Himmelskind

Himmelskind





Glaube, Liebe, Wunder

Christy Beam (Jennifer Garner) und ihr Mann Kevin (Martin Henderson) führen ein Leben, wie aus dem Bilderbuch: Mit den drei Töchtern wohnt das Paar auf einer riesigen Ranch in Texas, feiert ausgelassene Gartenpartys und besucht sonntags gemeinsam mit Nachbarn und Freunden die Kirche. Doch dann ziehen schwarze Wolken auf: Die zehnjährige Anna (Kylie Rogers) wird schwer krank, leidet an einem stark aufgeblähten Bauch und muss sich permanent übergeben. Doch alles nicht so schlimm: Sie wird zum "Himmelskind".

Erst mal steht aber eine nervenzehrende Odyssee von einem Arzt zum anderen bevor. Die Diagnosen reichen von Laktose-Intoleranz bis Virusinfektion. Aber keine der versuchten Therapien schlägt an. Der kleinen Anna geht es immer schlechter. Verzweifelt reist Christy mit ihrer Tochter zu einem Spezialisten nach Boston, der schließlich die Ursache für Annas Qualen findet: Die Kleine leidet an einer seltenen, schweren Darmerkrankung, die es ihr unmöglich macht, feste Nahrung zu verarbeiten. Eine Heilung ist ausgeschlossen, unzählige Schmerztabletten und eine Magensonde sollen das Leben des Mädchens erträglich machen. Familie Beam steht vor einer Zerreißprobe, Christy droht sogar, vom Glauben abzufallen. Doch dann geschieht ein Wunder ...

"Himmelskind" basiert auf wahren Ereignissen, die die Familie Beam im Jahr 2011 erlebte. Mutter Christy brachte die unglaubliche Geschichte ihrer Tochter zu Papier; Regisseurin Patricia Riggen ("69 Tage Hoffnung") nahm sich nun des Stoffes an. Doch leider gerät ihr Drama stellenweise zur moralinsauren Gardinenpredigt, deren Kernbotschaft lautet: Wer an (den christlichen) Gott glaubt, ist besser dran.

Agnostiker, Atheisten und Skeptiker werden es schwer haben, die gottesfürchtigen Bewohner des Bible Belts in den US-Südstaaten nicht als naive Hinterwäldler abzustempeln. Es wirkt mitunter schon unfreiwillig komisch, wenn die Gemeindemitglieder während des Gottesdienstes verzückt mit dem Kopf nicken und zustimmend "Yeah!" rufen. Schade, denn der Film hat durchaus berührende Momente.

Vor allem die Leistung der zwölfjährigen Kylie Rogers ist beeindruckend. Der jungen Schauspielerin gelingt es, alle Emotionen ihrer Figur überzeugend darzustellen - von Schmerz über Wut und Trauer bis hin zu Hoffnung und Freude. Und auch Hollywood-Star Jennifer Garner gibt als kämpferische Löwenmama alles. Daher funktioniert "Himmelskind" als Familiendrama erstaunlich gut. Die Probleme, die die Erkrankung von Tochter Anna für die Beams mit sich bringen, werden anschaulich und glaubwürdig präsentiert.

Allerdings wird man als Zuschauer das Gefühl nicht los, manipuliert zu werden. Der Film möchte unbedingt die Tränendrüse malträtieren, und wer für diese Art von seifenopernhaftem Kitsch nicht empfänglich ist, wird sich im Kino eher fehl am Platz fühlen. Besonders ärgerlich ist Annas Ausflug in den "Himmel", der als Paradiesgarten in psychedelischen Farben dargestellt wird. Hier wäre es besser gewesen, das "Wunder" der Fantasie des Publikums zu überlassen, statt das Göttliche in eine Form der irdischen Bildsprache pressen zu wollen.

Es ist dieser arg penetrante christliche Überbau, der "Himmelskind" zu einem Nischenfilm für tief Gläubige macht. Alle anderen werden sich mit der lapidaren Rechtfertigung, die Garners Figur gleich in der Anfangssequenz des Dramas liefert, nicht zufriedengeben: "Wunder kann man eben nicht erklären", heißt es da. Offensichtlich kann man sie aber auch filmisch nicht einfangen.

Quelle: teleschau - der mediendienst