Conjuring 2

Conjuring 2





Hände vors Gesicht

Die gähnende Masse ödester Horror-Produktionen ist erdrückend, die glänzenden Perlen im Haufen der Beliebigkeiten hingegen rar gesät. Eine dieser seltenen Ausnahmen erblickte das geneigte Publikum 2013 in James Wans Dämonen-Erfolg "Conjuring - Die Heimsuchung". Basierend auf wahren Ereignissen widmete sich der klassisch konzipierte Schocker im Retro-Stil einem renommierten Geisterjäger-Paar, das in den 70er-Jahren tatsächlich Spukhäuser von Dämonen zu befreien suchte. Nach dem Ableger "Annabelle", der 2014 die Geschichte der gleichnamigen Stoffpuppe aus dem Film erzählte, greift "Conjuring 2" die ursprüngliche Handlung wieder auf. Abermals stützt sich Horror-Meister Wan ("Saw", "Insidious") dabei auf Geschehnisse, die tatsächlich stattfanden.

Zugegeben, es gibt bereits etliche Poltergeist-Filme und auch "Conjuring 2" ist im Grunde nichts anderes: Das historisch reale Ehepaar Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) verbringt die Jahre nach dem ersten Spuk damit, weiteren von Geistern und Dämonen heimgesuchten Familien zu helfen. Dabei stolpern die beiden Geisterjäger auch über den berühmten Amityville-Horror, der sie vor ihre bislang größte Aufgabe stellt. Ein Dämon verfolgt die Warrens danach, sogar bis in ihre eigenen vier Wände.

Im Londoner Stadtteil Enfield terrorisiert währenddessen ein Geist die Familie Hodgson, ergreift immer wieder Besitz von der jüngsten Tochter Janet (Madison Wolfe). Die alleinerziehende Mutter Peggy (Frances O'Connor) und ihre vier Kinder werden Tag und Nacht heimgesucht. Das Problem: Die Kirche und vor allem die Wissenschaflterin Anita Gregory (Franka Potente) glauben, die Kinder würden einen Streich spielen und verweigern die Hilfe.

Regisseur James Wan inszeniert diesen Horror-Schocker in einem außergewöhnlichen Stil: Oft fliegt die Kamera frei durch das Haus, Schnitte werden gekonnt versteckt, Wände oder Fenster ignoriert. Es fühlt sich fast an, als wäre man selbst ein Geist, der im Haus der Hodgsons herumfliegt.

Wan ist im Horrorgenre schon lange kein Neuling mehr, drehte moderne Klassiker wie "Saw" und "Insidious". Mit "Conjuring 2" liefert der Meister aber seinen bislang homogensten und geradlinigsten Film ab. Da ein Poltergeist-Film selten Neues birgt, wiederholen sich auch hier dieselben Genreklischees und Konventionen. Das ist allerdings so clever, modern und furchteinflößend inszeniert, wie selten zuvor.

Während man "Insidious" noch vorwerfen konnte, mit seinen Fantasy-Anleihen den Horror geschwächt zu haben, bleibt "Conjuring 2" die meiste Zeit bodenständig und ungekünstelt. Ein wahres Grusel-Feuerwerk zündet der Film natürlich dennoch. Oft genug will die Hand vor die Augen schnellen, der Blick zum wohl ebenso geschockten Nachbarn gleiten. Wan zelebriert intensivsten Horror, während er mit den Genrekonventionen spielt.

Der Geist treibt indes sein Unwesen nicht nur bei Nacht, auch tagsüber sind die Hodgsons nicht sicher. Das Haus verlassen? Bringt nix. Der Geist folgt. Auch wenn die entspannenden Passagen zwischen den Horrorszenen Gefahr laufen, sich im Kitsch zu verlieren, ist "Conjuring 2" ein toller Schocker mit starken Charakteren. Zwar geht seinem Werk gegen Ende ein wenig die Puste aus - besser könnte James Wan in einem dritten Teil wohl aber kaum herumpoltern.

Quelle: teleschau - der mediendienst