Triple 9

Triple 9





Ganz alte Schule

Echte Kerle sind es, die Regisseur John Hillcoat da in seinem nihilistischen Cop-Thriller "Triple 9" durch Atlanta hetzt. Echte Kerle, die nicht aus ihrer Haut können. Sie sind korrupte Polizisten, die sich mit der Russenmafia eingelassen haben und von deren kaltblütiger Chefin in einen Strudel aus Tod und Verderben gestürzt werden. Einen Ausweg gibt es nicht: Es sei denn, sie würden den ultimativen Verrat begehen und einen der ihren ermorden. "Triple 9" ist ein Film der alten Schule - mit handgemachten Actionszenen, mit Räubern und Gendarmen, mit Herzen am rechten Fleck und Mördergruben. Der Film riecht nach Schweiß und strotzt vor Testosteron - ein solides Genrestück, dessen hervorragender Cast leider nur auf altbekannten Pfaden wandelt.

Ein letzter Job noch, dann sollen sie frei sein, verspricht Irina Vaslov, die von Kate Winslet mit bemerkenswertem Toupet, russischem Akzent und eiskalter Boshaftigkeit zelebriert wird. Die Chefin der Russenmafia schickt ihre Handlanger von der Polizei auf ein Himmelfahrtskommando: Sie sollen Daten aus einem FBI-Gebäude stehlen.

Nun ist es im Kino ja immer "nur ein letzter Job", dessen Erledigung die ewige Freiheit verspricht, aber nie hält. Und so wird auch dieser Job, so viel darf verraten werden, nicht so glatt laufen, wie es sich die korrupten Cops wünschen. Dabei hätte ihnen schon der vorletzte Job eine Warnung sein müssen: Bei einem - perfekt inszenierten - Banküberfall sollten sie für Irina ein Schließfach in einer Bank leeren. Doch weil einer von ihnen gierig ist, müssen die anderen leiden.

Die Truppe steht fortan unter der Beobachtung des altgedienten Zynikers Jeffrey Allen: Woody Harrelson ermittelt als abgehalftertes Wrack eines Detectives gegen die eigenen Kollegen, die sich, verraten und verkauft, immer mehr in die Ecke getrieben fühlen und einen besonders heimtückischen Plan schmieden, um den Auftrag der Russenmafia - ihren "letzten Job" - zu erledigen.

"999" - das ist der Polizeicode für einen im Dienst getöteten Kollegen: Wird ein Polizist erschossen, machen alle Kollegen Jagd auf den Täter. Die Stadt ist dann im Prinzip kurzzeitig ein rechtsfreier Raum, weil die Polizei alles stehen und liegen lässt. Das auserkorene Opfer ist der Grünschnabel Chris (Casey Affleck). Sein Partner Marcus Belmont (Anthony Mackie) gehört zu der verschworenen Männergemeinschaft, die im Nebenjob auf der anderen Seite des Gesetzes arbeitet und ihn in die Falle locken soll.

John Hillcoat, der unter anderem die famose Cormac-McCarthy-Verfilmung "The Road" verantwortete, hat "Triple 9" als konsequenten Genrefilm inszeniert, der etwas aus der Zeit gefallen ist, dazu ziemlich überfrachtet und sehr altmodisch. Man könnte auch sagen: abgedroschen. Die Konstruktion des Verhängnisvollen jedenfalls ist nicht neu: Es gibt korrupte Cops, Verräter, Affären, offene Rechnungen. Und eine ganz große Portion Verzweiflung. Der Kopf der Truppe, Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor), hatte einst eine Affäre mit der Schwester der Mafiachefin, die seinen Sohn in ihren Klauen hat.

Dass sich in der verschwitzten Südstaaten-Atmosphäre keine Langeweile breit macht, liegt daran, dass "Triple 9" derartig nüchtern und ohne viel Gewese erzählt ist, dass man es durchaus mit der Angst zu tun bekommen kann. Hillcoat legt im Licht der gleißenden Sonne eine ziemlich düstere Welt frei in Atlanta, Georgia: Ein Menschenleben zählt hier nicht viel, die ganze Stadt, so scheint es, wird von Straßengangs, Drogenkartellen und der Mafia im Würgegriff gehalten.

Quelle: teleschau - der mediendienst