Central Intelligence

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Fetter Rock, schmaler Witz

An US-amerikanischen Action-Komödien lässt sich der Zustand Hollywoods meist gut ablesen. Ob es nun jedoch ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, wenn ein Agenten-Klamauk derart starbesetzt daherkommt wie "Central Intelligence" - darüber lässt sich vortrefflich streiten. Dwayne "The Rock" Johnson ("San Andreas") gibt sich darin ebenso die Ehre wie "Breaking Bad"-Star Aaron Paul sowie der Spezialist jenes Genres Kevin Hart ("Ride Along: Next Level Miami"). Regie führt mit Rawson Marshall Thurber ebenfalls ein Comedy-Experte, dem 2013 mit "Wir sind die Millers" ein veritabler Überraschungserfolg gelang. Einen solchen wird ihm die müde vor sich hin albernde Buddy-Spion-Geschichte wohl nicht wieder bescheren.

Johnson gibt den Idealtypus des US-Typen, der sich vom Loser zum Winner mausern konnte: In seiner Jugend wegen seines Übergewichts (wundervoll: The Rock spielt sich als dicken Teenager selbst) und seiner Nerd-Art gehänselt, glänzt Bob inzwischen als CIA-Spion mit Mega-Muskelpaketen - wenn auch mit seltsamen Eigenarten. Aus Anlass des Klassentreffens trifft er nach 20 Jahren auf seinen alten Kumpel Calvin (Kevin Hart), der damals als beliebter Mitschüler einer der wenigen war, die für Bob Partei ergriffen. Calvin wandelte sich in all den Jahren hingegen zum drögen Buchhalter, der seiner wilden Zeit hinterher trauert.

Bob bietet ihm die Gelegenheit, aus dem tristen Alltag auszubrechen: Er will seinen einstigen Klassenkameraden für eine Top-Secret-Agenten-Mission gewinnen - mit seinen Fähigkeiten kann er die Übergabe gestohlener Codes der US-Raketenabwehr verhindern. Noch bevor Calvin seinen berechtigten Zweifeln an der halsbrecherischen Aktion Ausdruck verleihen kann, findet sich das Büro-Weichei samt Knarre inmitten eines actionreichen Abenteuers wieder. Wer dabei zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, muss Calvin, der laufend beteuert, nichts damit zu tun zu haben, schmerzhaft albern selbst in Erfahrung bringen.

Die hanebüchene Geschichte um Terroristen, Codes und Raketen ist natürlich ein völliger Humbug. Im Zentrum steht die gute alte, im Komödiengeschäft altbewährte Buddy-Story zwischen zwei völlig verschiedenen Kumpels. Der eine ein starkes und unbedarftes Riesenbaby, der andere ein fahriges Nervenbündel: Das funktioniert seit Jahrzehnten zuverlässig. Auch die moralische Aussagen über Freundschaft und Vertrauen stehen fest, ebenso die vorhersehbaren Gags, denen "Central Intelligence" nur in seltenen Momenten überraschenden subtilen Meta-Humor entgegenzusetzen weiß. Auch die zahlreichen politisch unkorrekten Anspielungen vor allem in Bezug auf die Hautfarbe geizen nicht mit intelligentem Witz, der den Alltagsrassismus entlarvt.

Ansonsten kutschiert Johnson in bester Slapstikmanier seinen Sidekick Hart im Büro-Postwägelchen umher, schaukelt ihn als Fake-Therapeut wie ein Baby auf dem Schoß und bringt ihn in allerlei heikle Situationen, die der unschuldige Jedermann mit übertriebener Mimik und theatralen Ausrufen des Entsetzens quittiert. So albert "Central Intelligence" müde vor sich hin, ab und zu bekommen CIA-Agenten oder Terror-Schurken lahm inszeniert auf die Mütze, während zwischendurch die Moralbotschaften der Geschicht' immer wieder kolportiert werden: Sei du selbst, trau dich mal was und hilf' anderen. Gähn.

Quelle: teleschau - der mediendienst