The Nice Guys

The Nice Guys





Zwei stahlharte Schwachmaten

Einfach mal wieder ins Kino gehen, abschalten, Spaß haben: Die "Nice Guys" machen's möglich. Regisseur Shane Black ("Iron Man 3") wirft Russell Crowe und Ryan Gosling in seiner kultigen Buddy-Komödie ins Los Angeles der späten 70er-Jahre. Korruption, Smog, Big Business, Pornos: Black, der einst das Drehbuch zu "Zwei stahlharte Profis - Leathal Weapon" (1987) schrieb, taucht mit Privatdetektiv Holland March (Gosling) und dem Berufsschläger Jackson Healy (Crowe) ganz tief ein in eine herrlich verdreckte Welt und beweist dabei einmal mehr großes Gespür für den Zuschauer. In einigen Monaten wird man von diesem Film womöglich sagen: Das war "die" Sommerkomödie 2016.

Wenn ein Mann einem anderen die Hand bricht (so verläuft das erste Treffen zwischen Healy und March), ist das per se erst mal nicht lustig - und ja, man hat sich in "The Nice Guys" auf einen sehr physischen Humor einzustellen. Shane Black aber macht schon aus einer einfachen Szene wie dieser einen echten Brüller. Einen von vielen in diesem Film. Der stämmige, abgeklärt prügelnde Healy hat March im Rahmen eines Jobs aufgesucht: Irgendjemand (March, wie sich herausstellte) hat einer jungen Dame nachspioniert, die sich auf der Flucht befindet, und Healy soll dem Stalker klarmachen, dass er damit aufzuhören hat. Wenn er etwas kann, dann das.

Mit der kompliziert gebrochenen Hand (eine Spiralfraktur) erachtet Healy seinen Auftrag zunächst als erledigt. Ein spannender und für Genreverhältnisse relativ komplexer Kriminalfall führt ihn und March dann aber doch wieder zusammen. Das besagte Mädchen, die aufmüpfige Revoluzzerin Amelia (Margaret Qualley), entpuppt sich als die Tochter der ranghohen Politikerin Judith Kuttner (Kim Basinger). Wer hat March auf Amelia angesetzt? Wer vertritt welche Interessen bei dem Ermittlungsverfahren wegen Luftverschmutzung, dem ihre Mutter Judith vorsitzt? Und was hat der mysteriöse Tod des Pornostars Misty Mountains (Murielle Telio) mit der ganzen Sache zu tun?

Zu behaupten, dass March und Healy eine Verschwörung wittern, wäre zu viel gesagt: Weil sich die beiden - vor allem der Semi-Gauner March - immer wieder als ziemliche Schwachmaten outen. Seite an Seite, und in höchstem Maße unterhaltsam, stolpern sie von Hinweis zu Hinweis. Sie interpretieren Indizien falsch, crashen eine dekadente Porno-Party, liefern sich gesalzene Wortduelle, und dazwischen gibt es immer wieder handfeste Auseinandersetzungen mit der Unterwelt von L.A. Die Grenze zum Slapstick wird mehr als einmal touchiert.

Wenig von dem, was die "Nice Guys" ausmacht, ist neu. Um eine Neuerfindung geht es Shane Black aber auch gar nicht. Er - und das macht diesen Film so großartig - konzentriert sich einzig und allein darauf, Spaß auf die Leinwand zu bringen. Und er weiß eben auch, wie's geht. Egal ob die Dialoge, die Action, die überzeichneten Figuren, der launige Soundtrack oder das Timing der Gags: Man merkt "The Nice Guys" in jeder Sekunde an, dass hier echte Profis am Werk waren. Was im Übrigen auch für die Hauptdarsteller gilt: Vor allem Crowe, dessen Komödien bisher an einer Hand abzuzählen waren, erweist sich mit der ihm eigenen Körperlichkeit und einem trockenen Sinn für Humor als echte Bereicherung.

Schließlich kommt auch die Entscheidung, den Film in den 70-ern spielen zu lassen, gewiss nicht von ungefähr: Im Gegensatz zu anderen modernen Krimis, die mal von Terrorismus, mal von Drogenschieberei, Bandenkriminalität oder anderen zeitgenössischen Problemen erzählen, erinnert "The Nice Guys" eben nicht an das Hier und Jetzt. Der Zuschauer darf sich einfach im Kinosessel zurücklehnen und das Treiben auf der Leinwand genießen. Als March gegen Filmende schließlich eine neue Visitenkarte zückt, die ihn und Healy als Team abbildet, hat man sich auch längst mit dem Gedanken einer Fortsetzung angefreundet. Auch wenn diese "Nice Guys" alles andere als nett oder angenehm sind: Gegen ein Wiedersehen gibt es nichts einzuwenden!

Quelle: teleschau - der mediendienst