La Belle Saison - Eine Sommerliebe

La Belle Saison - Eine Sommerliebe





Und die Liebe leuchtet

Eine ruhige Melodie streift über die Landschaft. Langsam überschatten die Wolken das Feld. Die junge Delphine (Izïa Higelin) sitzt auf dem Traktor. Sie riecht am Stroh, sie umarmt es. Immer noch ist sie nicht verheiratet, immer noch streift sie umher, wild und frei. Die Eltern sind besorgt. Wenn es Nacht wird über dem französischen Dorf, trifft sie ein Mädchen vom Nachbarhof. Die Suche nach einem Mann an ihrer Seite führt Delphine hinaus aus dem ländlichen Idyll rein ins pulsierende Großstadtleben: ein Landei in Paris. Doch anstatt ihren Traummann zu finden, wird sie Teil einer Frauenrechtsbewegung, die von Carole (Cécile de France) angeführt ist und an die sie in "La Belle Saison - Eine Sommerliebe" ihr Herz unversehens verliert.

Eine leidenschaftliche Affäre zwischen Flugblättern und konservativer Engstirnigkeit, zwischen Vorlesungssaal und Kuhstall beginnt. Die Liebesgeschichte von zwei Frauen, Feminismus in den 70er-Jahren in Paris: Das französische Drama sprengt Grenzen, ist ein Befreiungsschlag auf eine ganz intuitive Weise - jedoch nicht provozierend oder gar überreizt. Denn eigentlich ist es nicht die Emanzipation der Frau, um die es hier geht und auch nicht unbedingt die gleichgeschlechtliche Liebe.

Es geht viel mehr um eine Emanzipation in der Sprache des Films über gewisse Themen und dadurch auch um eine innerhalb unserer Denkmuster. Liebe wird zu einem Gefühl, das uns körperlich wie psychisch in einen Zustand versetzt, der Flügel verleiht und zugleich Ketten anlegt; in einem Moment fühlst du dich wie ein kranker Hund auf der Couch, im nächsten möchtest du einen Charleston-Tanz einlegen.

Die Liebe spiegelt sich wider in der Beziehung zu den Menschen - zwischen Delphine und Carole, zwischen Carole und ihrem bisherigen Freund Manuel (Benjamin Bellecour), nicht zuletzt zwischen Delphine und ihren starrsinnigen Eltern. Ganz gleich ob Mann oder Frau, ob Eltern oder Kind, sie leuchtet in jeder Beziehung, sogar in der zu den Dingen und Tieren: der Ernte, einem neugeborenen Kalb, dem duftenden Kaffee.

Regisseurin Catherine Corsini setzt diese Stimmung des Films in Zusammenarbeit mit Kamerafrau Jeanne Lapoirie mittels malerischer Bilder um: Tag und Nacht sind Akteure, Himmel, Erde, Hell, Dunkel - sie alle spielen ihre Rolle meisterlich. Dabei verzichtet Corsini gänzlich auf Pathos. Sie greift nicht zurück auf ein abgegriffenes Vokabular in der Filmsprache, sondern setzt auf Natürlichkeit: die nackte Haut, jedes Schamhaar, jedes Muttermal findet seinen Platz im Szenenbild - doch diese Körperlichkeit steht nur für sich selbst, für die Schönheit im Detail, die nichts will, außer "sein".

Izïa Higelin, seit "Heute bin ich Samba" als Nachwuchsschauspielerin gefeiert, und Cécile de France stellen eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen auf so intuitive Weise wie nur möglich dar. Sie führen die Verbundenheit der beiden Frauen mitsamt ihrer Gegensätzlichkeit vor Augen: Delphine, ein wildes, herbes Mädchen vom Land, neben Carole, dem blonden, verspielten Lockenkopf, der in der Intellektuellenszene von Paris zuhause ist. Dabei Kontraste zwischen Privatem und Politischem, zwischen Persönlichem und Gesellschaftlichem herauszuarbeiten und so die Vielschichtigkeit der Protagonistinnen zu offenbaren, gelingt auf besondere Weise.

Das Schauspiel, die Szenenbilder und eine in sich stimmige Handlung gehen eine feinsinnige Symbiose ein. Sie machen "La Belle Saison" zu einem ehrlichen Film, der die Liebe, von der wir schon so viel gehört und gesehen haben, in einer Ursprünglichkeit zeigt. Eine Ursprünglichkeit, die uns mittlerweile fast schon fremd ist. Komponist Grégoire Hetzel rundet den Kreis ab, indem er die verletzlichen wie auch lebhaften Seiten der Geschichte musikalisch untermalt.

Quelle: teleschau - der mediendienst