Väter und Töchter

Väter und Töchter





Die Leere füllen

"Ich kann nicht lieben", stellt die junge Frau lapidar fest. Die Psychiaterin, bei der sie auf der Couch liegt, ist ganz Ohr und hört sich Katies Geschichte an. Es ist eine Geschichte über "Väter und Töchter", die Regisseur Gabriele Muccino mit seinen Hauptdarstellern Amanda Seyfried und Russell Crowe sowie Diane Kruger in einer eiskalten Nebenrolle erzählt: Nach einem Autounfall wächst Katie allein mit ihrem Vater, einem erfolgreichen New Yorker Autor auf. Ihre Kindheit ist geprägt von großer Zuneigung und großer Leere, was sie irgendwann der Fähigkeit, zu lieben beraubt hat. So zumindest stellt es Muccino, der mit seinem Film als Laienpsychologe scheitert, in einem Drama über die Untrennbarkeit von Vergangenheit und Gegenwart dar.

Nur einen Moment war Jake Davies (Crowe) unaufmerksam, weil er sich mit seiner Frau über eine Verehrerin stritt. Als er nach dem Autounfall erwacht, ist er Witwer und leidet unter manischer Depression. Trotzdem will er seiner Tochter Katie (jung: Kylie Rogers, später: Amanda Seyfried) ein guter Vater sein.

Es ist natürlich nicht einfach, alleinerziehend zu sein, mit psychischen Problemen zu kämpfen und als ehemals gefeierter Autor von der Kritik verrissen zu werden. Der Liebe zu seiner Tochter tun seine Probleme keinen Abbruch. Es ist rührend zu sehen, wie hinreißend sich Jake um Katie kümmert und um sie kämpft: Seine Schwägerin Elizabeth (Diane Kruger) und ihr Mann William (Bruce Greenwood) wollen ihm das Sorgerecht für seine Tochter entziehen lassen.

Regisseur Gabriele Muccino lässt in seinem rührseligen Drama "Väter und Töchter" keinen Platz für eigene Gedanken und erklärt in zahlreichen Zeitsprüngen mit Akribie die Gefühlswelt seiner Protagonisten. In der Vergangenheit liegt der Fokus auf Jake und seine Versuche, im Leben wieder Fuß zu fassen. In der Gegenwart kämpft die nymphomanische und bindungsunfähige Katie, inzwischen als Psychologin in einer sozialen Einrichtung beschäftigt, mit den Verlusten, die sie als Kind erlitten hat.

Doch sie arbeitet an sich und holt sogar ein ähnlich traumatisiertes Mädchen aus der Isolation und lernt einen Mann kennen, für den sie so etwas wie Liebe empfinden kann: Cameron (Aaron Paul) ist ein großer Fan ihres Vaters, dessen Buch "Fathers and Daughters" sein Leben verändert hat. Jake hat nämlich einen Bestseller über das schwierige Leben als alleinerziehender Vater geschrieben: Aus einer emotional durchaus reizvollen Ausgangslage wird mit zunehmender Dauer eine Art Psychologielehrfilm, dem aber alles fehlt, was über Klischees hinausgeht.

Das ist nicht nur den guten Hauptdarstellern gegenüber ziemlich undankbar: Russell Crowe und Amanda Seyfried verleihen ihren Figuren eine gute Portion Glaubwürdigkeit. Das ist vor allem den Zuschauern gegenüber anmaßend: Man darf sich einfach keine eigenen Gedanken machen. Der Film analysiert sich zu Tode und gipfelt in einem vorhersehbaren Ende sowie einer von Diane Kruger übermittelten Weisheit: "Männer können ohne Liebe überleben, wir Frauen nicht." Was beide Geschlechter eint: Sie kommen ohne diesen Film ganz gut klar.

Quelle: teleschau - der mediendienst