Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Rico, Oskar und der Diebstahlstein





Steppke-Ermittler am FFK-Strand

Im dritten und vorerst letzten Teil der pfiffigen Detektiv-Reihe wagen sich der hochbegabte Rico (Anton Petzold) und sein nicht ganz so überfliegend intelligenter, aber umso mutigerer Kumpel Oskar (Juri Winkler) auf ein ganz großes Abenteuer: eine Verbrecherjagd von Berlin bis hoch an die Ostsee, bei der sogar ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird. Für "Rico, Oskar und der Diebstahlstein" hat Regisseurin Neele Leana Vollmar das bestens eingespielte Team wieder zusammengetrommelt - inklusive kurioser Gastauftritte durch Stars, die vor allem die etwas älteren Jugendkomödien-Fans gerne wiedererkennen. Auch der Abschluss der Steppke-Trilogie nach den Romanen von Andreas Steinhöfel setzt weniger auf rasante Kids-Action als auf kessen Großstadthumor und gesteht sich sogar altersgerechten Ernst und Tiefgang zu.

Nicht ohne wuchtige Symbolkraft zeigt die erste Einstellung des Films den Blick von oben auf ein offenes Grab: Ein schwaches Herz raffte den kauzigen, meistens knurrigen und nur gegenüber Rico und Oscar für wenige helle Momente nicht menschenscheuen Eigenbrötler Fitzke (grandios grantig: Milan Peschel) dahin. Es ist nicht der einzige Verlust, mit dem die beiden notgedrungen früh-jugendlichen Kinder fertig werden müssen: Immerhin sind ihre Familienverhältnisse mit "chaotisch" eher verharmlosend beschrieben. Oft sind Rico und Oskar auf sich allein gestellt, was ihnen aber die Gelegenheit gibt, auf eigene Faust die Straßen von Berlin zu entdecken.

Doch zurück zu Fitzke: Dessen eigenwilliges Hobby - Kenner der Andreas-Steinhöfel-Buchreihe und Zuschauer der bisherigen beiden Filme "Rico, Oskar und die Tieferschatten" (2014) und "Rico, Oskar und das Herzgebreche" (2015) wissen das - war das Stammeln von Steinen, die zumindest er selbst für sehr wertvoll hielt. Weil sich Rico als einer von ganz wenigen für Fitzkes Mineralien interessierte, erbt er nach dessen plötzlichem Ableben die Sammlung. Umso größer der Schock, als die Jungs in einer dunklen, unheimlichen Regennacht in Fitzkes alter Wohnung Schritte hören. Als sie selbst mit ihrem Nachbar-Schlüssel nachsehen, merken sie, dass ausgerechnet das Prunkstück der Kollektion fehlt: der sogenannte "Kalbstein".

Ohne zu zögern - und vor allem ohne lästige Erwachsene zu fragen, die ohnehin nie da sind -, nehmen Rico und Oskar die Verfolgung auf. Sie vermuten nicht zu Unrecht, dass Julia (Friederike Kempter) aus dem Hinterhaus zusammen mit ihrem Kleinganoven-Freund Justin (Fahri Yardim in einer witzigen Selbstparodie seiner Hamburger "Tatort"-Rolle) die Beute an die Ostsee geschafft haben. In einem kleinen Feriendorf am Strand spüren sie das Diebes-Duo wieder auf. Doch damit gehen die Probleme erst richtig los.

Durch den Ausreißer-Aufbruch aus der großen Stadt bekommt das dritte "Rico und Oskar"-Abenteuer - weitere Jugendbücher der Reihe hat Steinhöfel leider bislang nicht geschrieben - eine sommerliche und schwungvolle Road-Movie-Komponente. Allerdings sind die beiden Jungs nun wirklich komplett auf sich gestellt, was auch ihre Loyalität untereinander erstmalig stark herausfordert. Doch wie jeder weiß: Aus einem Streit können Freunde nur gestärkt hervorgehen.

Was vor allem den begleitenden Erwachsenen gut gefallen dürfte, ist der lakonische Humor, der sich in Situationskomik, kuriosen Cameos (etwa Heike Makatsch als "hellsehende" Kellnerin), aber vor allem im Witz der Dialoge ausdrückt. Selten wurde treffender, aber eben auch trockener festgestellt, wie schwer es ist, professionelle Observationsarbeiten an einem FFK-Strand durchzuführen. "Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn alle auf meinen Pimmel schauen", sagt Rico. Da muss man ihm einfach Recht geben.

Quelle: teleschau - der mediendienst