Angry Birds - Der Film

Angry Birds - Der Film





Immer schön wütend bleiben

Falls es jemanden gibt, der das Spiel "Angry Birds" nicht kennt, es funktioniert so: Man packt ein paar Vögel in eine Schleuder, visiert das Ziel an und lässt sie fliegen. Beim Aufprall zerstören die gefiederten Wutbürger die Festungen einer Bande fieser Schweine, die ihre Eier geklaut haben. Das Spielprinzip ist einfach, die Optik knallbunt, die Level funktionieren als Entertainmenthäppchen für zwischendurch: "Angry Birds" ist das perfekte Spiel für alle, die nicht nichts tun können und wurde dadurch zu einer der erfolgreichsten Daddeleien der Smartphone-Ära. Weil Cross-Marketing mittlerweile zum guten Ton gehört, gibt es jetzt einen 3D-Kinofilm zum Spiel - mit denkbar einfacher Story in einer hysterischen Kakofonie aus Farben und Gezappel.

Kann ein Spiel wie "Angry Birds" als Kinofilm funktionieren? Irgendwie schon, wenn man sich darauf einlässt, 90 Minuten lang bombardiert zu werden. Der Film gönnt einem so viel Ruhe wie ein LSD-Trip. Ständig passiert irgendetwas, immerzu wird das Spektakel-Level gesteigert, Farben, Formen und Schnittfrequenz bringen das Herz zum Rasen. Das kommt dem Vernehmen nach vor allem bei Kindern gut an, die sich bei Testvorführungen gut amüsiert haben sollen.

Auf eine komplizierte Geschichte muss man sich bei "Angry Birds" nicht konzentrieren. Wie im Spiel geht's auch im Film um den Kampf zwischen netten Vögeln und dummen Schweinen. Statt einer weitgehend anonymen Vogelschar steht eine kleine Gruppe von Wutvögeln im Mittelpunkt, angeführt vom Choleriker Red. In der deutschen Fassung leihen unter anderem Christoph Maria Herbst, Axel Stein und Axel Prahl den Vögeln ihre Stimme.

Red ist im Gute-Laune-Paradies der Vögel ein Außenseiter, hat aber als einziger keine rosarote Brille auf, sondern den Durchblick. Als die Insel des friedfertigen Federviehs Besuch von einem Schiff voller grüner Schweine bekommt, schwant ihm Böses. Bevor Red mit seinen Kumpel Chuck und Bombe die fiesen Pläne der unliebsamen Gäste aufdecken können, müssen sie Widerstände in den eigenen Reihen brechen und den "Mächtigen Adler" finden, dessen Hilfe sie dringend gebrauchen können.

So weit, so banal: Bei der Story setzte das Entwicklerstudio Rovio auf Altbewährtes und konzentrierte sich ganz auf die optische Umsetzung. Die macht durchaus was her, wenngleich der stetig wachsende Krawall-Faktor und die allgemeine Hektik des Films eine echte Herausforderung sind.

Wer "Angry Birds" durchstehen will, muss öfter mal tief durchatmen. Es ist beileibe nicht so, dass der Film unsympathisch daherkommt, er will allerdings nicht stillhalten. Irgendwie folgt dies aber auch einer Logik: Auch das Spiel setzt eine Grundunruhe voraus. Überall, wo man hinsieht, schießen die Leute Vögel ab: in der U-Bahn, im Supermarkt, im Büro. Nur nicht stillhalten, immer etwas tun. Wer sich "Angry Birds" auf das Smartphone lädt, verzichtete freiwillig auf Ruhepausen. Wer sich "Angry Birds" im Kino anschaut, sollte nichts anderes erwarten.

Quelle: teleschau - der mediendienst