Ratchet & Clank

Ratchet & Clank





Spielerische Unterhaltung

Videospiel-Verfilmungen haben den Ruf, meistens zu misslingen. Da wären vor allem die filmischen Machwerke eines Uwe Boll - man denke nur an "Far Cry" (2008) mit Til Schweiger und "Dungeon Siege" (2007) mit Jason Statham. Aber auch andere Regisseure verzweifeln an Computerspielvorlagen. Umsetzungen von Spielehits wie "Max Payne" (2008) und "Hitman" (2007/2015) fielen bei den Kritikern und Gamern gnadenlos durch. Selten stimmt das Gesamtpaket - mit Abstrichen - wie bei der "Resident Evil"-Filmreihe (2002 - 2012). Das Medium Videospiel verabscheut die Leinwand. Regisseur Kevin Munroe, der für die 2007-er Kino-Adaption der Zeichentrick-Serie "Teenage Mutant Ninja Turtles" verantwortlich zeichnete, will das mit "Ratchet & Clank" ändern. Doch sein "Ratchet & Clank"-Leinwandausflug reiht sich auf der Seite der misslungenen Beispiele ein.

Seit das beliebte Heldenduo, bestehend aus dem fuchsähnlichen Mechaniker Ratchet und dem hochintelligenten Roboter Clank, 2002 das erste Mal auf der PlayStation2 die Galaxie(n) rettete, entwickelte sich die Videospielreihe immer mehr zum spielbaren Animationsfilm. Neue Generationen der Konsolen verbesserten die Grafik und Präsentation. Der Kinofilm bedient sich bei der Story des allerersten Spiels: Die Alienrasse der Blargs hat durch extreme Umweltverschmutzung ihren Planeten unbewohnbar gemacht.

Ihr böser Anführer Drek entwickelt deshalb zusammen mit dem verrückten Wissenschaftler Dr. Nefarious einen Laser, um Teile aus anderen Himmelskörpern zu stehlen und aus diesen eine neue Heimat zu bauen. Dass die betroffenen Planeten dabei zerstört werden, ist den Bösewichten natürlich egal. Ratchet und Clank schließen sich daraufhin den berühmtesten Helden der Galaxis, den Space Rangern an, um Drek und Nefarious aufzuhalten. Ob ihnen das gelingt und ob dabei auch der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, darf erst nach Ablauf einer Sperrfrist verraten werden.

Die Story ist wenig innovativ und richtet sich konsequent nach der Videospielvorlage. So kennen Fans der Serie bereits alle wichtigen Twists. Was bleibt, ist der ganz eigene Humor, der auch schon die Action-Adventure ausmachte: Der vorlaute, aber leicht trottelige Held Ratchet, der trockene Roboter Clank und der scheinheilige Poser-Captain Qwark - die Kultfiguren der Serie - bleiben ihrer kauzigen Art auch im Film treu, klopfen Sprüche oder sorgen mit der einen oder anderen Slapstick-Einlage für Lacher - besonders beim jüngeren Publikum.

Leider verzichtet die deutsche Synchronisation anders als die englischsprachige Originalversion auf viele Sprecher der Spielreihe. Zwar verstarb Clank-Sprecher Peter Heusch im April 2014, die Rolle des anderen Titelhelden Ratchet und weitere wurden jedoch neu besetzt, was in der Fangemeinde vor dem Release bereits für Empörung und sogar zu einer Online-Petition führte.

Die größte Schwäche des Films ist allerdings die Technik. Während Pixar und Dreamworks mit ihren Filmen immer wieder versuchen, das Genre auch technisch zu revolutionieren, sieht "Ratchet & Clank" nicht anders aus als die neueste Spielegeneration. So wird dem Zuschauer sozusagen nur der Controller aus der Hand gerissen. Um den Verlust an Interaktion zu kompensieren, fehlt es "Ratchet & Clank" jedoch an Tiefe. Es fehlt die Vielschichtigkeit, mit der andere Animationsfilme junges und älteres Publikum, Kinder wie Erwachsene, gleichermaßen unterhalten oder begeistern.

Die Fans, die seit 2002 mit diesen Videospiel-Helden älter geworden sind, wird dieser Film nicht abholen können. Er ist wie ein Lieblings-Shirt, aus dem man herausgewachsen ist. Zum Glück erscheint passend zum Film auch der neueste Ableger der Spielreihe für die Playstation4. Dieses Shirt mag zwar an der ein oder anderen Stelle ein wenig zwicken, es macht aber immer noch Spaß, es zu tragen.

Quelle: teleschau - der mediendienst