Stadtlandliebe

Stadtlandliebe





Groteske Landlust

Es ist ja ein altes Thema: Mann und Frau, glückliches Paar, vielleicht mit dem latenten, noch nicht ausgesprochenen Wunsch nach Nachwuchs. Beide stellen das urbane, schnelle Leben in Frage und ziehen aufs Land. Wo die heile Welt zuhause ist, und Ruhe und Frieden allerorten herrscht. Um sich selbst zu finden, sich ohne permanente Ablenkung endlich mal auf sich zu konzentrieren und vor allem: um zu entschleunigen! Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Coming in", 2014) neigt immer dann, wenn es um Beziehungsthemen geht, zu einer gewissen Überzeichnung. Auch in "Stadtlandliebe" findet Roland Emmerichs Schützling nicht das richtige Maß und inszeniert den Alltag auf dem Land als absurdes Theater.

Sam (Tom Beck), gescheiterter Autor und Werber, und Anna (Jessica Schwarz), Chirurgin, sind typische Berliner Prenzlberg-Hipster. Ihr Alltag besteht vor allem aus Arbeit, Ausgehen, einer schicken Wohnung und - totaler Erschöpfung. Für die wesentlichen Dinge bleibt keine Zeit. Ist das das Leben, was sie sich gewünscht haben? Natürlich nicht. Weshalb die beiden veganen Mittdreißiger beschließen, aufs Land zu ziehen und ein Leben in Einklang mit der Natur zu führen. Praktischerweise hat Anna von ihrer Tante ein Haus in Kloppendorf geerbt und kann dort als Landärztin anfangen, während sich Sam endlich dem längst aufgeschobenen Buch widmen will. Alles paletti also?

Von wegen! Denn schon die Anreise in das beschauliche Örtchen erweist sich als kleiner Horrortrip, weil ein mit einem Beil bekleideter Nudist den Feldweg kreuzt und im Haus der Tante anstatt eines Schäferstündchens schon die (bekloppten) Kloppendorfer warten, um die Neulinge zu begrüßen. Der Anführer der durchgeknallten Einheimischen ist der Dorfpascha Volker Garms (Uwe Ochsenknecht), der die Wuchtbrumme und selbsterklärte Sprechstundenhilfe Gertie (Gesa Flake) liebt und überhaupt keine Zeit findet, sich um Strom und Wasser im neuen Zuhause von Sam und Anna zu kümmern. Mit der ersehnten Ruhe ist also nichts, dafür wartet auf dem Dorf mehr Stress und Zoff als in der Stadt. Bis das sinnsuchende Großstadtpaar die Erleuchtung findet: Schließlich sind die seltsamen Dorfbewohner doch eigentlich ganz liebe Menschen - schon klar.

Marco Kreuzpaintner, der zuletzt mit dem Menschenhandels-Drama "Trade - Willkommen in Amerika" (2007) einen bemerkenswerten Film schuf, langt mit "Stadtlandliebe" gehörig daneben. Der Film ist weder lustig noch originell und krankt an der Unentschlossenheit des Regisseurs, dem eine klassische Beziehungskomödie vielleicht einfach zu öde war. Weshalb er das Figurenarsenal mit surrealen Gestalten erweitert und den Zuschauer in eine befremdliche Dorfgemeinschaft entführt, die an den Ausflug in eine Irrenanstalt erinnert.

Obendrein taucht plötzlich, wie aus dem Nichts, das leidige, oft bemühte Kinderthema auf, - und entzweit das Paar. So viel Ernsthaftigkeit muss sein. Doch am Ende bleibt nur Ratlosigkeit: Was hat den Regisseur dazu bewogen, diesen Film zu drehen?

Quelle: teleschau - der mediendienst