Hardcore

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Kann nicht sprechen, ich schieße

Nachdem Henry mit vermeintlicher Amnesie in einem fliegenden Labor-Hubschrauber aufwacht, werden ihm erst einmal fehlende Gliedmaßen angeschraubt. Kurz darauf wird seine Ehefrau Estelle (Haley Bennett) vom stereotyp-bösen Söldnerboss Akan (Danila Kozlovsky) entführt, und die große Ballerei im Moskau der Zukunft beginnt. Henry, aus dessen Perspektive man hektisch das Geschehen beobachtet, knallt alle ab, die ihm zu nahe kommen. Viel mehr außer wildwestartige Schießwut passiert im First-Person-Shooter "Hardcore" aber nicht.

Henry schafft es, aus dem Hubschrauber zu entkommen, in dem er zusammengeflickt wurde. Seine angebliche Frau dagegen bleibt in Gefangenschaft von Akan. Auf dem Erdboden angekommen, sieht sich Henry erst einmal einem Söldneraufgebot gegenüber, das er nach und nach niedermetzelt. Zunächst wirken die überladenen Schießerei-Szenen noch unterhaltsam. Doch das ist nur der Anfang.

Mal begleitet von stampfenden Techno-Beats in den Straßen Moskaus, mal untermalt von käsigem Elektropop im Bordell mit einer Menge hysterisch herumkreischenden Prostituierten: Henry hat den Finger am Abzug und ballert sich vom Zentrum bis in die abgelegenste Peripherie. Sprechen kann er dabei nicht. Seine Sprachprogrammierung wurde am Anfang von Fiesling Akan vor Vollendung abgebrochen.

Akan, der mit seiner blonden Tolle und der verzerrten Fratze aussieht wie ein übellauniger Skandinavier, taucht dann auch immer wieder auf, um sich ein bisschen zu kloppen und Estelle noch mal zu verschleppen. Zwischendrin scheucht ihn der im Rollstuhl sitzende mysteriöse Kumpel Jimmy (Sharlto Copley) neben anderen obskuren Gestalten in wechselnden Roboterkörpern von Ort zu Ort, um Missionen zu erledigen.

Das hat was von einer Mischung aus den Computerspiel-Reihen "GTA" und "Call of Duty". Zeit zum Nachdenken oder für eine Kommunikation, die über fünf Sätze hinausgeht, bleibt nicht. Ist dem einen Gegenspieler das Herz aus der Brust gerissen, folgt schon der nächste Ansturm der Söldnergruppen. Kreativ scheint daran die Waffenwahl von Henry. Der weiß sich unter anderem mit Pistolen, Messern, Granaten, Flammenwerfern, Steinen, Stangen und Fäusten zu verteidigen, und mordet mit so maschinenartiger Akribie, dass einem Angst und Bange wird.

Bis sich am Schluss nach einem nicht enden wollenden Showdown voller splitternder Scheiben und undefinierbarer Explosionen der Hintergrund des Blutbades aufklärt, stinkt die kaum vorhandene Story längst an. Und auch die First-Person-Perspektive, die mit hektischem Zucken und schnellen Bewegungen zu verschwommenen Bildern führt, ist von Regisseur Ilya Naishuller sicher gut gemeint, aber maximal für Profi-Gamer erträglich. Nur eine Sache kann man dem Film nicht absprechen: Der Adrenalinspiegel bleibt durchgehend hoch. Sowohl bei Henry als auch beim Zuschauer.

Quelle: teleschau - der mediendienst