Smaragdgrün

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Holprige finale Zeitreise

Vorhang auf für "Smaragdgrün", das große Finale der deutschen Fantasy-Trilogie "Liebe geht durch alle Zeiten" nach den gleichnamigen Jugendromanen von Kerstin Gier. Wer jetzt nicht wissend mit dem Kopf nickt und die Geschehnisse aus den beiden Vorgängern "Rubinrot" und "Saphirblau" parat hat, sollte dies vor dem Besuch von "Smaragdgrün" unbedingt nachholen. Denn die Regisseure Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde machen sich nicht die Mühe, zu Beginn des Films einen kurzen "Was bisher geschah"-Rückblick zu liefern. Sofort stürzt sich Teil 3 der Saga mitten rein in die bisweilen platt romantische, in guten Momenten aber auch charmant aktuelle Jugend-Fantasy-Story.

Gwendolyn (Maria Ehrich) kämpft mit Liebeskummer. Die 16-Jährige hat gerade erfahren, dass ihr Freund Gideon (Jannis Niewöhner) seine Gefühle nur vorgetäuscht hat, um ihrem Gegenspieler, dem düsteren Grafen von Saint Germain (Peter Simonischek), in die Hände zu spielen. Der sitzt in der Vergangenheit fest, bekommt aber immer wieder Besuch von Gwen und Gideon - denn beide sind Träger des Zeitreise-Gens und können durch die Jahrhunderte springen. In der Gegenwart führt die geheimnisvolle "Loge des Grafen von Saint Germain", ein Altherren-Verein irgendwo zwischen Freimaurer und Studentenverbindung, das Werk des Grafen fort. Und während Gwen zu Anfang der Trilogie noch im Auftrag der Loge und des Grafen handelte, dämmert ihr inzwischen, dass die Motive ihres Bosses alles andere als ehrenhaft sind.

Wie beinahe jeder Film, der sich mit dem Thema Zeitreisen beschäftigt, steckt auch "Smaragdgrün" voller logischer Fehler. Doch das ist nicht das größte Ärgernis. Wer als Zuschauer nicht weiß, was der "Chronograf" ist (eine antike Zeitmaschine), und was "elapsieren" bedeutet (durch die Zeit reisen), der erfährt es im letzten Teil der Edelstein-Saga auch nicht mehr. "Fühlt sich an, als würde in meinem Kopf eine U-Bahn gebaut", klagt Gwen, als sie versucht, die aktuellen Herausforderungen der zeitreisenden Helden gegenüber ihrer Freundin Leslie (Jennifer Lotsi) zusammenzufassen. Den meisten Zuschauern dürfte es an diesem Punkt der Handlung genauso gehen.

Abgesehen von der verworrenen Story hat "Smaragdgrün" jedoch einiges zu bieten: Die Schauplätze reichen vom imposanten Festsaal der Wartburg bis zu den grünen Hügeln Schottlands. Fans der Saga dürfen sich auf ein Wiedersehen mit liebgewonnen, hochkarätig besetzten Nebenfiguren wie Schulgeist James (Kostja Ullmann), Großtante Maddy (Katharina Thalbach) und Gwens leiblicher Mutter Lucy (Josephine Preuß) freuen. Auch der animierte Wasserspeier Xemerius (Stimme: Rufus Beck) ist wieder dabei und sorgt vor allem bei den jüngeren Zuschauern für Lacher. Als prominente Gaststars stoßen Emilia Schüle ("Freche Mädchen") und Chris Tall ("Abschussfahrt") zum Ensemble.

"Smaragdgrün" soll nicht nur der Abschied, sondern auch der Höhepunkt der Zeitreise-Trilogie sein: Zu den romantischen Motiven, die gelegentlich an eine arg platte Version von "Romeo und Julia" erinnern, gesellen sich Thriller- und Science-Fiction-Momente. Schließlich geht es dieses Mal nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft. Denn was passieren könnte, wenn die "Loge" - wie vom Grafen geplant - die Weltherrschaft übernimmt, zeigen wiederkehrende TV-Einspieler. In diesen kurzen News-Beiträgen ist von Bankenkrise, Bildungsmisere und wütenden Straßenprotesten die Rede. Auf diese Weise gelingt es "Smaragdgrün", einen überraschend charmanten Bezug zur Realität herzustellen. Und den erkennt sogar, wer sich im Edelstein-Universum nicht so gut auskennt.

Quelle: teleschau - der mediendienst