Der junge Messias

Der junge Messias





Ein super Junge

Jesus ward geboren, seine Eltern flohen mit ihm als Baby nach Ägypten, und dann ist er in der Bibel auch schon ein Mann. Von seiner Kindheit und seiner Jugend steht in der Heiligen Schrift kein Wort. Aber zum Glück gibt es das Kino: "Der junge Messias" füllt die Lebenslücken Jesu mit der erbaulichen Geschichte eines Jungen, der schon als Siebenjähriger Wunder vollbrachte. Auch wenn der Regisseur behauptet, ein realistisches Porträt gezeichnet zu haben: Natürlich ist das Rührstück von Cyrus Nowrasteh reine Fiktion. Schon die Grundlage seines Jesus-Films ist pure Fantasy: Der 2005 erschienene Roman "Jesus Christus. Rückkehr ins Heilige Land" stammt von der Schriftstellerin Anne Rice ("Interview mit einem Vampir").

Aus dem Leben gegriffen ist in "Der junge Messias" nichts. Das liegt einerseits natürlich daran, dass es wegen fehlender Quellen schlicht unmöglich ist; anderseits auch an einer ziemlich naiven Darstellung des Lebens im Judäa der christlichen Zeitenwende: Ausgesucht schöne Menschen in frisch gewaschenem Leinen lösen in sauberen Hütten und pittoresken Landschaften alle Konflikte mit unerschütterlichem Glauben einfach auf.

Rührselig bis über die Schmerzgrenze hinaus zeigen schon die ersten Szenen, wo es langgeht: Jesus (Adam Greaves-Neal) wird in Alexandria von einem einheimischen Jungen verprügelt. Mit gütigen Augen hält Gottes Sohn artig seine Wangen hin und wehrt sich nicht. Das Schlägerkind kommt trotzdem ums Leben: Der Aufschrei ist groß, die "Söhne Davids" sollen doch bitte verschwinden. Wer hier rassistische Untertöne entdeckt, liegt womöglich nicht ganz falsch.

Und Jesus? Der erweckt seinen toten Peiniger wieder zum Leben, ein rührseliger Rückblick zeigt, dass er so was auch mit Vögeln kann. Weil der Mob in Ägypten weiter pöbelt, packt die Familie die Sachen und kehrt zurück ins Gelobte Land. Dort hoffen Maria (Sara Lazzaro) und Josef (Vincent Walsh) auf eine bessere Zukunft. Immerhin ist König Herodes, der nach Jesu Geburt eine Massenexekution aller Jungen in Bethlehem angeordnet hatte, in der Zwischenzeit gestorben.

Doch die Heimkehrer erwartet ein Land in Aufruhr. Tod und Verderben, Überfälle und Unterdrückung: Der Teufel (Rory Keenan) leistet ganze Arbeit. Und Herodes' Sohn findet es auch nicht besonders gut, dass ein Knabe in seinem Reich Wunder vollbringt. Er hetzt den römischen Centurio Severus (Sean Bean) auf die Familie, die erst zur Ruhe kommt, nachdem ihr sehr spezieller Sprössling im Tempel von Jerusalem einen Blinden zum Sehen bringt und einen Ungläubigen bekehrt. Seine Mutter bittet Jesus daraufhin, seine Superkräfte nicht mehr einzusetzen, um der Familie weiteren Ärger zu ersparen. Natürlich hört der junge Messias aufs Wort: Statt weiter Wunder zu vollbringen, rennt er wie ein ganz normales Kind freudestrahlend durch die Wiesen. Er war eben ein super Junge.

Bei allem Respekt vor religiösen Gefühlen drängt sich die Frage auf: Wer soll sich diesen als dröge Märchenstunde verkleideten Missionierungsversuch in Seifenoper-Ästhetik bloß ansehen? Dem biblischen Imagefilm fehlt es außer an religiösem Eifer an ziemlich allem, besonders an Spannung. Einem hübsch gelockten Jungen zwei Stunden dabei zuzusehen, wie er mit größter Friedfertigkeit das Übel der Welt beobachtet, ist nicht besonders interessant. Zumal man weiß, wo das alles hinführt. Anne Rice hat übrigens schon 2008 einen Fortsetzungsroman veröffentlicht, dem Vernehmen nach plant sie noch zwei weitere Bände.

Quelle: teleschau - der mediendienst