Fritz Lang

Fritz Lang





Mord als Kintopp

Im Jahr 1929 geschah etwas Unerhörtes in den deutschen Lichtspielhäusern: Die Leinwand begann zu sprechen. "Ich spare nämlich auf ein Pferd" - dieser Satz, aus dem Mund von Willy Fritsch, leitete hierzulande den Tonfilm ein. Etwa zur selben Zeit lief Fritz Langs "Frau im Mond" in den Kinos, ebenfalls mit Fritsch, hier in der Rolle des Astronauten Helius. Bei Lang aber blieb der Schauspieler noch stumm. Dabei war der Regisseur der "Nibelungen" und von "Metropolis" doch stets ein Vorreiter, wenn es um technische Neuerungen ging. Sein nächster Film, das stand fest, musste also ein ganz besonderer werden. Und tatsächlich: 1931 erschien mit "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" Langs Meisterwerk. Das spannende Dokudrama "Fritz Lang" erzählt nun, wie dieser vielleicht bedeutendste deutsche Film entstand.

"Fritz Lang" erzählt nun aber nicht etwa von den Dreharbeiten, sondern davon, wie Lang die Idee zu seinem Meisterwerk kam. Nur: Was den Regisseur zu seinem Film inspirierte, ist alles andere als eindeutig. Es waren mehrere Mordfälle, die Lang als Vorbild dienten: Die Taten des Fritz Haarmann etwa, oder die von Carl Großmann, der wohl dutzende Menschen tötete. Regisseur Gordian Maugg entscheidet sich für den Fall des Serienmörders Peter Kürten, der drei Wochen nach der Premiere von "M" zum Tode verurteilt wurde. Kürten, der das Blut einiger seiner mindestens neun Opfer getrunken hatte, spukte in den späten 20-ern als "Vampir von Düsseldorf" durch die Presse.

Es ist dann auch ein Zeitungsartikel, der Lang auf den Fall aufmerksam werden lässt. Heino Ferch spielt den legendären Regisseur. Er sieht ihm zwar, bis auf das Monokel im linken Auge, nicht ähnlich - aber egal: Ferch läuft wieder einmal zu Hochtouren auf. Er spielt Lang so, wie sich der Regisseur immer gerne selbst dargestellt hat: Als kultivierten Mann von Welt, dem die Frauen zu Füßen liegen.

Lang reist also nach Düsseldorf, um Kriminalrat Ernst Gennat (Thomas Thieme) bei der Suche nach dem Serienmörder zu begleiten. Der Regisseur und der Polizist kennen sich bereits: 1920 war Langs erste Ehefrau Elisabeth Rosenthal durch einen Schuss ums Leben gekommen; ob es Selbstmord war, oder ob Lang und seine damalige Geliebte und spätere Ehefrau Thea von Harbou sie töteten, konnte auch Gennat nicht klären. Die Ermittlungsakten sprechen von einem "Unglücksfall".

In Düsseldorf begleitet Lang die Ermittlungsarbeiten, spricht mit Angehörigen, begutachtet Leichen. "Ob sich diese Mördergeschichte für den Kintopp eignet?" fragt der Kommissar den Regisseur misstrauisch. Wenn er nur wüsste! Schließlich, als der Serienmörder im Gefängnis sitzt, trifft Lang auf Peter Kürten. Das vermeintliche Monster wird eindringlich von Samuel Finzi verkörpert: Gleichgültig, ja eiskalt erzählt er dem Regisseur, dessen Werk er bewundert, von seinen unvorstellbaren Taten. Die Begegnung mit dem Mörder beschwört bei Lang Erinnerungen herauf: An den Tod seiner ersten Ehefrau und an seine Erfahrungen im Schützengraben, 1916 in Galizien. Hier erschoss Lang eigenhändig mehrere Menschen und erlitt eine schwere Verletzung am Auge.

Stattgefunden hat die Begegnung der beiden Männer wohl nie. Regisseur Gordian Maugg vermischt Fakt und Fiktion, und er macht das mit einem tollen Trick: Er streut in seinen Film immer wieder alte Archivaufnahmen ein - und Szenen aus "M". Das passt auch deshalb, weil er seinen in schwarz-weiß gehaltenen Film optisch an die Werke von Lang angepasst hat. Nicht nur das heute ungewohnte Bildformat ist identisch, auch in der Bildsprache nimmt er Anleihen. So ist "Fritz Lang" nicht nur ein spannendes Psychogramm einer ungewöhnlichen Begegnung, sondern auch eine Verneigung vor dem großen Regisseur.

Quelle: teleschau - der mediendienst