Frauen

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Keinem Weibsbild würdig

Blutig, geschwollene Gesichter, schmutzig und verschwitzt schauen Liz (Blerim Destani) und Schott (Heiner Lauterbach) durch die kaum noch vorhandene Windschutzscheibe. Das Auto hängt an einer bewaldeten Felsklippe, schaukelt am Abhang. Plötzlich erwacht der eigentliche Führer der Limousine auf dem Rücksitz: "Hey Jungs, was immer war, was immer auch kommen mag: Euer Rüdiger Kneppke hat sich verliebt!" Genauso unpassend wie der Kommentar von Martin Brambachs Figur in dieser Situation ist in "Frauen" einiges. Die nicht enden wollende Klimper-Jazzmusik etwa, der Humor, die Kamera, die Figurenzeichnung, das Zusammenspiel ...

Wie der Titel der Komödie schon besagt, liegt das Hauptaugenmerk auf der Damenwelt. Schott etwa ist mehrmals geschieden. Liz türmt kurz vor seiner ersten Trauung, er sei nicht verliebt, betont er immer wieder. Und Kneppke, naja Kneppke redet unentwegt von der Unnahbarkeit der Frauen und verliebt sich trotzdem Hals über Kopf in eine rothaarige Unbekannte an der Tankstelle. Da sind die drei schon unterwegs auf einem Roadtrip, keinem freiwilligen. Liz entführt die anderen beiden beim Versuch, der mazedonischen Verwandtschaft zu entkommen, die Sonnenblumenkerne spuckend auf der Jagd nach dem Flüchtigen ist.

Drei Philosophen, spezialisiert auf das "andere Geschlecht", würden hier aufeinandertreffen, verspricht der Filmverleih. Wo Philosophie beginnt und wo sie aufhört, da scheiden sich die Geister. Liz ist eben noch jung genug, um an die wahre Liebe zu glauben. Vollpfosten und Dauerpalaverer Kneppke alt genug, um an ihr zu zweifeln. Und der schwerreiche wie wortkarge Industrielle Schott hat eine ganz nüchterne Sicht auf die Dinge: Wenn, dann mit Ehevertrag. Sein getrübtes Vertrauen in die Weiblichkeit erklärt er im emotionalen, stillen Höhepunkt am Ende des Films, begleitet von einem leisen Orgelspiel.

Bis es dazu kommt - und man sei vorgewarnt: wirklich ergreifend ist das Ganze nicht -, ertrinkt "Frauen" in halbgaren und erwartbaren Albernheiten, was nochmals durch die hinzukommende Rockerbande auf die Spitze getrieben wird. Die Biker sind alle durch die Bank hirnlos, was mit keinerlei Szene oder Situationskomik entschuldbar wäre. Auch Liz' Verfolger vom Balkan und dessen Verschmähte Aysche (Victoria Mirovaya) stellen sich dümmer an, als es eine nur annähernd witzige Komödie erlaubt. Mirovaya fungiert zumindest als Hingucker, womit sich der Film mit seiner womöglich feministischen Intention jedoch nicht schmücken sollte.

Warum könnte man sich dann doch in "Frauen" verirren? Vielleicht wegen der durchaus prominenten Namen Bram- und Lauterbach. Die beiden geben ihren Figuren das, was von ihnen verlangt ist. Doch stimmt eben das Zusammen nicht. Gerade die Kamera, wie sie immer wieder starr und offensichtlich die Darsteller-Aussagen als Monologe einfängt, kommt ihnen da in die Quere. Auch Destani mit wackliger, zu gewollter Sprachfärbung sowie einem Spiel ohne Esprit und Leichtigkeit ist keine Hilfe, ganz im Gegenteil. So wünscht man sich, die Anfangssequenz mit dem am Abgrund schaukelnden Auto hätte schon da dem Film ein Ende gesetzt ...

Quelle: teleschau - der mediendienst