Everybody Wants Some!!

Everybody Wants Some!!





Davon kriegt man nie genug!!

"Everybody Wants Some!!" sei das "spirituelle Sequel" zu "Dazed And Confused", verkündete Richard Linklater ("Boyhood"). "Dazed And Confused"? Auch unter dem deutschen Titel "Confusion - Sommer der Ausgeflippten" dürfte der Film aus dem Jahr 1993 nur eingefleischten Indie-Komödien-Kennern etwas sagen. Dabei ist er prominent besetzt: Milla Jovovich spielte darin, genauso wie Ben Affleck und Matthew McConaughey. Für Quentin Tarantino gehört der seinerzeit wenig beachtete Streifen zu den zehn besten überhaupt.

Vor allem als sogenannter Stoner-Film mauserte sich "Dazed And Confused" über die Jahre zu einem Kultfilm. Dabei steht das Kiffen gar nicht im Mittelpunkt, tatsächlich wird kaum Marihuana geraucht im Film. Im Grunde passiert auch sonst herzlich wenig. Man verfolgt ein paar High-School-Majors und -Minors am letzten Schultag vor den Ferien im Jahr 1976. In Linklaters Heimat Texas, in der linken Enklave Austin im Herzen des Cowboy-Staates. Nicht anders ist es nun in "Everybody Wants Some!!".

Man schreibt das Jahr 1980, es ist das letzte Wochenende vor College-Beginn. Jake (Blake Jenner), Freshman mit Baseball-Stipendium, kommt angerauscht in seinem blauen Ami-Schlitten, "My Sharona" in voller Lautstärke. Sofort setzt wieder das wohlige, freudetrunkene Grinsen im Zuschauersessel ein und will nicht mehr weichen für die nächsten fast zwei Stunden. Man sehnt sich jedem neuen Redeschwall entgegen, jeder mit Musik untermalten Dummheit, die den jungen Männern in den kommenden Tagen einfallen mag.

Jake zieht in ein Gemeinschaftshaus der Baseballmannschaft ein. Wer hier der dollste Gockel ist, muss sich erst noch herausstellen. Wettkampf ist angesagt, die Eier müssen auf den Tisch, Testosteron ist Trumpf. Und natürlich müssen Mädels her. Am besten lockt man die mit einer Hausparty an. Alle möglichen (musikalischen) Phänomene der Zeit werden in der Folge abgeklappert: Vom Rockschuppen zieht es die gerne schnauzbärtigen Jungspunde fein gekleidet in die funky Disko. Doch dort ist man nach einer Auseinandersetzung unerwünscht, also wird notgedrungen bei den Country-Chicks haltgemacht. Auch der aufstrebende Punk bekommt seine Huldigung.

"Everybody Wants Some!!" ist eine Zeitreise, die unspektakulärer nicht sein könnte. Doch alles Unspektakuläre ist hier nun mal so abgebrüht cool überliefert, so liebevoll aufgezeichnet, dass man sich sofort anschließen möchte. Bezeichnend diese Episode um einen der Jungs, Willoughby (Wyatt Russell): Bevor die Uni losgeht, muss der Neueinkauf aus Kalifornien seine Sachen packen. Er ist aufgeflogen, da längst aus dem Studentenalter raus. Als die Truppe von den Gründen erfährt, kommt ihnen nach den gewohnten Späßen darüber die Erkenntnis: Willoughby hat es als Baseballer nicht weiter geschafft, mag aber weiter spielen. Ihm gefällt der College-Lifestyle, das Abhängen und Partymachen. Einige der Jungs begreifen, dass sie ein großes Glück haben, jung zu sein, und noch so viel vor ihnen liegt.

Linklater lässt die Zuschauer Teil an diesem Glück haben. Vielleicht hätte es die bereits am ersten Tag gefundene große Liebe für Jake nicht gebraucht, doch an einem solchen Wochenende kann eben viel passieren. "Dazed And Confused" - benannt nach einem Led-Zeppelin-Song über die Irrungen und Wirrungen einer Beziehung - befasste sich leise mit den Zweifeln junger Schulabgänger und deren total unterschiedlichen Vorstellungen von der Zukunft. "Everybody Wants Some!!" - benannt nach einem Van-Halen-Song über das Anbändeln - geht nun den nächsten Schritt. Man ist angekommen am Sehnsuchtsort College. Vermeintlich unter Gleichgesinnten. Doch die Selbstfindung ist noch längst nicht vorüber. Eine spannende Zeit. Eine, die man immer wieder gerne erleben würde. Linklater macht's möglich - und sein Versprechen vom "spirituellen Sequel" wahr.

Quelle: teleschau - der mediendienst