A War

A War





Close-up in Afghanistan

Mit dem Titel "A War" oder auch "Krigen" ("Krieg") im dänischen Original, wird noch einmal eine besonders in Deutschland heftig geführte Debatte aufgewärmt: Soll der Nato-Einsatz in Afghanistan nach dem Al-Kaida-Angriff auf das World Trade Center 2001 nun "Krieg" genannt werden oder doch nur "militärische Hilfe"? Trotz der Diskussion geriet der Krieg, wie man ihn nennen muss, aus den Augen. Nicht zuletzt wegen des Engagements der Beteiligten in anderen Ländern, wie etwa dem Irak. Der dänische Regisseur und Drehbuchautor Tobias Lindholm ("Die Jagd", "Highjacking - Todesangst") führt mit seinem dritten, oscarnominierten Spielfilm noch einmal mitten hinein in diesen aberwitzigen Krieg, der die Demokratie nach Afghanistan bringen sollte und doch nur in Schmerz und Niederlagen endete.

Lindholm zeigt den Krieg und seine Auswirkungen aus nächster Nähe: in Afghanistan und daheim in Dänemark. Es mag nicht neu sein, wenn er die Konfrontation eines Trupps von dänischen Soldaten und ihres Hauptmanns in staubiger, wüstenhafter Umgebung vor Augen führt: jede Patrouille möglicherweise ein Selbstmordkommando, jeder Turbanträger vielleicht ein Attentäter oder Minenleger. Es dauert denn auch nicht lang, bis es fürchterlich kracht und eine Mine einen der Männer aus ihrer Mitte reißt.

Man begreift also, warum die dänischen Nato-Marsmenschen in ihren Schutzuniformen so rüde und gefühlskalt mit den Einheimischen umgehen, mit jenen also, die sie doch beschützen sollten. Als die Soldaten dann doch jemandem helfen, einem Mädchen, das schwere Verbrennungen erlitten hat, bricht eine Katastrophe aus. Zuerst weist man die Familie ab, als diese vor den Taliban Schutz im Militärlager sucht. Als man ihnen anderntags doch helfen will, werden Eltern und Kinder tot aufgefunden.

Der Ort erweist sich als schrecklicher Hinterhalt, im Kreuzfeuer wird ein dänischer Soldat erschossen. Für den Kommandanten der Truppe gilt es, in Sekundenschnelle zu handeln. Er fordert Luftunterstützung an, nachdem er sich für die Sicherheit seiner Soldaten und gegen den afghanischen Feind entschieden hat. Das alles wird im zweiten Teil des Films im Gerichtssaal ausführlich aufgerollt, denn nicht Talibankämpfer, sondern elf Zivilisten, Frauen und Kinder, kamen bei der Aktion ums Leben.

Zurück in Dänemark, fernab des Kriegsszenarios, nimmt eine Staatsanwältin den Hauptmann unerbittlich in die moralische Mangel: Immer wieder fragt sie nach der entscheidenden PI ("Positive Identification"), also nach der sicheren Identifikation des Feindes. War er sich wirklich sicher, hatte er das Einverständnis des Stabes abgewartet? Erst in diesen Szenen im Gericht läuft Pilou Asbæk, der den im Gefecht überforderten Verantwortlichen spielt, zur Hochform auf. Er muss und er will sich und seine Familie retten. Der Aberwitz: Ein Anwalt ("Ich verkaufe Freisprüche") hilft ihm an entscheidender Stelle dabei.

Nein, es gibt in diesem Film "keine Helden", wie Regisseur Lindholm betont. Es gibt noch nicht einmal Gewinner, nur Verlierer. In vielen Szenenwechseln, vor allem Telefonaten mit der Familie daheim in Dänemark, hat Lindholm das bereits klar gemacht. Übrig bleiben verstörte Kinder, eine überforderte Ehefrau und Mutter, traumatisierte Soldaten. "A War" zeigt das Dilemma des Krieges ganz nah. Die Handkamera suggeriert Authentizität, in harten, ansatzlosen Schnitten wird man immer wieder mitten in die Szenen hineingestoßen. Am Ende, wenn das Ganze doch noch halbwegs gut ausgeht, ist der Zuschauer keinesfalls froh. Der Freispruch wird mit dem Verlust der Menschenwürde erkauft.

Quelle: teleschau - der mediendienst