Outside The Box

Outside The Box





Die Dinge mal von außen betrachten

Mit dem Titel "Outside The Box" hat sich Regisseur und Co-Autor Philip Koch für seine Consultant-Satire einen ziemlich coolen Begriff aus dem an ziemlich coolen Begriffen nicht gerade armen Sprachfundus der modernen Leistungsgesellschaft ausgesucht. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist: "Outside The Box" ist eine ziemlich ärgerliche Oberflächlichkeit von Film. Koch hat sich zum Ziel gesetzt, die Absurditäten des sozialdarwinistischen Überlebenskampfes in einer straff optimierten Arbeitswelt ironisch vorzuführen. Trotz eines interessanten Versuchsaufbaus scheitert der 33-jährige Filmemacher aus München mit seinem hehren Anliegen aber: weil Koch die für eine Satire nötige Distanz nicht wahrt und seine Figuren der Lächerlichkeit preisgibt.

Als alles vorbei ist, fällt dieser eine Satz: "Wenigstens habe ich sie zweimal gevögelt." Geäußert vom Chef der Consultingfirma Bickstein (Hanns Zischler), bezogen auf seine PR-Managerin. Vanessa Kramer (Lavinia Wilson) hatte sich einen PR-Coup ausgedacht, der gründlich in die Hose ging: Sie schickte vier Consultants in den Wald. Die sollten in einer Art Survival-Training Führungsqualitäten beweisen.

Was die Marketing-Fuzzis Frederik (Volker Bruch), Yvonne (Vicky Krieps), Michel (Stefan Konarske) und Marco (Sascha Gerak) nicht wussten: Kramer und ihr Psychologen-Kollege Peter Kraußmann (Samuel Finzi) hatten zwei Schauspieler angeheuert, die eine Geiselnahme vortäuschen sollten. Das alles sollte im "Big Brother"-Stil live übertragen werden und eine Handvoll Fachjournalisten von der innovativen Kraft der Beraterfirma überzeugen.

Das Überleben im Business ist hart, so das Kalkül. Es bestehen nur die härtesten High Performer fort, und die arbeiten bei Bickstein. Womit aber niemand rechnen konnte: Die fiktiven Geiselnehmer machen ernst. Ihre Waffen sind scharf, das Spiel ist plötzlich kein Spiel mehr - und niemand weiß, wer eigentlich wen manipuliert.

Man muss kein Hellseher sein, um ziemlich schnell zu wissen, was Philip Koch mit seiner Satire vorhat. "Outside The Box" will ein grotesk überhöhtes Spiegelbild der Leistungsgesellschaft sein: Die Arbeitswelt ist ein Haifischbecken, die Menschlichkeit wird der Performance im Job geopfert, wer am lautesten schreit, hat den größten Erfolg. Kochs Analyse ist im Kern zutreffend, seine (film-)künstlerische Umsetzung zeugt allerdings von schmerzhafter Naivität, steckt voller Gemeinplätze und Klischees, leeren Worthülsen und albernem Slapstick und ist zudem sehr holprig inszeniert.

"Outside The Box" ist schwer zu ertragen, weil in jeder Szene ersichtlich wird, dass jemand Wut im Bauch hat und die Zustände in der Arbeitswelt schlicht zum Kotzen findet. So nachvollziehbar dieses Gefühl ist, hätte es dem Film sehr gut getan, etwas Abstand zu seinem Thema zu wahren, um näher an die Missstände und vor allem die Figuren ranzukommen. So aber werden die Protagonisten verheizt, weil ihnen verletzliche Seiten nicht zugestanden werden. Sie erfüllen ihren Zweck und müssen funktionieren. Das aber ist in der realen Arbeitswelt nicht anders.

Die Dinge mal von außen betrachten, die Perspektive wechseln: Was im ziemlich coolen Begriff "Outside The Box" eigentlich steckt, das schafft Philip Koch selbst nicht. Stattdessen fällt, als nach unendlich langen 85 Minuten alles vorbei ist, eben dieser eine Satz: "Wenigstens habe ich sie zweimal gevögelt."

Quelle: teleschau - der mediendienst