Petting Zoo

Petting Zoo





Wovon träumst du, Layla?

Wo der Titel "Petting Zoo" herrührt, wird nach 90 Minuten nicht ganz klar. Das Leben von Layla (Devon Keller) ist kein Streichelzoo. So viel ist sicher. Die ein oder andere Streicheleinheit mehr könnte sie während ihres Aufwachsens in San Antonio, Texas, aber schon vertragen. Doch das 17-jährige Mädchen fordert nichts, verschwindet einfach, wenn sich etwas nicht mehr richtig anfühlt oder ein Konflikt anstehen könnte. 90 Minuten lang wartet man darauf, dass Layla doch irgendwann mal ihre Umwelt auf ihre Bedürfnisse aufmerksam macht oder zumindest in einen befreienden Heulkrampf ausbricht. Doch sie hält stand.

Dabei läuft vieles gegen sie. Am Anfang wohnt Layla noch bei ihrem Freund Danny (Kiowa Tucker), einem kiffenden Nichtsnutz im Kreise von sich aufplusternden Versagern. Dass seine Freundin trotz seines Sogs etwas auf die Beine stellt, ihr ein Stipendium winkt, lässt sein Stolz und seine Kurzsichtigkeit nicht zu. Also verschwindet das Mädchen mitten in der Nacht zu ihrer Oma (Adrienne Harrell). Eine Frau, von der man sich umsorgen lässt und deren Gutmütigkeit von Laylas Onkel und Tante ausgenutzt wird. Die Probleme ihrer Enkelin strören da nur.

Kurz nach der Zusage vom College erfährt Layla, dass sie schwanger ist. So gefasst, wie die Schülerin mit ihrem Schicksal umgeht, ist auch Regisseurin Micah Magees Überlieferung der Geschichte: Der geringste Hauch von Pathos und Überzeichnung ist ihr fremd. Wo in anderen Filmen das Warten auf den Schwangerschaftstest der Spannung wegen herausgezogen wird, hält die Kamera in "Petting Zoo" für einen kurzen Moment lediglich auf das Stäbchen. Der zweite Strich besagt: schwanger. Auch benutzt die Langfilmdebütantin, die ihr Werk auf der Berlinale vorstellen durfte, keine Hintergrundmusik. Ein Teenie-Drama ohne coolen Soundtrack, das muss man sich erst mal trauen. Und Magee, die hier aus ihrem eigenen Leben erzählt, behält recht mit dieser Entscheidung. Die Stärke des Films ist die Stille, die ihre Entdeckung Devon Keller wunderbar zu füllen weiß. Zeitweise glaubt man, eine Dokumentation vor sich zu haben, so trocken und eindrücklich sind Inszenierung und Darstellung.

Ihre Eltern kümmern sich nicht weiter um Layla, verbieten ihr nur eine Abtreibung; die Gespräche mit ihrer Freundin Melanie (Deztiny Gonzales) gehen kaum in die Tiefe. Lehrer Mr. Brandenburg (Jocko Sims) scheint jemand zu sein, der sich ihr annehmen könnte. Doch der ist eben ein Lehrer. Und Laylas neuer Freund Aaron (Austin Reed) - so richtig alleine scheint das Mädchen nicht sein zu können - ist entweder zu naiv oder zu nett, um wirklich als Stütze zu fungieren.

So hangelt sich Layla eben selbst durch ihr Leben, durch Schule, Jobs und Konzertbesuche. Der Zuschauer lernt ein Mädchen kennen, das viel Kraft besitzt, aber nicht weiß, wo sie weitere herbeziehen kann. Ein White-Trash-Leben steht ihr bevor, ein Leben als verarmte alleinerziehende Mutter, deren Potenzial nie gefragt war. Einsam, auch wenn sich andere um sie scharen. Stoisch scheint sie das zuzulassen. Man will sie fragen, was ihr Traum ist. Ihr ein bisschen Aufmerksamkeit schenken. Was Hoffnung macht: Vorlagengeberin Micah Magee scheint es auch ohne fremde Hilfe geschafft zu haben, aus ihr wurde eine vielversprechende Filmemacherin. Man sollte Layla also nicht aufgeben.

Quelle: teleschau - der mediendienst