Das Talent des Genesis Potini

Das Talent des Genesis Potini





Alle sind Könige

Im Schach liegen Ruhe, Konzentration und die Kraft des Geistes. Alles, was nicht auf dem Brett ist, wird im Duell ausgeblendet. Für Genesis Potini ist das die Rettung: Der Maori ist immer wieder in psychiatrischer Behandlung. Aber Schach rettet ihn vor den eigenen Abgründen, sodass Genesis selbst ein paar Jugendliche retten kann. Das liegt dem Träumer, es ist seine Gabe: "Das Talent des Genesis Potini" basiert auf der wahren Geschichte eines manisch-depressiven Schachgenies, das man in seiner Heimat Neuseeland Dark Horse nannte.

Schach ist nicht nur ein Duell zweier Intellekte, Schach ist immer auch ein Kampf gegen sich selbst und deswegen seit jeher als Metapher in der Kunst beliebt. Stefan Zweigs "Schachnovelle" ist nur das berühmteste Beispiel. Auch der von Cliff Curtis ("Whale Rider", "Die letzte Kriegerin") gespielte Genesis Potini muss sich diesem Kampf stellen.

Als Dark Horse ist Genesis eine Schachlegende in Maori-Kreisen. Nur weiß er das nach jahrelangen Behandlungen einer psychischen Störung gar nicht mehr. Nach seiner letzten Entlassung aus der Klinik taumelt er in eine Flickendecke gehüllt durch die Straßen, bis er bei seinem Bruder Unterschlupf findet. Ariki (Wayne Kapi) will seinen 14-jährigen Sohn Mana (James Rolleston) demnächst in seine kriminellen Biker-Gang integrieren.

Genesis will seinen Neffen hingegen lieber in einem Schachclub fördern, in dem er sein Talent wiederentdeckt und es weitervermitteln will. Er fängt an, als Trainer zu arbeiten: Mit dieser Aufgabe kann er nicht nur seine Krankheit besser kontrollieren, er kann auch Kindern und Jugendlichen Hoffnung geben und eine Alternative zeigen zu einem Leben, das als Maori in Neuseeland oft prekär ist. Genesis macht sie zu Königen und will die Kinder zu den Junioren-Meisterschaften nach Auckland führen, und der über ein natürliches Schachtalent verfügende Mana soll gegen den Willen seines Vaters mit.

Es mögen bewährte Erzählmuster sein, die Regisseur James Napier Robertson bemüht: ein ehemaliger Held holt sich über eine noble Aufgabe den Glauben an sich selbst wieder, ein hoffnungsloser Jugendlicher findet neuen Halt und eine Lebensalternative; Kinder vom Rande der Gesellschaft lernen Selbstbewusstsein und Stärke. Doch der Regisseur erweist sich als genauer Beobachter, der diese Muster mit sensiblem Gespür für die Befindlichkeiten seiner Protagonisten und einer angemessen düsteren, und dadurch realistischen Schilderung des Maori-Alltags aufbricht.

"Das Talent des Genesis Potini" stellt mit dem Bruderkonflikt und der Vater-Sohn-Geschichte zwei Aspekte im Leben seines Protagonisten vor allem wegen ihrer dramatischen Wirksamkeit heraus. Dadurch gelingt es dem Film, neben einer respektvollen Biografie auch ein starkes Stück neuseeländisches Realkino über das Leben am Rande der Gesellschaft zu sein, wo die Maori darum kämpfen, ihre stolzen Traditionen und ihre triste Gegenwart in Einklang zu bringen. Zum Wohlfühlen ist "Das Talent des Genesis Potini" mitnichten, eher unbehaglich lebensnah. Genau das macht ihn zu einem denkwürdigen Film.

Quelle: teleschau - der mediendienst