrom aus Russenmafia, Geheimdienst und Politik, dass in London nicht nur in Sachen Brexit, sondern auch bei illegalen Geschäften rumgewurschtelt wird.

So richtig langweilig ist "Verräter wie wir" nicht. Obwohl man sich schon etwas mehr Pfiff bei der Handlung gewünscht hätte: Der Londoner Poesieprofessor Perry (Ewan McGregor) wird in Marrakesch vom russischen Mafia-Aussteiger Dima (Stellan Skarsgård) unwissentlich zum Boten gemacht und soll dessen Flucht aus Gangsterkreisen mit dem britischen Geheimdienst koordinieren.

Der MI6 in Person des Agenten Hector ("Homeland"-Star Damian Lewis) hat allerdings ein paar interne Probleme: Die Politik ist nicht allzu sehr an der Mission interessiert, weil sie von illegalen Finanzgeschäften mit den Russen profitiert. Dima bietet im Austausch für Asyl und Sicherheit nämlich brisante Informationen über die Verstrickungen höchster Kreise in den Blutgeldkreislauf seiner Arbeitgeber.

So weit, so überraschungsarm. Was "Verräter wie wir" zumindest etwas Würze verleiht, sind neben der spielfreudigen Hollywoodprominenz auch die ganz persönlichen Nebenschauplätze. Während Skarsgård als ehrenvoller Verbrecher eindrucksvoll durch seine Szenen poltert und alles tut, um seine Familie zu schützen, muss Ewan McGregor nicht nur seine geheime Mission erfüllen, sondern nebenbei auch noch die verkorkste Beziehung zu Gail ("Miss Moneypennny" Naomie Harris) retten.

In einer Inszenierung, der eine gewisse visuelle Eleganz nicht fehlt, treffen sich gute Männer und böse Männer. Manchmal sind sie beides zugleich und kämpfen nicht nur um ihr Leben, sondern auch mit Fragen nach Moral und Ehre. Perry etwa macht sich über die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft Gedanken. Dima wiederum, der als Buchhalter der Russenmafia per Definition ein Schurke ist, kann mit der neuen Art des Gangstertums nicht viel anfangen.

Dass der ehrwürdige Gangsterkodex in der modernen Welt nichts mehr wert ist, macht ihm schwer zu schaffen. Dass er nach jahrzehntelangen Diensten nun eine Kugel in den Kopf bekommen soll, noch viel mehr. Es funktioniert eben anders heutzutage. Mag "Verräter wie wir" als Agentenfilm eine ziemlich dröge Angelegenheit sein: Wer mag, kann bei Popcorn und Cola einfach mal über die schnelllebige Oberflächlichkeit der Ego-Moderne nachdenken. Mit einer solchen Geistesübung lässt sich auch trefflich die Langeweile vertreiben.

Quelle: teleschau - der mediendienst