Bad Neighbors 2

Bad Neighbors 2





Sie wollen doch nur feiern

Die letzten Partys sind gefeiert: In Ruhe können Mac (Seth Rogen) und Kelly Radner (Rose Byrne) trotzdem nicht leben. Die Mittdreißiger mögen die hedonistische Studentenverbindung von Feierbiest Teddy (Zac Efron) überlebt haben, das Nachbarhaus aber steht immer noch. Zwei Jahre nach dem Überraschungserfolg der cleveren Bad-Taste-Komödie "Bad Neighbors" wird es neu vermietet. Wieder zieht eine Studentenverbindung ein, diesmal eine weibliche. Kappa Nu wird von der rebellischen Shelby (Chloë Grace Moretz) angeführt, die sich nur allzu gern auf einen Krieg mit den spießigen Nachbarn einlässt. Auch die Fortsetzung "Bad Neighbors 2" ist eine derbe Klamotte, in der Regisseur Nicholas Stoller die Grenzen des Erlaubten auslotet und zugleich mit hintersinniger Intelligenz den gesellschaftlichen Status quo in den USA analysiert.

"Wir werden alt", gestehen sich Mac und Kelly ein. Nach ihrem Zwist mit den Teddy-Boys in Teil eins ist die ultimative bürgerliche Existenz für die beiden nur 30 Tage entfernt: Sie wollen in eine ruhige Gegend ziehen. Ihr altes Haus haben sie bereits verkauft - allerdings unter Vorbehalt. Ein Monat lang können die neuen Besitzer jederzeit zur Visite vorbeikommen und vom Kauf zurücktreten.

Eigentlich kein Problem: Die Studentenverbindung nebenan hat sich aufgelöst. Die Ruhe aber ist nur eine trügerische. Denn Shelby und die Kappa Nu-Mädels machen Party aus Prinzip. Für sie ist feiern ein Akt der Auflehnung: gegen antiquierte Vorschriften und den sexistischen College-Alltag. In dem dürfen nur Jungs Partys ausrichten, in denen die Mädchen als knapp bekleidete Objekte geduldet werden.

Dagegen lehnen sich Shelby und Co. auf. Der Kampf um die Ruhe in "Bad Neighbors 2" bekommt eine politische Dimension und wird mit noch härteren Bandagen ausgefochten als im ersten Teil. Die Fronten sind verhärtet. Es geht in "Bad Neighbors 2" einerseits um Prinzipien und anderseits um Veränderungen im Leben, die schwer zu akzeptieren sind.

Mac und Kelly müssen einsehen, dass sie in der bürgerlichen Mitte angekommen sind und ihr ehemaliger Erzfeind Teddy hat schwer daran zu knabbern, dass die endlose College-Partyzeit vorbei ist. Als dieser die Seiten wechselt und die Radners unterstützt, entdecken sie, dass man mehr Gemeinsamkeiten hat, als man je zugegeben hätte.

Mit altem Personal und frischem Blut will Regisseur Nicholas Stoller an den Erfolg von "Bad Neighbors" anknüpfen. Das gelingt ihm ganz gut. "Bad Neighbors 2" ist natürlich zunächst einmal eine ziemlich brachiale, eine ziemlich laute und eine nicht immer geschmacksneutrale Komödie, die sich bei College-, Coming-of-Age- und Thirty-Something-Filmen Anleihen nimmt und narrative Stringenz nicht überbewertet.

Es sind aber nicht die Szenen, in denen gekotzt wird, benutzte Tampons durch die Luft fliegen und Hodensäcke entblößt werden, die in Erinnerung bleiben. Es ist auch nicht der staubtrockene "Ein weiterer Jude im Ofen"-Witz von Seth Rogen, obwohl der schon ziemlich bemerkenswert ist. Es sind vielmehr die Zwischentöne, für die bei all dem Klamauk genug Platz bleibt und die von Sexismus und Unsicherheit erzählen, von verpassten Chancen und Neuanfängen in einer Gesellschaft, in der Wasser gepredigt und Wein gesoffen wird.

Quelle: teleschau - der mediendienst