Criminal Activities

Criminal Activities





Der Möchtegern-Tarantino

Vorbilder sind etwas Gutes. Im besten Fall nimmt man sich an ihnen ein Beispiel und erschafft selbst etwas noch viel Besseres. Die berühmte Tanzszene von John Travolta und Uma Thurman in Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" etwa kupferte der Kult-Regisseur von einem seiner Lieblingsfilme "Bande à part" ab, nach dem er auch seine Produktionsfirma A Band Apart benannte. Doch zu viel Vorbild kann durchaus schaden, wie sich an dem Gangster-Streifen "Criminal Activities" unschwer erkennen lässt. Alles hier schreit so sehr "Pulp Fiction", dass das eigentliche Werk beinahe untergeht. Auch Hauptdarsteller John Travolta kann nicht an seine gefeierte Darstellung von 1994 anknüpfen. Drückt der Zuschauer beide Augen zu und vergisst alles, was er über die Gangsterfilme der 90-er weiß, unterhält der Film bisweilen trotzdem ganz gut.

Am Anfang war der Tod, oder besser gesagt eine Beerdigung: Die vier Freunde Zach (Michael Pitt), Warren (Christopher Abbott), Bryce (Rob Brown) und Noah (Dan Stevens) treffen bei der Bestattung eines alten Freundes zusammen und sinnieren anschließend über vergangene Zeiten. Dank eines Insidertipps kommen die Jungs auf die Idee, an der Börse richtig Geld zu machen. Doch wie das mit verlockenden Versprechungen oft so ist - am Ende bleibt davon nicht mehr viel übrig außer einem Haufen Schulden.

Die müssen die Vier ausgerechnet an den örtlichen Gangster-Boss und Halb-Italiener Eddie (John Travolta) zurückzahlen, der zwar gerne Smalltalk hält, bei Geld aber keinen Spaß versteht. Zwar erinnert John Travolta in "Criminal Activities" mimisch mehr an einen operierten Arnold Schwarzenegger denn an sein früheres Ich, den italienischen Gangster-Boss gibt er aber trotzdem ganz nett. Natürlich stellt sich der Zuschauer an dieser Stelle zwangsläufig die Frage: Warum einen mittelmäßigen John Travolta in "Criminal Activities" anschauen, wenn man auch den Spitzen-Travolta in "Pulp Fiction" haben kann?

Da die vier Freunde das geschuldete Geld nicht auftreiben können, gehen sie einen Deal mit Eddie ein. Sie sollen jemanden kidnappen, wissen aber nicht, dass dieser Jemand der Sohn eines anderen großen Mafiabosses ist. Es ist der Auftakt einer sich immer weiterspinnenden Gewaltspirale - nur mit etwas weniger Kunstblut als bei Quentin Tarantino. Am Ende gibt es jede Menge Kollateralschäden und eine überraschende Wendung.

Glücklicherweise überzeugt die Schauspielleistung, allen voran jene von Dan Stevens, der dem Prügelknaben Noah Leben einhaucht. Den Jungen mit dem Wuschelkopf muss man zwangsläufig ins Herz schließen. Den ein oder anderen Lacher hat "Criminal Activities" zwar auf seiner Seite. Alles in allem hat "Watchmen"-Star Jackie Earle Haley mit seinem schwarzhumorigen Gangsterfilm aber ein Regiedebüt hingelegt, das sich zu sehr von den 90-ern hat leiten lassen. Damit wirkt er im Jahr 2016 etwas aus der Zeit gefallen.

Selbst die inflationäre Benutzung des Wortes "Fuck" kann hier nicht mehr helfen - das schockt heute niemanden mehr. Ein kompletter Reinfall ist sein Film sicher nicht, vielleicht jedoch sollte sich Jackie Earle Haley das nächste Mal ein anderes Vorbild als Quentin Tarantino nehmen. An ihn heranzukommen dürfte auch für erfahrenere Regisseure schwer sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst