10 Cloverfield Lane

10 Cloverfield Lane





Wo lauert das Monster?

Produzent J. J. Abrams ("Star Wars: Das Erwachen der Macht") ist wohl der größte Geheimniskrämer Hollywoods. Dass es eine Fortsetzung zu seinem Monsterspektakel "Cloverfield" geben würde, sickerte erst zwei Monate vor dem Kinostart durch. Der Trailer zu "10 Cloverfield Lane" verrät nur wenig - außer dass dieser Film nicht viel mit seinem Vorgänger gemeinsam hat. Von der Originalbesetzung ist niemand mehr dabei, die Story eine völlig andere, und auch die Machart unterscheidet sich deutlich. Während "Cloverfield" 2008 in wackeliger Handkamera-Optik gedreht wurde, ist der Nachfolger ein konventionell gefilmtes Kammerspiel. Jedoch nicht weniger spannend.

Die Story beginnt mit einem heftigen Streit zwischen Michelle (Mary Elizabeth Winstead) und ihrem Verlobten Ben. Völlig aufgewühlt braust sie in ihrem Auto davon und wird in einen schlimmen Unfall verwickelt. Als sie erwacht, befindet sich die junge Frau in einem fensterlosen, kargen Kellerraum. Ihre Wunden wurden notdürftig versorgt, eine Infusionslösung tropft in einen Venenzugang. Doch Michelle ist angekettet, auf ihre Rufe reagiert zunächst niemand.

Ein Hauch von "Saw" weht durch den Gruselkeller, bis erstmals Howard (John Goodman) in Erscheinung tritt. Er erklärt Michelle, er habe sie verletzt am Straßenrand gefunden und mit in seinen Schutzbunker genommen. Die USA seien mit nuklearen oder chemischen Waffen angegriffen worden, der Fallout hätte mit großer Wahrscheinlichkeit die gesamte Bevölkerung dahingerafft. Ob die Russen, die Nordkoreaner oder Aliens hinter der tödlichen Attacke stecken, auf diese Frage hat selbst der ehemalige Soldat keine Antwort.

Natürlich fällt es Michelle schwer, Howards Horrorszenario Glauben zu schenken, und so versucht die junge Frau verzweifelt, dem Bunker zu entkommen. Sie verbündet sich mit Emmett (John Gallagher Jr.), dem dritten Kellerbewohner. Er hatte bei Howard Zuflucht gesucht, nachdem er am Himmel Blitze biblischen Ausmaßes gesehen hatte. Doch die wirren Verschwörungstheorien seines paranoiden Retters lassen auch Emmett langsam an dessen guten Absichten zweifeln. Und irgendwie ist es ja auch verdächtig: Da errichtet Howard extra einen Bunker, stattet ihn mit Luftfilteranlage, Strom, Wasserversorgung und ausreichend Konserven aus, und prompt bricht die Apokalypse aus ...

"10 Cloverfield Lane" ist ein nervenaufreibender Psychothriller, in dem vor allem John Goodman als Bunkerbauer Howard überzeugt. Seine Figur oszilliert zwischen gutmütigem Lebensretter und unberechenbarem Wahnsinnigen, sodass man als Zuschauer nie genau weiß, wo denn nun das Monster eigentlich steckt: über oder unter der Erde? Die Atmosphäre im Bunker pendelt zwischen dem entspannten Alltag einer ungewöhnlichen WG und der unbeschreiblichen Panik von Entführungsopfern. Lediglich die Auflösung des Films gerät reichlich unoriginell und unglaubwürdig. Das Ende enttäuscht deshalb ein wenig.

Abrams selbst bezeichnet "10 Cloverfield Lane" weniger als direktes Sequel, sondern eher als "Blutsverwandten" seines Überraschungshits "Cloverfield". Man muss den Vorgänger also nicht zwangsläufig gesehen haben, um sich von Regisseur Dan Trachtenbergs Erstlingswerk Schauer über den Rücken jagen zu lassen.

Quelle: teleschau - der mediendienst