The Huntsman & The Ice Queen

The Huntsman & The Ice Queen





Schwesterliebe, Schwesterhass

Das Interessanteste an der Schneewittchen-Verfilmung "Snow White & The Huntsman" von 2012 war weder die mit Mühe auf Spielfilmlänge gestreckte Story noch die halbgaren Schauspielleistungen; nicht einmal die durchaus ansehnlichen Schauwerte. Stattdessen gab es hinter den Kulissen einen waschechten Skandal, als Hauptdarstellerin Kristen Stewart beim Knutschen fotografiert wurde - mit dem verheirateten Regisseur des Films, Rupert Sanders. An der Fortsetzung "The Huntsman & The Ice Queen" arbeiteten nun weder Sanders noch Stewart mit. Ergebnis: ein skandalfreier Film inklusive einer mit Mühe auf Spielfilmlänge gestreckten Story, halbgaren Schauspielleistungen, aber immerhin ansehnlichen Schauwerten. Das reicht nicht für gute Unterhaltung. Dabei hatte man doch im Vorfeld schon so einiges richtig gemacht...

Ein Teil der Besetzungsliste blieb gleich: Chris Hemsworth ist wieder der titelgebende Huntsman, Charlize Theron spielt erneut die ebenso böse wie listige Königin Ravenna. Und mit dem Geld, das eigentlich für Frau Stewart eingeplant gewesen war, füllte man den Cast nicht minder prominent: Emily Blunt gibt Freya, die Schneekönigin und Schwester von Ravenna, Jessica Chastain schlüpft in die Rolle des Huntsman-Love-Interests Sara. Renommierte Namen aus dem Charakterfach also für ein vermeintliches Popcorn-Filmchen. Nützen tut es nichts: Die Schauspielerinnen kommen nicht gegen den lieblos zusammengepappten Plot an.

"The Huntsman & The Ice Queen" soll Prequel und Sequel zugleich sein, sich also um die Ereignisse im ersten Film drehen - und Snow White dabei außen vor lassen. Der Film setzt bei der Einführung der Schneekönigin Freya ein. Die zieht sich nach einem bitteren Verrat vom Hofe ihrer Schwester zurück, um ein eigenes, eisiges Königreich zu errichten. Wer es hier schafft, die überdeutliche Parallele zu Disneys Animationshit "Frozen" auszublenden, kann sicher auch über den arg küchenpsychologischen Ansatz hinwegsehen, der die Verbitterte das wichtigste Gesetz in ihrem Königreich aufstellen lässt: Liebe ist verboten. Dumm nur, dass sich in ihrer Huntsmen-Schar aus brutalen Elitesoldaten ausgerechnet die beiden Vorzeigemodelle Eric (Hemsworth) und Sara (Chastain) ineinander verlieben. Das Urteil der Schneekönigin ist - natürlich - kalt und grausam. So stehen die Zeichen denkbar schlecht, als sich die einstigen Turteltauben Jahre später unverhofft wiedersehen, um gemeinsam eine gefährliche Mission zu verfolgen ...

Klar, die überzeichneten Figuren und die ebenso überdramatischen wie absehbaren Wendungen sind in einem Märchenfilm durchaus entschuldbar, vielleicht sogar unabdingbar. Die oft allzu platten Dialoge aber hätten noch einigen Feinschliff vertragen. Und sicherlich hätte es auch nicht geschadet, das Zwergenquartett, das den Helden zur Seite steht, etwas weniger offensichtlich zur Clownstruppe zu stilisieren.

Das schlimmste Übel des Films aber ist seine Unentschlossenheit: Der im Vorgänger noch für die visuellen Effekte verantwortliche Cedric Nicolas-Troyan findet als Regisseur keinen schlüssigen Rhythmus. Gerade lässt man sich angesichts Ravennas genüsslicher Grausamkeiten oder cool choreographierter Kampfszenen dazu hinreißen, das Hochglanz-Spektakel als Action-Abenteuer anzuerkennen, packt den Huntsman plötzlich der Gefühlsdusel. Und kaum erlaubt man sich dank Jessica Chastains trotz aller Widrigkeiten anständigen Schauspiels, ein bisschen mit dem unglücklichen Liebespaar mitzuschmachten, wird eine platte Pointe dazwischengehauen. So ist "The Huntsman & The Ice Queen" ein Stückwerk aus mehreren mehr oder minder gelungenen Filmfassungen, das abgesehen von ein paar hübschen Bildern nichts hinterlässt, woran man sich erinnert. Nicht einmal einen kleinen Skandal.

Quelle: teleschau - der mediendienst