Treppe aufwärts

Treppe aufwärts





Spielen in der Trostlosigkeit

Sein Taxi ist immer leer, der Blick schwermütig ins Leere gerichtet: Adam (Hanno Koffler) lebt in der Trostlosigkeit am Rande von Berlin. Dass er keine Passagiere befördert, ist ihm ziemlich egal. Adam verdient sein Geld in Spielhallen: Er kann Automaten manipulieren und zahlt mit dem Gewinn die Spielschulden seines demenzkranken Vaters (Christian Wolff) ab, was er allen verschweigt. Auch seinem 16-jährigen Sohn, der plötzlich mit aller Feindseligkeit, zu der Teenager fähig sind, bei ihm einzieht. Trotz eines lehrbuchhaften Ansatzes ist das Sozialdrama "Treppe aufwärts" weit davon entfernt, belehrend zu sein: Regisseurin und Co-Autorin Mia Maariel Meyerhält sich zurück. Die Kinodebütantin richtet einen unspektakulären, aber präzisen Blick in das Innere einer Familie, die von der Spielsucht zerstört wurde.

Spielerdrama, Sozialdrama, Familiendrama: "Treppe aufwärts" ist all das. Dramatisierungen sucht man aber vergeblich, und gerade deswegen liefern die etwas über 90 Minuten fesselndes Gegenwartskino. Dass Meyer auf dramaturgische Zwänge verzichtet und damit die Pathosfalle weitläufig umgeht, liegt nicht zuletzt an der Produktionsweise: "Treppe aufwärts" wurde ohne Filmförderung und ohne Unterstützung eines Fernsehsenders (mit all seinen Zwängen und Redakteuren) gedreht. Die Finanzierung kam durch Crowdfunding und ein umtriebiges Filmteam zustande.

"Treppe aufwärts" kann sich die Freiheit nehmen, sich in einer neuen Art von Naturalismus, die zuletzt auch den grandiosen Leipziger Boxerfilm "Herbert" auszeichnete, ganz auf die schwankenden Stimmungen zu konzentrieren. Auf die Irrungen und Wirrungen, die das Leben in der Abwärtsspirale mit sich bringt. Im Zentrum steht Adam, der sich bemüht, einen Ausweg aus der Trostlosigkeit zu finden und doch immer auf der Stelle tritt. Er bekommt vor lauter Problemen, die er lösen will, sein eigenes nicht in den Griff: die Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen.

Und dann muss er sich auch noch um seinen Sohn kümmern, der von zu Hause weggelaufen ist: Ben (gespielt von Matti Schmidt-Schaller, dem jüngsten Sohn von "Soko Leipzig"-Dino Andreas Schmidt-Schaller) wurde beim Klauen erwischt und lebt die schrecklichste Phase der Pubertät - wenn man planlos durch die Tage stromert und nicht weiß, wo man hin will und warum man eine kalte Wut auf alles in sich spürt - gnadenlos aus. Ben hat für seinen Vater nur Vorwürfe übrig und lässt sich mit dem Kiezgangster Bardo (Patrick Wolff) ein, dessen Geschäftsmodell ebenfalls der Automatenbetrug ist.

Wenngleich man in "Treppe aufwärts" Mia Maariel Meyers Anliegen anmerkt - man weiß nie, wo sie ihren Film hinführen will. Sie erzählt sachlich und sehr ruhig von Menschen, die sich durch ein Leben kämpfen, das sie vor allem überfordert. Dass die authentischen Figuren durchweg von klasse Darstellern gespielt werden, hilft ungemein. Vor allem Hanno Koffler zeigt mit seiner Mischung aus Härte und Verletzlichkeit einmal mehr, dass er zu den spannendsten Schauspielern seiner Generation gehört. Sein Adam sucht verzweifelt nach einem Weg aus seiner persönlichen Sackgasse, will sich aber partout nicht umdrehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst