Freeheld - Jede Liebe ist gleich

Freeheld - Jede Liebe ist gleich





Großer Kampf, braver Film

Für Ellen Page war "Freeheld - Jede Liebe ist gleich" ein Herzensprojekt. Die kanadische Schauspielerin ("Juno") spielt neben Julianne Moore nicht nur eine der beiden Hauptrollen. Sie hat das Drama, das auf einem kurzen, oscarprämierten Dokumentarfilm, also auf einer wahren Begebenheit, beruht, auch mitproduziert. Seit ihrem Outing kämpft Page gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Liebe: In "Freeheld" will eine todkranke Polizistin ihre Pensionsansprüche an ihre Lebenspartnerin übertragen lassen. Bei Eheleuten eine reine Formalie, ist das für ein lesbisches Paar im New Jersey des Jahres 2005 alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Künstlerisch ein mittleres Desaster, ist "Freeheld" trotzdem ein wichtiger Film, weil man die Menschen nicht oft genug daran erinnern kann, wie steinig der Weg zu einer offenen und toleranten Gesellschaft ist.

Irgendwie ist es symptomatisch für "Freeheld", dass die Realität den Film schon im vergangenen Sommer überholt hat. Im Juni 2015 hat der Supreme Court, das oberste US-Gericht, die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten für rechtens erklärt - zehn Jahre nachdem die taffe Polizistin Laurel Hester (Moore) und ihre Lebensgefährtin Stacie Andree (Page) in einer kleinen Küstenstadt für die Anerkennung ihrer Lebenspartnerschaft von der Pensionskasse streiten mussten.

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Laurel Hester bei der Polizei von Ocean County: Sie ist eine taffe Polizistin, die bei Einsätzen auch ihr Leben riskiert. Ein Privatleben hat sie nicht, vor allem weil sie nicht Gefahr laufen will, sich zu outen. Zum Volleyball fährt sie in den Nachbarstaat - und trifft dort die 19 Jahre jüngere Stacie Andree, eine schüchterne Kfz-Mechanikerin, die viel offener mit ihrer Homosexualität umgeht.

Es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen der taffen Lady und dem hemdsärmeligen Mädchen. Im eiligen ersten Drittel ist "Freeheld" ein ziemlich normaler Liebesfilm mit Haus, Hund und Idylle. Die beiden lassen sich als gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft eintragen. Ihre Liebe bleibt trotzdem heimlich, damit Laurel ihre Karriere nicht gefährdet. Doch dann bekommt die Polizistin eine niederschmetternde Diagnose: Krebs im Endstadium.

Um ihre Pensionsansprüche auf Ellen übertragen zu lassen, muss sich Laurel outen und den Kampf gegen die ziemlich bornierten Gemeinderäte, die "freeholder", aufnehmen. Dabei bekommt sie ungewollte Unterstützung von einem Aktivisten (Steve Carell), der den Fall medial ausschlachtet, um nationale Aufmerksamkeit für die Gay-Pride-Equality-Bewegung zu bekommen.

Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man feststellt, das "Freeheld" ein bestenfalls gewöhnlicher Film ist. Nichts ist originell an diesem Drama, das seine Botschaft wie ein Banner vor sich herträgt. Das Publikum wird quasi genötigt, sich mit Laurel und Stacie zu verbünden. Das ist fatal, weil eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft nur dann entstehen kann, wenn sie aus den Menschen heraus kommt, wenn sich jeder seine eigenen Gedanken machen und die entsprechenden Schlüsse ziehen darf.

So wie es Laurels Kollege Dane Wells (Michael Shannon) tut. Er verkörpert das Idealbild eines Bürgers, der seine Einstellungen überdenken kann. Aus dem gleichgültigen Kollegen wird ein sensibler Freund, der Laurel und Stacie mit aller Kraft und gegen alle Widerstände zur Seite steht.

Regisseur Peter Sollett und Drehbuchautor Ron Nyswaner aber malen lieber Vorurteile plakativ auf die Leinwand, begleitet von einem klebrigen Hans-Zimmer-Score. Die Figuren sind Hüllen, die vor allem ihren Zweck erfüllen müssen. "Freeheld" arbeitet brav all die wahren Begebenheiten ab, Gemeinderatssitzungen, den öffentlichen Aufruhr, Beamtenwillkür, Gleichgültigkeit, Homophobie.

Zwischen persönlichem Schicksal und politischer Relevanz schwankend weiß der rührselige Film nicht, was er will und nimmt sich von beiden Seiten nur das Offensichtliche. Der Zweck jedoch heiligt mitnichten die Mittel. Manchmal wird er von ihnen nur verwässert.

Quelle: teleschau - der mediendienst