Ein Mann namens Ove

Ein Mann namens Ove





Unter der Spießerschale

Früher war einfach alles besser, glaubt der Endfünfziger Ove (Rolf Lassgård). Auch der Selbstmord. Eigentlich baumelt er in seinem Anzug schon ganz gut - da rammt direkt vorm Fenster ein neu hinzugezogener Familienvater mit dem Anhänger seinen Briefkasten. Dem Jungspund muss er wohl eine Einpark-Lektion geben. Aber die neuen Nachbarn wollen ihm auch danach partout keine Ruhe für den Tod geben. Ihrem Dank für seine Hilfestellungen begegnet er schroff. Nicht nur, weil sie ihn vom Jenseits fernhalten, sondern weil er in einer Spießerschale des überheblichen Bessermachens steckt. An der picken die Neulinge jedoch eifrig herum. Die schwedische Komödie "Ein Mann namens Ove" ist rührend, makaber und absurd, allerdings auch ein wenig eindimensional.

"Dir sollte man nicht einmal erlauben, eine Kassette zurückzuspulen", wettert Ove, als er Patrik (Tobias Almborg) nach dem Manövrieren mit dem Anhänger schwungvoll die Autoschlüssel zuwirft. Es ist eine bizarre Mischung, die weit in den Film hinein für Stimmung sorgt. Rolf Lassgård verkörpert seinen Ove hochgewachsen, kräftig und mit federndem Gang. Geschickt kontrastiert er die dynamischen Merkmale mit einem versteinerten Gesichtsausdruck und sarkastischen Sprüchen.

"Wie behandeln Sie denn meinen Hund", empört sich eine Anwohnerin der Siedlung, in der Ove wohnt und deren strenges Regelwerk maßgeblich auf ihn zurückgeht. "Das ist kein Hund", wendet Ove ein, "für mich ist das bloß ein Winterstiefel mit Augen." Das Lachen entspringt der Irriation über diesen fitten und verletzend frechen Frührentner. Zum Gespött wird er auch selbst, wenn er darauf hinweist, dass der Besitz einer Leiter in der Siedlung Vorschrift ist - mit Stützen und Anleitung!

Die Leser des Bestsellers "Ein Mann namens Ove" treffen im Kino auf eine etwas anders akzentuierte und präsentierte Titelfigur. Regisseur und Drehbuchautor Hannes Holm wirft die episodische Gliederung der Vorlage und die starre Typenhaftigkeit Oves über Bord und entdeckt die verschütteten Gefühle des Antihelden. Der Selbstmordplan ist kein Gedankenspiel mehr, sondern realisierte Obession mit knarrendem Strick. Und Oves verstorbene Frau Sonja (Ida Engvoll), der er ins Grab folgen will, ist keine Gattin mehr, die sich an Ove abgearbeitet hat, sondern die zauberhafte Verkörperung seines Glücks.

Wie sich schrittweise in Rückblicken abzeichnet, dass Ove zwar alles für Sonja gegeben hat, was er konnte, aber doch vielleicht nicht genug seine Empfindungen zeigte, ist ein Meisterstück elegischen Kinos. Wer da weinen muss, trauert nicht nur mit Ove um einen Verlust, sondern teilt auch die Erfahrung, dass der Schmerz in solchen Fällen unerbittlich anhält. Ove auf den Weg zu sich selbst zu bugsieren, ihn aus seiner Verpanzerung aus Miesepetrigkeit und Vorschriftenfetischismus zu holen, ist allerdings eine etwas undankbare Aufgabe für die übrigen Darsteller.

Bahar Pars als hochschwangere Parvaneh, iranische Ehefrau des ungeschickten neuen Nachbarn Patrik und Mutter zweier süßer Töchter, erscheint immer weniger als gute Freundin für Ove denn als Stichwortgeberin für seine holprige Entwicklung in Sachen Mitmenschlichkeit. Eine ganze Schar netter Außenseiter ist dazu da, Oves Liebenswürdigkeit hervorzulocken. Mit ein bisschen mehr Interesse an Gemeinschaft wäre Ove natürlicher geraten. Aber ein bittersüßes Kinovergnügen mit ruppigem Witz ist er trotzdem.

Quelle: teleschau - der mediendienst