Wie Männer über Frauen reden

Wie Männer über Frauen reden





Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Berliner

Obwohl die Deutschen gemeinhin immer noch als eher humorlos gelten, scheinen sie Komödien zu mögen. Til Schweigers und Matthias Schweighöfers Werke belegen dies mit hohen Besucherzahlen Jahr um Jahr. Da man den Deutschen auch nachsagt, dass sie Ironie und andere feinsinnige Spielarten des Humors nicht gerade mit der Muttermilch aufgesogen haben, kommen die Gags in vielen dieser Komödien eher im Schenkelklopfer-Format daher. Da ist es überaus wohltuend, wenn Henrik und Carsten Regel in ihrer komplett durch Crowdfunding finanzierten romantischen Komödie "Was Männer über Frauen reden" wenigstens versuchen, subtilere Wege zu beschreiten. Leider verlieren die Spielfilmdebütanten dabei die Dramaturgie zu sehr aus dem Auge.

Eigentlich beginnt es - wenn man vom Thema Nr. 1 noch nicht die Nase voll hat - ganz vielversprechend in Frankies Bar am "Kotti", wie der Berliner den momentan viel diskutierten Kiez am Kottbusser Tor liebevoll zu nennen pflegt. Hier hängen regelmäßig die ein wenig aus der Zeit gefallenen Freunde des Kneipenbesitzers und Womanizers Frankie (Barnaby Metschurat) ab.

Da gibt es den wahrlich nicht mehr ganz jungen DJ (Oliver Korittke), der das Erwachsenwerden trotzdem immer noch meidet wie der Teufel das Weihwasser und auf ein reichhaltiges Repertoire an chauvinistischen Sprüchen zurückgreifen kann. Zudem gehört Marco (Kida Khodr Ramadan) zur Clique, der zwar inzwischen domestiziert respektive mit einer Grace-Jones-ähnlichen Schönheit verheiratet ist, seine ehelichen Pflichten aber sträflich vernachlässigt und stattdessen ständig von einem flotten Dreier träumt.

Die Vorletzte im Bunde ist die im Klub arbeitende Kellnerin Tine (Ellenie Salvo González), die sich endlich gezielt auf die Suche nach ihrem Traummann machen möchte - was zu ein paar amüsanten Speed-Dating-Szenen führt. Gelegentlich schaut auch des DJs etwas aus der Art geschlagener Sohn Martini vorbei, verkörpert von "Victoria"-Darsteller Frederick Lau. Der lebt noch bei seinem Vater, macht eine Frisörlehre und wünscht sich nichts sehnlicher als eine feste Beziehung. Doch stattdessen hat er eine Freundin, die beim Sex gekünstelt daherredet wie eine ultraschlechte Pornodarstellerin, was den armen Martini in tiefste Verzweiflung stürzt.

Irgendwann passiert jedoch, was passieren muss: Tine und Frankie, die seit 15 Jahren immer mal wieder nach der gemeinsamen Schicht in der Kneipe freundschaftlich das Bett miteinander teilen, schlafen miteinander. Und damit gerät das fragile Kumpelgefüge in Gefahr. Leider passiert aber nicht wesentlich mehr in dieser romantischen Komödie, die zudem so romantisch gar nicht ist. Denn einerseits ist die Chemie zwischen Frankie und Tine kaum spürbar, andererseits weiß das Drehbuch auch nicht wirklich, wie es weitergehen soll mit den frisch Verliebten, nachdem "es" passiert ist.

Frankie bekommt erst einmal kalte Füße, macht wieder mit anderen Frauen rum - Tine versucht ihn daraufhin, mit seinem besten Kumpel eifersüchtig zu machen. Das ist wirklich ein bisschen einfallslos, peinlich und unrealistisch obendrein, schließlich haben alle Protagonisten die Teenagerzeit bereits lange hinter sich gelassen. Viel lieber würde man noch mehr über die interessanteren Charaktere des Films - den raubeinigen DJ und seinen netten Sohn, den er allein großgezogen hat - erfahren.

Nur gut, dass der Film noch ein paar Pluspunkte vorzuweisen hat: So spielen alle Szenen im ungeschönten Berlin irgendwo zwischen Kotti und Schlesischem Tor - und das ist nun einmal wirklich arm und ganz schön sexy. Und während die Mid-Thirties bis Mid-Fourties sich weiter ihrem merkwürdigen Liebesleben widmen, läuft auf der Tonspur dazu auch noch ein liebevoll zusammengestellter Indie-Soundtrack. Die Kalauerdichte ist angenehm gering, dann und wann ereignen sich hübsche Wortspielereien wie "Latzhoseintoleranz", und am Ende arrangiert Marcos coole Frau für ihren Schatz noch einen Dreier mit ihrer Freundin, einer sympathischen Heilpraktikerin.

Quelle: teleschau - der mediendienst