Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit

Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit





Blondes Mädchen im Minenfeld

Fünf Jahre lang hatten die Deutschen Dänemark besetzt und mit dem so genannten Atlantikwall umgeben, als die Alliierten das Land befreiten. An der dänischen Westküste lagen insgesamt 1,5 Millionen Landminen unter dem Strand. Was lag näher, als diejenigen, die sie gelegt hatten, nun zur Räumung heranzuziehen? Auf Anweisung der britischen Befreier taten die Dänen genau das und benutzten dafür nicht selten noch jugendliche Soldaten zwischen 16 und 18, die Hitler in den letzten Jahren des Krieges eingezogen hatte. Ein Racheakt, ein Kriegsverbrechen gar, das hinter dem Unrecht der deutschen Besatzung lange verborgen blieb. Mit dem Dokudrama "Unter dem Sand" gelang dem dänischen Regisseur Martin Zandvliet ein beeindruckender Film über jene tabuisierte Geschichte und den Wahnsinn des Krieges.

"Mir ist es wichtig zu sagen, dass dieser Film keine Verteidigung der Deutschen darstellen soll", sagt Martin Zandvliet über sein Antikriegs-Drama, das eine bislang vergessene Marginalie des Krieges behandelt. Vielmehr sei es wichtig, dass Rache, "diese 'Auge um Auge'-Mentalität uns alle zu Verlierern macht".

Gleich zu Beginn des Films greift ein dänischer Unteroffizier aus einer Kolonne deutscher Gefangener einen jungen Mann heraus, der eine dänische Flagge trägt. Er stellt den jungen Mann zur Rede, provoziert ihn im heftigsten Feldwebelton und schlägt ihn grausam zusammen, als dieser ihm antworten will. Später wird dem Feldwebel ein Trupp junger deutscher Soldaten unterstellt, mit dem er innerhalb weniger Wochen einen dänischen Strand von 40.000 Landminen räumen soll.

Sehr schnell folgen die ersten Instruktionen des vollkommen unkundigen Trupps. Nach und nach wird jeder der elf jungen Männer zum Entschärfen einer Mine aufgerufen, und es dauert nicht lange, bis einer der Deutschen die gefährliche Ladung mit zittrigen Händen hochgehen lässt. Der erste Tote - weitere werden folgen. Doch das Versprechen, nach getaner Arbeit eines schönen Tages nach Hause zu dürfen, hält die Truppe der jungen Soldaten am Leben. Denn nicht nur das tödliche Handwerk setzt ihnen zu, auch der Hunger und die Witterung machen den Auftrag unerträglich.

Der dänische Shooting-Star Roland Møller, ein Mann für grobe Gestalten, macht zwar aus dem gefährlichen Feldwebel eine tickende Zeitbombe, vor dem sich die jungen Gefangenen mehr fürchten müssen als vor den Minen, die unter dem Sand an der so naturschönen dänischen Küste liegen. Schnell wird aber auch klar, dass der von ihm verkörperte Carl Rasmussen kein Menschenverächter oder bloßer Racheengel ist. Nur widerwillig, das spürt man, erfüllt er seine Pflicht angesichts der auch für ihn allzu jungen unmündigen Soldaten.

Das deutsche Trüppchen hingegen erinnert stark an das letzte Aufgebot aus Bernhard Wickis berühmtem Anti-Kriegsdrama "Die Brücke" - allerdings sind die Charaktere nicht so beeindruckend durchgeformt wie in diesem Klassiker. Alleine Joel Basman ("Wir sind jung. Wir sind stark.") und vor allem Louis Hofmann, der in seiner Rolle als Sebastian in wortkargen Dialogen die harte Schale des dänischen Feldwebels knackt, gewinnen wirklich Kontur. Einmal sitzt ein kleines blondes Mädchen mitten im Minenfeld, und den deutschen Soldaten gelingt es, das Mädchen vor den Augen der verzweifelten Mutter zu retten.

Mit solchen Momenten der Hoffnung geht der Film sparsam um. Am Ende wird noch nicht einmal das Versprechen, nach Hause zu dürfen, eingehalten. Gut, dass sich der dänische Feldwebel dem neuen Befehl widersetzt. Ein Krieg nach dem Ende des Krieges - könnte der Irrsinn größer sein? Aber "Unter dem Sand" verweist auch auf den Irrsinn der geschätzt hundert Millionen Landminen, die heute in über 60 Ländern weltweit unter dem Boden vergraben sind. Seit 1975 wurden mehr als eine Million Menschen durch Landminen getötet. So gesehen ist Zandvliets Film mehr als nur ein Stück über eine unbekannte Vergangenheit.

Quelle: teleschau - der mediendienst