Einmal Mond und zurück

Einmal Mond und zurück





Weltrettung als Familienangelegenheit

Gute Freunde kann bekanntlich nichts trennen. Auch nicht im Kino. Der in Spanien entstandene Trickfilm-Action-Komödie "Einmal Mond und zurück" sieht man an, dass ihre Macher viele andere Filme gesehen haben - klassische Heldenabenteuer und offensichtlich auch viel gefühligen Familienkitsch. Und so stellt sich hier dem sportversessenen zwölfjährigen Draufgänger Mike Goldwing, seiner nicht minder mutigen jungen Freundin Amy und dem - welch Überraschung - pummeligen Technik-Nerd-Kumpel Marty kaum jemand in den Weg, als sie einen der irrsten Menschheitsträume einfach noch einmal Wirklichkeit lassen wollen. Die jugendlichen Racker treten gemeinsam mit ihrem Großvater eine Reise zum Mond an - um ihn vor dem Zugriff eines größenwahnsinnigen US-Industriellen zu retten.

Millionär Richard Carlson greift nach den Sternen. - Sein Name erinnert vermutlich nicht ganz zufällig an den abenteuerlustigen Briten Richard Branson, der dem kommerziellen Raumfahrttourismus zum Durchbruch verhelfen möchte. Dabei wendet er eine perfide List an. Er wärmt die alte Verschwörungstheorie wieder auf, dass die US-Amerikaner im Rahmen der "Apollo 11"-Mission im Jahr 1969 gar nicht wirklich den Mondboden betreten hatten, sondern dass die spektakuläre Landung, die einst fast die gesamte Erdbevölkerung in Atem hielt, in einem Hollywood-Studio nachgestellt wurde und folglich ein "Fake" sei.

Seinen eigenen ehrgeizigen Zielen kommt die längst stark abgekühlte Weltraumbegeisterung sehr gelegen, möchte doch Carlson selbst die Mondlandung wiederholen, seine eigene Firmen-Flagge in den Boden rammen und sich weitreichende Bergbaurechte auf dem Erdtrabanten sichern. Die ursprüngliche US-Fahne, die es dort natürlich tatsächlich gibt, würde da nur stören.

Für Mike ist das wiederholte Wettrennen zum Mond, das natürlich auch auf das einstige Technikduell zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion anspielt, ein Privatthema - ja Teil der Familienehre. Immerhin wollte auch Mikes Großvater, der wegen eines lange nicht näher geklärten Vater-Sohn-Zwists seit Jahrzehnten kein Wort mehr mit dem Papa des Jungen spricht, einst ins All aufbrechen.

Seine Mond-Reise musste er damals kurzfristig absagen. Nun eröffnet ihm ausgerechnet sein Enkel eine neue Chance. Gemeinsam mit seinen findigen Freunden verschafft sich Mike Zugang zu einer US-Rakete und startet mit der in ein Wettrennen mit dem mondsüchtigen Millionär. Großvater Frank, ein verschlossener Sonderling, ist bei den Kindern mit an Bord.

Was abstrus klingt, findet sich im Film von Regisseur Enrique Gato als temporeiche, knallbunte Actionstory für ein junges Publikum wieder. Das dürfte sich an der etwas hanebüchenen Grundkonstellation kaum stören, bekommt es doch eine mitreißende Sci-Fi-Abenteuergeschichte mit einigen Klamaukeinlagen geboten. Wer genauer hinsieht, wird sich allerdings über das unkritisch servierte, aufgeblasene Helden-Pathos und die dick aufgetragene Familienmitglieder-müssen-zusammenhalten-Zeigefingermoral ärgern.

In technischer Hinsicht sieht man dem Film aus der spanischen Trickfabrik keinen Rückstand gegenüber den US-Vorbildern aus den großen Animationsstudios an. Was allerdings komplett fehlt, ist der augenzwinkernde Charme und die subtile Selbstironie, die etwa Pixar-Produktionen auch für Kinogänger jenseits der Kernzielgruppe nicht nur erträglich, sondern oft zu einem Vergnügen macht.

Quelle: teleschau - der mediendienst